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Freilebende Larve des Hakenwurmes Ancylostoma duodenale. Photo: Wikipedia“Hautmaulwurf” vom Baggersee:

Wenn der Hakenwurm sich in der Haut verirrt

Stuttgart (12. Mai 2010) - Kleine Larven, die unter der Haut herumkriechen, sind keine besonders angenehme Vorstellung. In tropischen und subtropischen Ländern sind sie indes nicht ungewöhnlich. In wärmeren Sommern tritt der “Hautmaulwurf” gelegentlich auch in Deutschland in Aktion, berichtet eine Expertin in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010). Zwei 39 und 60 Jahre alte Frauen hatten sich wegen stark juckender Hautveränderungen an die tropenmedizinische Ambulanz der Universität Düsseldorf gewandt. Dr. Irmela Müller-Stöver bemerkte zwei mehrere Zentimeter lange geschlängelte bläuliche Linien an der Hand der jüngeren und am Fuß der älteren Frau. Sie diagnostizierte eine “kutane Larva migrans”. Die Hautläsionen stammten von kleinen Gängen, welche die Larven von Hakenwürmern gegraben hatten.

In den Tropen ist ein derartiger Wurmbefall der Haut nicht selten. Auch im Süden Europas sind die Parasiten nach Auskunft der Expertin verbreitet – und in warmen Sommern würden sie gelegentlich auch in Deutschland beobachtet. Die Medizinerin erinnert sich an einen ähnlichen Fall bei einer Urlauberin aus der Eifel. Ihre beiden jetzigen Patientinnen hatten sich vermutlich an einem kleinen Baggersee in der Gegend von Moers im Westen des Ruhrgebiets angesteckt. Beide versicherten, dass sie seit einem Jahr nicht mehr im Ausland gewesen waren.
Hakenwürmer befallen normalerweise Hunde oder Katzen, erläutert Dr. Müller-Stöver. Im Darm der Tiere paaren sie sich. Das Weibchen legt Eier, die mit dem Kot ins Erdreich gelangen. Dort entwickeln sie sich zu Larven, wenn die klimatischen Bedingungen stimmen. Neben Feuchtigkeit und Schatten sind Temperaturen von mindestens 14 Grad, am besten aber 27 bis 30 Grad erforderlich, berichtet die Tropenmedizinerin. Dies sei in wärmeren Sommern auch in Deutschland möglich. Wer dann barfuß unterwegs ist, kann von den Larven befallen werden, die sich durch die Haut bohren. Normalerweise würden sie ihren Weg dann über die Venen und das Herz in die Lunge fortsetzen. Sie würden die Atemwege hinauf transportiert, danach verschluckt werden, bis sich Männchen und Weibchen im Dünndarm erneut fortpflanzen.

Das geschieht beim Menschen jedoch nicht. Er ist, wie Dr. Müller-Stöver ausführt, ein Fehlwirt: Die Larven schaffen es nicht in die Venen einzudringen. Ziellos wandern sie in der menschlichen Haut umher, bis sie nach mehreren Tagen bis Wochen sterben. Die Erkrankung ist deshalb harmlos, sie kann aber starke Beschwerden auslösen. Die beiden Patientinnen litten unter einem starken Juckreiz, der auch nachts anhielt. Einer der Frauen hatte er den Schlaf geraubt. Dr. Müller-Stöver konnte beiden Frauen schnell helfen. Die einmalige Einnahme des Wurmmittels Ivermectin tötete die Larven zuverlässig ab. Das Mittel mussten die Tropenmediziner aber aus dem Ausland importieren. Dr. Müller-Stöver: Weil die Infektion hierzulande insgesamt doch sehr selten ist, wurde es in Deutschland nicht eingeführt.

I. Müller-Stöver et al.:
In Deutschland erworbene Larva migrans cutanea.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (17): S. 859-861


Quelle: Thieme Presseservice, 18.05.2010 (tB).