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Jubiläumskongress der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) in schweren Zeiten

Organmangel überschattet medizinischen Fortschritt

Essen (4. Oktober 2016) - Morgen eröffnet die 25. Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG). Wie bereits die erste Jahrestagung der Gesellschaft findet der Jubiläumskongress in Essen statt. Die Kongresspräsidenten, Prof. Andreas Paul und Prof. Oliver Witzke nehmen das Jubiläum auch zum Anlass, um ein ernüchterndes Resümee zu ziehen: „Viele medizinische Probleme von damals sind weitgehend gelöst, dennoch steht die Transplantationsmedizin in Deutschland vor mehr Herausforderungen als jemals zuvor!“

Vor fast einem viertel Jahrhundert fand in Essen die erste Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft statt. Morgen eröffnet nun, und zwar erneut wieder in der Ruhrmetropole, die bereits 25. Jahrestagung. Die Präsidenten dieses Jubiläumskongresses, Prof. Andreas Paul und Prof. Oliver Witzke, beide vom Universitätsklinikum Essen, freuen sich darauf, das größte deutschsprachige Forum der Transplantationsmedizin eröffnen zu können. „Wir erwarten 800 Kolleginnen und Kollegen aus dem deutschsprachigen Raum, aufschlussreiche Studien und intensive Diskussionen“, so Prof. Paul.

Die inhaltlichen Schwerpunkte reichen in diesem Jahr von der Nutzung von Organen von Spendern, die als „expanded criteria donor“ (ECD)* gelten, über die Bedeutung der Transplantationsinfektiologie bis hin zur Weiterbildung zum Transplantationsmediziner, einer zukünftigen Zusatzbezeichnung für Ärzte, die die besondere Schulung und fachliche Qualifikation beteiligter Facharztgruppen belegen wird. Die Tagung bietet durch viele Themen rund um die Vorbereitung, Durchführung und Nachsorge bei Organtransplantationen die Möglichkeit, vorhandenes Wissen zu vertiefen bzw. neue Erkenntnisse zu gewinnen. Aber ebenso gehören das Erkennen und die Behandlung von Komplikationen nach einer Organspende dazu. Zudem werden auf dem Kongress Fragen der gesetzlichen, ethischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Transplantationsmedizin beleuchtet.

Parallel zum Kongress der Deutschen Transplantationsgesellschaft findet wie bereits in den vergangenen Jahren der Pflegekongress der AKTx Pflege statt. Die Kombination der beiden Kongresse und der dadurch mögliche intensive Austausch fördert die Zusammenarbeit der für die Transplantation wichtigen Berufsgruppen.

Im Rahmen der Jahrestagung der DTG werden die bedeutendsten Forschungspreise der deutschen Transplantationsmedizin verliehen, wie der Rudolf-Pichlmayr-Preis, der Preis zur Förderung der Organspende und der Forschungspreis Immunsuppression der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG).

Anlässlich eines Jubiläumskongresses muss aber auch zurückgeblickt werden. „1992 standen wir noch ganz am Anfang der Therapie mit modernen Immunsuppressiva. Es fehlte die Erfahrung, wie es gelingen kann, Abstoßungen zu verhindern, ohne das Immunsystem der Betroffenen komplett lahmzulegen und ihre Lebensqualität dramatisch zu mindern“, erklärt Prof. Witzke. Seitdem hat sich viel getan: Abstoßungen können heute früh erkannt und in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden. Immer weniger Menschen verlieren ihr Transplantat. Auch stehen zahlreiche verschiedene Medikamente zur Verfügung, die eine moderne Immunsuppression nach dem Motto „so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“ erlauben. „In den vergangenen 25 Jahren hat die Transplantationsmedizin enorm große Fortschritte gemacht und ist den Kinderschuhen entwachsen. Viele medizinische Probleme von damals sind weitgehend gelöst und es wird weiterhin ambitioniert geforscht, um die Transplantationsergebnisse zu verbessern, die Funktion der Spenderorgane länger aufrecht zu erhalten und die Lebensqualität von transplantierten Patienten denen gesunder Menschen anzugleichen“, erklärt Prof. Witzke.

Überschattet wird diese positive Entwicklung durch den eklatanten Rückgang der zur Verfügung stehenden Organe. „Die Transplantationsmedizin steht vor mehr Herausforderungen als jemals zuvor!“ erklärt Prof. Dr. Björn Nashan, Hamburg, Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG).

Das Ziel der Deutschen Transplantationsgesellschaft ist es daher, systemische Schwächen zu benennen und Lösungen aufzuzeigen. „Es kann nicht sein, dass es zwar medizinisch möglich wäre, viel mehr Patienten mit Organversagen zu retten, aber dass dies in der Realität nicht möglich ist, weil hierzulande die notwendige gesellschaftliche Diskussion bislang ausgeblieben ist“, ergänzt Prof. Bernhard Banas, Regensburg, President-Elect der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG).


Anmerkung
 

  • *„expanded criteria donor“ (ECD)-Spender sind Spender über 50 Jahre, auf die mindestens zwei der folgenden Kriterien zutreffen: Bluthochdruck, Kreatinin >1,5 mg/dl oder Schlaganfal l sowie Spender über 60 Jahre.

 
Weitere Informationen


Quelle: Deutsche Transplantationsgesellschaft e.V. , 04.10.2016 (tB) Thomas Backe