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Belastungsprobe Krebs

Funktionierende Familienbande schützen Kinder

 

  • Gut funktionierende Familienbande können Kinder von Krebspatienten vor emotionalen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten schützen

 

Münster (30. Juni 2014) – Schwere Krankheiten belasten Angehörige, doch enger Zusammenhalt hilft: Eine neue Studie weist darauf hin, dass gut funktionierende Familienbande Kinder von Krebspatienten vor emotionalen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten schützen können. Die Studie wurde von Dr. Birgit Möller geleitet, die in der münsterschen Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie arbeitet.


Rund 21 Prozent aller Krebspatienten sind bei der Diagnose zwischen 25 und 54 Jahren alt, viele von ihnen haben in ihrem Haushalt abhängige Kinder. „Die meisten Kinder und Jugendlichen kommen mit der Erkrankung eines Elternteils gut zurecht“, sagt Möller. „Bei manchen führt die hohe Belastung aber zu psychosozialen Problemen. Um gefährdete Familien davor zu schützen, ist es wichtig, Risikofaktoren rechtzeitig zu erkennen.“

Bei der jetzt in der Fachzeitschrift „Cancer“ publizierten Studie füllten Mitglieder von 235 Familien in Deutschland, in denen mindestens ein Elternteil an Krebs erkrankt ist, Fragebögen zu emotionaler Gesundheit und psychischen Auffälligkeiten aus. Unter den Befragten sind 402 Eltern und 324 Kinder im Alter von elf bis 21 Jahren. Verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt zeigen Kinder von Krebspatienten häufiger emotionale Probleme und Verhaltensauffälligkeiten. Der beste Prädikator für solche Probleme im Fragebogen ist die Bewertung familiärer Beziehungen: „Je schlechter Eltern und Kinder das ‚Funktionsniveau‘ der Familie in dieser Hinsicht einstufen, desto häufiger leiden die Kinder unter Problemen“, erläutert Möller – „selbst krankheitsbezogene Faktoren wie die Krebsform und die spezifische Behandlung haben keinen so großen Einfluss.“

Probleme könnten häufig rechtzeitig erkannt und dauerhafte psychische Gesundheitsprobleme vermieden werden, so Möller. Der Schlüssel dazu: „Familien mit krebskranken Eltern sollten parallel zur Behandlung auf Defizite bei den Familienstrukturen, auf psychische Probleme bei Kindern und, andere Studien einbeziehend, auch auf Depressionen bei Elternteilen untersucht werden.“ Risikofamilien könne dadurch gezielt Hilfe angeboten werden.

Für die Unterstützung bei der familiären Herausforderung durch schwere Krankheiten haben Forscher um Möller und den Kinder- und Jugendpsychiater sowie Familientherapeuten Prof. Dr. Georg Romer, der inzwischen die Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Münster leitet, schon 1999 das familienorientierte und kindzentrierte, präventive Beratungsprogramm COSIP entwickelt (Children of Somatically Ill Parents; deutsch: Kinder körperlich kranker Eltern). Es liegt in Buchform vor.


Während der Datenerhebung für die aktuelle Studie, die von Oktober 2009 bis Februar 2011 dauerte, arbeiteten Möller und Romer am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Studie wurde von der Deutschen Krebshilfe unters
tützt.

 

 

Publikationen

 


 

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 30.06.2014 (tB).

 
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