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Neoadjuvante Therapie bei Pankreaskrebs

Aktuelle Studie zeigt positive Effekte präoperativer Maßnahmen bei zuvor nicht operablen Tumoren

 

Patienten mit nicht operablen Pankreastumoren profitieren von einer präoperativen, so genannten neoadjuvanten Chemotherapie und/oder Strahlentherapie

 

Berlin (1. Juni 2010) - Mediziner des Klinikums rechts der Isar der TU München werteten für die aktuelle Studie Preoperative/Neoadjuvant Therapy in Pancreatic Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis of Response and Resection Percentages 111 bestehende Einzelstudien der Jahre 1980 bis 2009 aus, die sich mit den Auswirkungen neoadjuvanter, also präoperativer Therapien zum Pankreaskarzinom beschäftigen. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick: 

 

  • Neoadjuvante Therapien wie z.B. Chemotherapie und/oder Bestrahlung sind bei vormals nicht-operablen Pankreaskarzinomen in der Lage, Krebszellen häufig so weit zu vernichten und den Tumor so weit zu verkleinern, dass etwa ein Drittel dieser Patienten am Ende doch operiert werden konnten.
  • Neoadjuvante Therapien sind demnach in der Lage, die durchschnittliche Überlebensrate von Patienten mit vormals nicht-operablem Pankreaskarzinomen auf ein ähnlich hohes Niveau zu steigern, wie bei Patienten, die sofort nach der Diagnose operiert wurden. 

 

 

Kommentare zur Studie

 

„Die Ergebnisse zeigen ganz klar, dass Patienten, deren Pankreaskarzinom bereits lokal fortgeschritten und initial nicht operabel ist, auf jeden Fall eine neoadjuvante Behandlung erhalten sollten. Bei einer erneuten Überprüfung kann der Arzt danach in vielen Fällen doch zu einer Operation raten“, erklärt Studienkoautor PD Dr. Jörg Kleeff, Oberarzt der Chirurgischen Klinik und Poliklinik, Technische Universität München und Mitglied der DGAV.

 

Prof. Dr. Helmut Friess, Direktor der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV):

 

„Die vorliegenden Erkenntnisse sind ein innovativer Schritt bei der Bekämpfung des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Gemeinsam mit den Kliniken für Allgemein- und Viszeralchirurgie wird auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) die klinische Umsetzung neuer chirurgischer Behandlungsformen auf Basis dieser Studie vorantreiben.“ 

 

 

Hintergrund Pankreaskarzinom

 

Das Pankreaskarzinom ist die vierthäufigste Todesursache; die Überlebensprognose ist mit durchschnittlich fünf bis acht Monaten extrem gering. Da die Erkrankung im frühen Stadium kaum Symptome verursacht, wird der Tumor häufig spät diagnostiziert und kann bei nur etwa 10 bis 20 Prozent aller erkrankten Patienten operativ behandelt werden. Die chirurgische Entfernung des Tumors wurde bisher als einzig wirksame Behandlung angesehen.

 

Details der aktuellen Studie: Preoperative/Neoadjuvant Therapy in Pancreatic Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis of Response and Resection Percentages

 

Ein guter Grund die Wirksamkeit neoadjuvanter Therapien genauer zu untersuchen ist die hohe Zahl an Patienten ohne Metastasen, aber fortgeschrittenem Krankheitsverlauf, die aus diesen Gründen als „nicht operabel“ eingestuft werden sowie Patienten, die lokal-mikroskopisch unvollständig (R1) operiert werden. Ein möglicher Nutzen neoadjuvanter Maßnahmen wurde schon lange propagiert, es gab aber keine klinischen Nachweise für den Nutzen dieses Therapieansatzes. Die aktuelle Studienanalyse zusammengetragener Daten konnte diese Lücke nun zumindest ansatzweise schließen.

 

Basis der Analyse bilden alle Studien der letzten 30 Jahre, die sich mit den Auswirkungen neoadjuvanter Therapien unter anderem im Hinblick auf Tumorwachstum/-ansprechen, Resektion und Überlebensrate beim Pankreaskarzinom beschäftigen. Die Wissenschaftler bezogen in ihre Untersuchung 111 Studien ein, in die rund 4.400 Patienten eingeschlossen waren. Es handelt sich um nationale und internationale Studien, die im Zeitraum nach 1980 bis Dezember 2009 veröffentlicht wurden. Die theoretisch mögliche Überschneidung der Patienten in verschiedenen Studien (doppelte Erfassung) konnte nur schwer nachverfolgt werden und wurde mit 17 Prozent (konservativ geschätzt) ermittelt und bei der Auswertung berücksichtigt. Das Alter der Patienten lag im Mittel bei 62,5 Jahren.

 

 

Studienanalyse: Krankheitsverläufe mit neoadjuvanter Therapie

 

Alle 111 Studien enthielten Daten zu den Operationsverläufen, dabei waren die Definitionen bzgl. der „Operabilität“ des Tumors allerdings sehr verschieden bzw. wurden nicht genannt. In 107 der 111 Studien wurden Chemotherapien angewandt (96,4 Prozent); es wurden verschiedene Kombinationen und Dosierungen getestet. Hauptmedikamente waren Gemcitabin, 5-FU, Mitomycin C und Platinderivate. In 104 von 111 Studien (93,7 Prozent) erhielten Patienten Bestrahlungen; die Dosen rangierten zwischen 24 Gy bis zu 63 Gy. Daten zur Toxizität als Folge der Behandlung waren in 63 von 111 Studien verfügbar und wurden nur für Grade 3/4 analysiert. Toxizität der Grade 3/ 4 wurde bei der präoperativen Behandlung auf 29,4 Prozent für alle Patienten geschätzt, was vergleichbar ist mit den Toxizitätsdaten für adjuvante Therapien. Das Ansprechen auf präoperative Chemo- und/oder Bestrahlungstherapie wurde nach radiographischen oder pathologischen Kriterien analysiert. 44 Studien definierten die Kriterien bzgl. der Tumorreaktion eindeutig, 61 Studien taten dies nicht. Für die Gesamtstudien-„Population“ ergaben sich bei 3,9 Prozent ein komplettes Ansprechen, bei 29,1 Prozent ein partielles Ansprechen, einen stabilen Krankheitsverlauf zeigten 43,9 Prozent der Patienten; Tumorwachstum während der Therapie wurde bei 20,8 Prozent beobachtet.

 

 

Ergebnisse: Der Nutzen neoadjuvanter Maßnahmen

 

Die längste durchschnittliche Überlebensrate wurde im Rahmen der Gesamtanalyse für die Gruppe der vorher als operabel eingestuften Patienten nachgewiesen, die eine präoperative Behandlung bekamen und anschließend operiert wurden: Sie betrug 23,3 Monate. Gegenüber den ebenfalls als operabel eingestuften Patienten, die sich zuerst einer OP unterzogen und anschließend adjuvant behandelt wurden, zeigte sich keine gravierende Abweichung. Diese Gruppe hatte eine mittlere Überlebenswahrscheinlichkeiten von 20,1 bis 23,6 Monaten. Eine Operation ohne anschließende Nachbehandlung zeigt hingegeben eine mittlere Überlebensrate von 16,9 bis 20,2 Monaten.

 

Signifikant war der Unterschied bei den als nicht-operabel eingestuften Patienten, die eine neoadjuvante Behandlung erhielten und am Ende doch operiert werden konnten gegenüber den Patienten dieser Gruppe, die vorher keine neoadjuvante Therapie und keine Operation erhielten. Erstere hatten eine Überlebensrate von  20,5 Monaten gegenüber der zweiten Gruppe mit 6 bis 11 Monaten. Diejenigen Patienten aus dieser Gruppe, die zwar neoadjuvant behandelt wurden, aber letztendlich nicht operabel waren, hatten eine Überlebensrate von 10,2 Monaten.

 

 

Fazit

 

Ein Drittel der als nicht operabel eingestuften Patienten kann nach der neoadjuvanten Behandlung doch operiert werden und hat danach die gleiche (verlängerte) Überlebenserwartung wie die zuvor als „operabel“ eingestuften Mitpatienten.

 

 

Quelle

 

Gillen S, Schuster T, Meyer zum Büschenfelde C, Friess H, Kleeff J (2010) Preoperative/Neoadjuvant Therapy in Pancreatic Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis of Response and Resection Percentages. PLoS Med 7(4): e1000267. doi:10.1371/journal.pmed.1000267

Internet: http://www.plosmedicine.org/article/info:doi/10.1371/journal.pmed.1000267

 

 

Über die DGAV

 

Zweck der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie ist die Förderung des chirurgischen Schwerpunktes Allgemein- und Viszeralchirurgie in Wissenschaft und Praxis, insbesondere durch eine systematische Aus-/Weiter- und Fortbildung. Ebenfalls im Fokus stehen die Mitwirkungen an Maßnahmen zur Qualitätssicherung, Herstellung und Vertiefung der Beziehungen zur übergeordneten Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, zu den anderen chirurgischen Schwerpunkten und zu den Nachbarfächern sowie zu in- und ausländischen Fachgesellschaften mit gleichen Interessen. Gleichzeitig koordiniert die DGAV die Forschung und die Umsetzung deren Ergebnisse in die Praxis.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie, 01.06.2010 (tB).

 
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