Home Onkologie Brustkrebs Auch das beste Medikament kann nur wirken, wenn es eingenommen wird: Mangelnde Therapietreue bei Brustkrebspatientinnen im Frühstadium: PACT untersucht Auswirkungen und prüft Informationsprogramm
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Auch das beste Medikament kann nur wirken, wenn es eingenommen wird

Mangelnde Therapietreue bei Brustkrebspatientinnen im Frühstadium: PACT untersucht Auswirkungen und prüft Informationsprogramm

 

Bonn (26. Oktober 2007) – Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland rund 55.000 Frauen an Brustkrebs (1). Nach überstandener Behandlung ist das größte Problem der Patientinnen das Rückfallrisiko. Zwei Drittel aller Brustkrebspatientinnen haben einen hormonabhängigen Tumor und für sie ist die adjuvante Antihormontherapie seit Jahren fester Bestandteil der Nachsorge, um ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Doch derzeit gibt es im Zusammenhang mit der Antihormontherapie zwei Hürden. So erhalten noch immer nicht alle Patientinnen das wirksamere und verträglichere Medikament, nämlich einen Aromatasehemmer. Neueste klinische Daten belegen eine signifikante Überlegenheit der Aromatasehemmer gegenüber der bisherigen Standardtherapie mit Tamoxifen für Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren (2-5). Doch selbst wenn die Patientinnen einen Aromatasehemmer erhalten, deutet eine Umfrage darauf hin, dass die Frauen ihr Medikament häufig nicht regelmäßig einnehmen (6). Dabei ist eine gute Therapietreue (englisch „Compliance“) entscheidend für den Behandlungserfolg, da sich bei Wiederauftreten von Brustkrebs das Risiko erhöht, dass die Erkrankung nicht mehr zu heilen ist.

 

In der PACT-Untersuchung wird erstmals umfassend ermittelt, wie therapietreu Brustkrebspatientinnen sind, die adjuvant einen Aromatasehemmer einnehmen. Gleichzeitig wird geprüft, ob durch zusätzliche Informationen die Therapietreue verbessert werden kann. Das von Brustkrebsexperten, Brustkrebs-Selbsthilfegruppen und AstraZeneca entwickelte Projekt hat im September 2006 begonnen.

 

Jede neunte Frau ist betroffen: Brustkrebs. In Deutschland fordert diese Erkrankung 20.000 Menschenleben pro Jahr (1). Neben der Operation kommen Strahlen-, Chemo- und Antihormontherapien zum Einsatz. Eine wichtige Rolle spielt dabei die adjuvante Antihormontherapie. „Adjuvant“ bedeutet „vorsorglich, unterstützend“. Gemeint ist damit, dass die Antihormontherapie als fester Bestandteil der Brustkrebsbehandlung nach der Operation durchgeführt wird, um das Risiko für einen Brustkrebsrückfall zu senken. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass die Aromatasehemmer bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit dem bisherigen Standard Tamoxifen weit überlegen sind. Deshalb befindet sich die adjuvante Antihormontherapie derzeit im Umbruch. Während Experten den Einsatz der Aromatasehemmer fordern, bekommen derzeit noch immer viele Frauen Tamoxifen verschrieben und haben damit ein höheres Risiko, einen Krebsrückfall zu erleiden. Für eine Patientin erhöht das Wiederauftreten (Rezidiv) der Erkrankung ihr Risiko, dass der Brustkrebs nicht mehr heilbar ist.

 

In der nun startenden PACT-Untersuchung erhalten alle Teilnehmerinnen einen der derzeit am besten untersuchten Aromatasehemmer als adjuvante Antihormontherapie. PACT – Kürzel für Patient´s Anastrozol Compliance to Therapy Programme – wird untersuchen, wie therapietreu die Patientinnen sind, welche Gründe und Auswirkungen eine mangelnde Compliance hat und ob durch zusätzliche Informationen, die per Post an die Frauen geschickt werden, die Therapietreue verbessert werden kann.


Wichtig für den Behandlungserfolg: gute Therapietreue

Während der adjuvanten Antihormontherapie nehmen die Patientinnen fünf Jahre lang täglich eine Tablette ein. Dies ist eine einfache Behandlung, mit der die betroffenen Frauen deutlich ihr Risiko senken können, dass sich erneut ein Brustkrebs entwickelt – vorausgesetzt, die Tabletten werden zuverlässig und regelmäßig eingenommen.

Allerdings lässt die Therapietreue häufig zu wünschen übrig, wie wissenschaftliche Unter­suchungen bei weitverbreiteten Krankheiten ergeben haben. So nimmt nur jeder zweite Patient mit Bluthochdruck oder Diabetes zuverlässig seine verordneten Medikamente ein. Forscher schätzen, dass in Deutschland 20 bis 60 Prozent aller verschriebenen Arzneimittel nicht eingenommen werden und der volkswirtschaftliche Schaden aufgrund dieser schlechten Compliance mehrere Milliarden Euro beträgt (7).

Eine Umfrage deutet darauf hin, dass mangelnde Therapietreue auch unter Brustkrebs­patientinnen verbreitet ist. Befragt wurden Frauen, die nach der Brustkrebsoperation eine adjuvante Chemo- oder Antihormontherapie erhalten haben. Jede Zweite gab an, dass sie aus Vergesslichkeit oder mit Absicht Tabletten nicht eingenommen hatte. Einige lassen sich durch Nebenwirkungen entmutigen. Andere fühlen sich durch die Tablette jeden Tag an ihren Brustkrebs erinnert und vernachlässigen deshalb absichtlich die Einnahme (6). Das zeigt, die Gründe für mangelnde Therapietreue sind vielfältig. Oft ist den Frauen dabei gar nicht das Risiko bewusst, dass eine unregelmäßige Tabletteneinnahme ihr Leben gefährden kann.

 

Adjuvante Antihormontherapie: Ist mangelnde Therapietreue ein Problem?

Brustkrebsexperten befürchten, dass auch die adjuvante Antihormontherapie von dem Problem der mangelnden Therapietreue betroffen sein könnte. Die Forscher gehen davon aus, dass die unzuverlässige Tabletteneinnahme drastische Folgen hat: Rückfälle treten vermutlich häufiger auf, damit sinken die Heilungschancen und die Überlebenszeit verkürzt sich. Ob ihre Befürchtungen wirklich zutreffen, wollen die Experten jetzt in einer wissenschaftlichen Prüfung – der PACT-Untersuchung – ermitteln.

Dabei soll das Projekt nicht nur das vermutete Problem und seine Auswirkungen klären, sondern auch gleichzeitig eine mögliche Lösung wissenschaftlich überprüfen. Denn die Forscher hoffen, dass sich die Therapietreue durch eine verstärkte Aufklärung verbessern lässt. Dazu erhält die Hälfte der Frauen, die an der PACT-Untersuchung teilnehmen, zusätzlich begleitende Informationen zur Behandlung und zum Umgang mit der Erkrankung.

 

Brustkrebsexperten und Betroffene engagieren sich bei PACT

Sechs Brustkrebsexperten haben zusammen mit der Firma AstraZeneca die PACT-Untersuchung initiiert: Professor Rolf Kreienberg/Ulm, Professor Maria Blettner/Mainz, Professor Peyman Hadji/Marburg, Professor Nadia Harbeck/München, Professor Christian Jackisch/Offenbach und Professor Hans-Joachim Lück/Wiesbaden. Die Untersuchung erfüllt höchste wissenschaftliche Qualitätsansprüche und wurde von einer unabhängigen Ethikkommission hinsichtlich ihrer medizinischen, rechtlichen und ethischen Vertretbarkeit begutachtet und zustimmend beurteilt.

 

Am Inhalt der begleitenden Informationen wirkten zusammen mit den Brustkrebsexperten fünf Frauen mit, die selbst von Brustkrebs betroffen sind und sich in wichtigen Brustkrebs-Selbsthilfegruppen engagieren: Annette Rexrodt von Fircks/Autorin und Stiftungsgründerin, Doris Christiane Schmitt/Vorstandsmitglied mamazone e. V., Hilde Schulte/Bundes­vorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs e. V., Renate Haidinger/Vorsitzende Brustkrebs Deutschland e. V. und Rita Rosa Martin Mitautorin vom „Über-Lebensbuch Brustkrebs“. Nähere Informationen finden Interessierte auf der Homepage www.pact-programm.de.

 


Quellen

Broschüre Krebs in Deutschland, www.rki.de: Robert Koch-Institut, 2006

Howell A, on behalf of the ATAC Trialists' Group, Lancet 2005; 365: 1225-1226

Kaufmann M et al., J Clin Oncol 2006; 24: Abstr 547, Proceedings ASCO 2006

Jakesz et al., Lancet 2005; 366: 455-462

Boccardo F et al., J Clin Oncol 2005; 23:5138-5147

Atkins L, Fallowfield L. Intentional and non-intentional non-adherence to medication amongst breast cancer patients. Eur J Cancer 2006, 2006 Apr 24Sullivan SD, et al. J Res Pharmac Econom 1990;2:19-33

Reiche R „Compliance – Vorlesungsreihe medizinische Soziologie“ Universität Bonn, Wintersemester 2005/2006


 

Quelle: Pressegespräch von AstraZeneca zum Thema „1 Jahr PACT: Eine Standortbestimmung“ am 26. Oktober 2007 in Bonn (Publicis Vital).
 
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