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Kongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie

Neue Ergebnisse zum Mammographiescreening – Wissenschaftliche Bewertung

 

Leipzig (25. Juni 2015) - Kritik am Mammographiescreening hat in den letzten 12 Monaten potentielle Teilnehmerinnen erheblich verunsichert. Angeblich erziele das Mammographiescreening die nach den sieben, vor über 20 Jahren durchgeführten, randomisierten Studien erwartete Mortalitätssenkung nicht. Diese Studien seien zum Teil fehlerhaft durchgeführt und ausgewertet worden. Als Beleg wurde eine dieser Studien, die kanadische randomisierte Studie (CNBSS) angeführt, die keine Reduktion der Brustkrebssterblichkeit gezeigt hatte. Zudem sei mit der Verbesserung der Prognose durch die heute durchgeführte medikamentöse Zusatzbehandlung eine wesentliche Senkung der Brustkrebssterblichkeit durch die Früherkennung nicht mehr zu erwarten.


Eine darauf veröffentlichte Analyse des kanadischen Mammographie-Screening-Programms
[1], welches trotz des negativen Ergebnisses der oben genannten CNBSS Studie eingeführt worden war, unterstreicht jedoch die Wirksamkeit des Mammographiescreenings auch in der heutigen Zeit. Bei Frauen, die von 1990 bis 2009 am Mammographiescreening teilgenommen hatten, wurde eine Senkung der Brustkrebsmortalität um 40% nachgewiesen. Die neuen Ergebnisse aus Kanada bestätigen die Einschätzung, dass die Früherkennung, auch bei Anwendung der heute üblichen medikamentösen Behandlung mit Hormon- und Chemotherapie, eine deutliche Senkung der Brustkrebssterblichkeit erreicht. Sie stützen damit die Ergebnisse der im Auftrag der britischen Regierung [2] und der niederländischen Regierung [3] unabhängig voneinander erstellten Analysen der vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz.

 

Beide Expertenkommissionen empfehlen, die nationalen Mammographie-Screening-Programme fortzuführen und weiterzuentwickeln. Auch die Frauen, die in Deutschland am Mammographiescreening teilnehmen, können von einer deutlichen Senkung der Brustkrebssterblichkeit ausgehen. Erste Auswertungen zeigen den erwarteten Rückgang fortgeschrittener Karzinome.

 

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen die der Einladung beigelegte Information überarbeitet, um allen Frauen eine selbständige und informierte Abwägung zwischen individuellem Nutzen und potentiellen Nachteilen der Früherkennung auf der Basis der neuesten Erkenntnisse zu ermöglichen. Auch zu diesem Entwurf hat die DGS Stellung genommen und auf Veränderungen gedrungen.

 

Nach der Zurückweisung der Kritik an den randomisierten Mammographiescreeningstudien durch ein von der WHO eingesetztes Expertengremium, hatte der Deutsche Bundestag 2002 beschlossen, auch in Deutschland ein qualitätsgesichertes Mammographie-Screening-Programm einzuführen. Die aktuellen Ergebnisse aus Kanada bestätigen diese Entscheidung erneut. Nach wie vor kann man allen berechtigten Frauen in Deutschland die Teilnahme am bevölkerungsbezogenen qualitätsgesicherten Mammographiescreening empfehlen.

 

 

Literatur 

 


Quelle: Prof. Dr. Rüdiger Schulz-Wendtland, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Oberarzt am Radiologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen, Eröffnungspressekonferenz am 25.06.2015 (tB).

 
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