Home Onkologie Kopf-Hals-Tumore Erbitux setzt neue Standards in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren
22 | 01 | 2018
Medizin
- Anzeigen -

Awards
Veranstaltungen
Login
DocCheck





DocCheck Account beantragen »
PDF Drucken

Deutscher Krebskongress 2010

Erbitux setzt neue Standards in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren

 

Berlin (25. Februar 2010) – Beim 29. Deutschen Krebskongress in Berlin wurden im Rahmen des Symposiums „Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren“ die gegenwärtigen Fortschritte in der Therapie von Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und des Halses (squamous cell carcinoma of the head and neck, SCCHN) durch den monoklonalen EGFRAntikörper Erbitux® (Cetuximab) erörtert. Die aktuellen Ergebnisse der EXTREME-Studie und der Phase-III-Studie von Bonner et al. belegen den hohen klinischen Nutzen von Erbitux sowohl in der Therapie von rezidivierten und/oder metastasierten als auch von lokal fortgeschrittenen SCCHN. Basierend auf diesen Ergebnissen erteilte die European Society for Medical Oncology (ESMO) in ihrer aktuellen Leitlinie Erbitux in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie bzw. in Kombination mit Strahlentherapie den höchsten Empfehlungs- und Evidenzgrad und bestätigt damit die besondere Bedeutung von Erbitux in dieser Indikation.

 

Auf die zunehmende Bedeutung interdisziplinärer Schnittstellen in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren ging Professor Dr. Andreas Dietz vom Universitätsklinikum Leipzig in seinem Vortrag im Rahmen des Symposiums ein. Die Herausforderung für das interdisziplinäre Ärzteteam aus Chirurgen, Strahlentherapeuten und Onkologen besteht darin, die Organfunktionen so weit wie möglich zu erhalten, so Professor Dietz. Ein organ- und funktionserhaltender Therapieansatz wurde in der randomisierten Phase-II-TREMPLIN-Studie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen SCCHN getestet.1 In dieser Studie wurde ein Vergleich zwischen Strahlentherapie plus Erbitux und Strahlentherapie plus Cisplatin im Anschluss an eine Induktionschemotherapie mit Docetaxel, Cisplatin und 5-Fluorouracil (TPF) mit dem Therapieziel des Larynxerhalts gezogen. In Bezug auf einen Larynxerhalt war die Behandlung mit TPF gefolgt von Erbitux plus Strahlentherapie genauso effektiv wie die Behandlung mit TPF gefolgt von Strahlentherapie plus Cisplatin. Aufgrund des günstigeren Toxizitätsprofils konnte eine bessere Compliance in der Patientengruppe beobachtet werden.1

 

 

Deutlicher 5-Jahres-Überlebensvorteil bei lokal fortgeschrittenen SCCHN

 

Die effektive Tumorkontrolle bei gleichzeitig akzeptablem Toxizitätsprofil gilt als Therapieziel bei der Behandlung von lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren. Bislang war die Radiochemotherapie die einzige Standardtherapie in dieser Indikation. Allerdings werden durch die Hinzunahme von Chemotherapie zur Strahlentherapie die strahlentherapiebedingten Nebenwirkungen erhöht, wodurch die chronische und/oder akute Toxizität der Behandlung erheblich gesteigert werden kann. Während die akute Toxizität oft die Compliance beeinträchtigt, weisen neuere Daten darauf hin, dass die chronische Toxizität mit zum Teil erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden sein kann.

 

Die randomisierte Phase-III-Studie von Bonner et al. verglich die Wirksamkeit von Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie gegenüber alleiniger Strahlentherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen, inoperablen SCCHN.2 Die aktuellen Ergebnisse der 5-Jahres-Auswertung dieser Studie stellte Frau PD Dr. Susanne Staar, Klinikum Bremen-Mitte, in ihrem Vortrag vor. Die Langzeitanalyse bestätigt den effektiven Einsatz von Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie bei der Behandlung lokal fortgeschrittener SCCHN. Fast die Hälfte der Patienten, die Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie erhielten, lebten nach fünf Jahren (45,6 vs. 36,4 Prozent; p=0,018). Dieses Ergebnis bedeutet einen anhaltenden Überlebensvorteil von neun Prozent (49,0 vs. 29,3 Monate; HR 0,725; p=0,018). Das Auftreten von akneiformen Hautreaktionen korrelierte mit einer signifikanten Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens auf 68,8 Monate bei Patienten mit akneiformen Hautreaktionen vom Grad 2 bis 4 gegenüber 25,6 Monaten bei Patienten mit leichten oder keinen Hautreaktionen (HR 0,49; p=0,002). Das Mortalitätsrisiko konnte um 51 Prozent bei Patienten mit Hautreaktionen des Grades 2 bis 4 reduziert werden.2 Die ESMO bestätigt in ihrer aktuellen Leitlinie die hohe Evidenz einer Therapie mit Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren und erteilt der Kombinationstherapie mit Erbitux den höchsten Evidenz- und Empfehlungsgrad.3

 

Derzeit wird in klinischen Studien die Kombination aus Radiochemotherapie und Erbitux untersucht, um möglicherweise noch wirksamere Therapieoptionen bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren zu finden (Phase-III-Studie RTOG 0522). Klinische Studien in Phase I und II zeigen ermutigende Ergebnisse, so Dr. Staar.

 

 

Durchbruch in der Therapie von rezidivierten und/oder metastasierten SCCHN

 

Erstmals seit 30 Jahren konnte ein signifikanter Überlebensvorteil in der Therapie von rezidivierten und/oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren durch den Einsatz von Erbitux in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie erzielt werden. In seinem Vortrag fasste Professor Dr. Ulrich Keilholz, Charité Comprehensive Cancer Center, Berlin, die aktuelle Therapiesituation bei rezidivierten und/oder metastasierten SCCHN zusammen. Die randomisierte Phase-III-Studie EXTREME, die Erbitux plus platinbasierte Chemotherapie mit alleiniger Chemotherapie verglich, bedeutet einen Durchbruch in der Therapie dieser Indikation.4 Das mediane Gesamtüberleben verlängerte sich um fast drei Monate (10,1 vs. 7,4 Monate; p=0,04) bei Patienten, die Erbitux in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie erhielten im Vergleich mit alleiniger Chemotherapie. Das entspricht einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um 20 Prozent (HR 0,80). Darüber hinaus konnte durch die Hinzunahme von Erbitux zur Chemotherapie eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um 46 Prozent (5,6 vs. 3,3 Monate; p<0,001) und eine annähernde Verdopplung der Ansprechrate erzielt werden (36 vs. 20 Prozent; p<0,001).4 In der aktuellen Leitlinie zur Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren erteilt die ESMO Erbitux plus platinbasierter Chemotherapie als einziger Therapieoption den höchsten Evidenz- und Empfehlungsgrad bei rezidivierten und/oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren. Damit gilt Erbitux als Therapiestandard in dieser Indikation.3

 

Professor Dr. Keilholz wies darüber hinaus darauf hin, dass der HPV-Status einen Einfluss auf das mediane Gesamtüberleben bei Patienten mit Oropharynxkarzinomen hat. Aktuelle Ergebnisse belegen für HPV-positive Patienten mit Oropharynxkarzinomen ein medianes Gesamtüberleben von 87,9 Prozent im Vergleich zu 65,8 Prozent bei HPV-negativen Patienten (p<0,0001).5 Daher sollte der HPVStatus als wichtiger prognostischer Faktor bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren mitbestimmt werden.

 

 

Referenzen

 

1. Lefebvre J, et al. ASCO Congress 2009, Abstract No: 6010.

2. Bonner J, et al. Lancet Oncol, 2010;11(1):21–28.

3. Licitra L, & Felip E. Ann Oncol 2009;20(Suppl 4):iv121–iv122.

4. Vermorken JB, et al. N Engl J Med 2008;359:1116–27.

5. Gillison ML, et al. ASCO Congress 2009, Abstract No: 6003.

 

 

Mehr Informationen über Kopf-Hals-Tumoren und Darmkrebs finden Sie unter www.globalcancernews.com

 

 

Download

 

Krebs an Kopf und Hals - die unbekannte Krankheit: Info_Kopf_Hals_Tumore.pdf Info_Kopf_Hals_Tumore.pdf (647.42 KB)

Erbitux in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren: Kopf_Hals_Tumore.pdf Kopf_Hals_Tumore.pdf (704.00 KB)

Der EGFR-Antikörper Erbitux: Erbitux.pdf Erbitux.pdf (1.63 MB)

Unkontrolliertes Zellwachstum: EGFR.pdf EGFR.pdf (1.52 MB)

 

 

Über Erbitux

 

Erbitux ist der erste monoklonale Antikörper vom Typ IgG1, der hochwirksam und gezielt den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) blockiert. Als monoklonaler Antikörper unterscheidet sich Erbitux in seiner Wirkweise von nicht selektiven Standardchemotherapien dadurch, dass er spezifisch an den EGFR bindet. Durch diese Bindung werden die Aktivierung des Rezeptors und das nachgeschaltete Signalleitungssystem gehemmt, wodurch sowohl die Invasion der Tumorzellen in gesundes Gewebe als auch die Ausbreitung der Tumore in neue Körperregionen (Metastasierung) vermindert werden. Darüber hinaus wird angenommen, dass es die Fähigkeit der Tumorzellen, die durch Chemo- und Strahlentherapie verursachten Schäden zu reparieren, sowie die Ausbildung neuer Blutgefäße in den Tumoren verringert, was zu einer generellen Hemmung des Tumorwachstums zu führen scheint.

 

Als häufigste Nebenwirkung tritt bei Behandlung mit Erbitux ein akneartiger Hautausschlag auf, der wiederum mit einem guten Ansprechen auf die Therapie zu korrelieren scheint. Bei etwa fünf Prozent aller Patienten können unter der Behandlung mit Erbitux Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten; etwa die Hälfte dieser Reaktionen ist schwerwiegend.

 

Erbitux ist bereits in 77 Ländern zugelassen. Es ist für die Behandlung des Kolorektalkarzinoms in 77 Ländern zugelassen und für die Behandlung von Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses (SCCHN) in 72 Ländern:

 

  • Dezember 2003 (Schweiz), Februar 2004 (USA), Juni 2004 (EU), gefolgt von weiteren Ländern: Zulassung für die Kombinationsbehandlung mit Irinotecan bei Patienten mit EGFRexprimierendem, metastasiertem Kolorektalkarzinom, die auf eine vorherige irinotecanhaltige Therapie nicht mehr ansprachen. Zudem kann Erbitux in weiteren Ländern auch als Monotherapie eingesetzt werden.
  • April 2006 (EU), gefolgt von weiteren Ländern: Zulassung für die Kombinationsbehandlung mit einer Strahlentherapie von lokal fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses (SCCHN). In weiteren Ländern ist Erbitux auch als Monotherapie bei Patienten mit rezidivierten und/oder metastasierten Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses zugelassen, die auf eine vorherige Chemotherapie nicht mehr angesprochen haben.
  • Juli 2008 (EU): Ausweitung der Zulassung auf die Behandlung von Patienten mit EGFR-(epidermal growth factor receptor)-exprimierendem, metastasiertem kolorektalen Karzinom mit KRAS-Wildtyp-Tumoren in Kombination mit Chemotherapie. Darüber hinaus kann Erbitux auch als Monotherapie für Patienten, die auf eine vorausgegangene oxaliplatin- und irinotecanbasierte Chemotherapie nicht angesprochen hatten und die eine Intoleranz gegen Irinotecan aufweisen.
  • Juli 2008 (Japan): Zulassung für eine Kombinationstherapie mit Irinotecan bei Patienten mit EGFR-exprimierendem, metastasiertem kolorektalen Karzinom, die auf eine vorausgegangene irinotecanbasierte Therapie nicht angesprochen hatten.
  • November 2008 (EU): Ausweitung der Zulassung auf die Kombinationsbehandlung mit einer platinbasierten Standardchemotherapie bei Patienten mit rezidivierten und/oder metastasierten Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses.

 

Merck hat die Vermarktungsrechte für Erbitux außerhalb der USA und Kanada 1998 in Lizenz von ImClone Systems, einer hundertprozentigen Tochter von Eli Lilly and Company erworben. In Japan wird Erbitux gemeinsam von ImClone Systems, Bristol-Myers Squibb Company und Merck entwickelt und vermarktet. Merck hat sich dem Ziel einer Förderung der Onkologie-Therapie verschrieben und untersucht derzeit neuartige therapeutische Ansätze in hoch spezifischen Bereichen, beispielsweise die Anwendung von Erbitux bei Kolorektalkarzinomen, Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses sowie nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom. Außerdem hat Merck die Rechte an der Krebstherapie UFT® (Tegafururacil) erworben – einer oralen Chemotherapie, die mit Folinsäure (FA) zur Erstlinientherapie von metastasierten Kolorektalkarzinomen eingesetzt wird.

 

Merck KGaA untersucht außerdem neben anderen Krebstherapien die Anwendung von Stimuvax (liposomaler Krebsimpfstoff BLP25) in der Behandlung des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms. Im September 2004 hat dieser Impfstoff von der FDA den Fast-Track-Status erhalten. Merck hat die weltweiten Exklusiv-Lizenzrechte von Oncothyreon Inc., Seattle, Washington, USA erworben.

 

Zudem entwickelt Merck Cilengitide, der erste einer neuen Gruppe von experimentellen Krebstherapien, der sogenannten Integrininhibitoren, der die Phase III in der Entwicklung erreicht hat. Momentan wird der Einsatz von Cilengitide in der Behandlung von Glioblastomen, SCCHN und NSCLC untersucht. Man nimmt an, dass Integrininhibitoren über Angriffspunkte im Tumor und dessen Blutgefäßen wirken.

 

Die Merck Serono GmbH ist eine eigenständige Tochtergesellschaft der Merck-Gruppe mit Sitz in Darmstadt. Das Unternehmen ist im Januar 2010 aus der Fusion der Merck Pharma GmbH und der Serono GmbH hervorgegangen. Innerhalb der Sparte Merck Serono ist die Merck Serono GmbH für Marketing und Vertrieb von verschreibungspflichtigen Originalarzneimitteln in Deutschland verantwortlich.

 

 

Merck Serono

 

Merck Serono ist die Sparte von Merck für verschreibungspflichtige Originalarzneimittel mit Hauptsitz in Genf, Schweiz. Merck Serono erforscht, entwickelt, produziert und vermarktet sowohl innovative Biopharmazeutika als auch Medikamente aus kleinen Molekülen, um Patienten bei Erkrankungen mit hohem therapeutischen Bedarf zu helfen. In Nordamerika (Vereinigte Staaten und Kanada) werden die Geschäfte unter dem Namen EMD Serono geführt. Merck Serono verfügt über führende Marken, die Patienten bei Krebs, Multipler Sklerose, Unfruchtbarkeit sowie metabolischen und kardiometabolischen Erkrankungen zugute kommen. Mit jährlichen F&E-Investitionen in Höhe von 1 Mrd. € engagiert sich Merck Serono für den Ausbau des Geschäftes in Therapiebereichen mit hohem Spezialisierungsgrad, wie z. B. Neurologie und Onkologie, aber auch in neuen Therapiebereichen, die sich potenziell aus der eigenen Forschung und Entwicklung im Bereich Autoimmun- und Entzündungserkrankungen ergeben können.

 

 

Merck

 

Merck ist ein weltweit tätiges Pharma- und Chemieunternehmen mit Gesamterlösen von 7,7 Mrd € im Jahr 2009, einer Geschichte, die 1668 begann, und einer Zukunft, die rund 33.000 Mitarbeiter in 61 Ländern gestalten. Innovationen unternehmerisch denkender und handelnder Mitarbeiter charakterisieren den Erfolg. Merck bündelt die operativen Tätigkeiten unter dem Dach der Merck KGaA, an der die Familie Merck mittelbar zu rund 70 Prozent und freie Aktionäre zu rund 30 Prozent beteiligt sind. 1917 wurde die einstige US-Tochtergesellschaft Merck & Co. enteignet und ist seitdem ein von der Merck-Gruppe vollständig unabhängiges Unternehmen.

 

 


Quelle: Symposium der Firma Merck Serono beim 29. Deutschen Krebskongress zum Thema „Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren“ am 25.02.2010 in Berlin (IntraMedic) (tB).

 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson