Hirntumore beeinflussen den Stoffwechsel in gesunden Hirnregionen

 

Studie von Wissenschaftlern belegt: Nicht die Chemo- bzw. Strahlentherapie löst die Veränderung aus, sondern das Gehirn verändert sich durch den Tumor

 

Witten/Herdecke (8. März 2011) - Hirntumore verändern den Stoffwechsel in benachbarten gesunden Hirnregionen: Das hat ein Forscherteam um Dr. Martin Busch am Lehrstuhl für Radiologie und Mikrotherapie von Professor Dr. Dietrich Grönemeyer an der Universität Witten/Herdecke in einer jetzt veröffentlichten Studie (s.u.) nachgewiesen. Mit Hilfe der Magnetresonanz-Spektroskopie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Biochemie in „nicht tumorösen“ Bereichen des Gehirns bei Hirntumorpatienten von der Norm abweicht. Für die Studie wurden 135 „single voxel“ Spektren an 43 Hirntumor-Patienten und in 129 Spektren an 52 gesunden Probanden erstellt.

 

„Mit den so genannten Single-Voxel-Aufnahmen können wir die biochemische Zusammensetzung eines vorher festgelegten Teils des Gehirns untersuchen. So haben wir ’gesunde’ Gehirnareale von Tumorpatienten mit denen gesunder Probanden verglichen und deutliche Unterschiede festgestellt. Die Interpretation der Beobachtung ist aber nicht so einfach“, beschreibt Dr. Martin Busch seine Forschung. Bereits jetzt können die Forscher ausschließen, dass die sichtbaren Veränderungen durch Chemo- und/oder Strahlentherapie ausgelöst werden. „Das war unsere erste Hypothese, dass die ja sehr gewebeschädigenden Therapien die Ursache für die Veränderungen sein könnten. Doch wir konnten das mit statistischen Methoden ausschließen.“ In Zukunft sollen die Daten der Spektroskopie mit biochemischen Parametern (z.B. Tumormarkern im Blut) korreliert werden, um so die Ursachen der Veränderungen einzugrenzen.

 

Für Spezialisten: Die Spektren beider Gruppen konnten alleine durch die relative Konzentration von N-Acetalaspartat hervorragend unterschieden werden und ebenso war eine Unterscheidung durch Myoinositol statistisch signifikant möglich. Die Fläche unter der Kurve der „receiver operating characteristic“ war für beide Metabolite 0.86 und 0.62. Mit der linearen Diskriminanzanalyse war eine Vorhersage, ob ein Spektrum zur Patienten- oder Probandengruppe gehörte, mit einer Genauigkeit von deutlich über 80 % möglich. Dass deutet auf einen generell veränderten Stoffwechsel im Gehirn von Tumorpatienten hin, der eventuell durch eine Wanderung von Tumorzellen in gesunde Bereiche des Gehirns ausgelöst sein könnte.

 

 

Literatur

 

  • Busch M, Liebenrodt K, Gottfried S, Weiland E, Vollmann W, Mateiescu S, Winter S, Lange S, Sahinbas H, Baier J, van Leeuwen P, Grönemeyer D. Influence of Brain Tumors on the MR-Spectra of Healthy Brain Tissue. Magn Reson Med. 2011 Jan;65(1):18-27 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mrm.22612/abstract

 

 


Quelle: Universität Witten/Herdecke, 08.03.2011 (tB).