Merck zieht EU-Zulassungsantrag für Erbitux bei NSCLC zurück

 

Darmstadt (18. September 2012) – Merck hat heute die strategische Entscheidung zur Rücknahme des Antrags bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) auf Indikationserweiterung für die Zulassung von Erbitux® in Kombination mit einer platinbasierten Standardchemotherapie in der Erstlinienbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) mit einer hohen Expression des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) bekannt gegeben. Die Rücknahmeentscheidung beruhte auf Rückmeldungen seitens europäischer Zulassungsstellen, dass weitere Studiendaten notwendig wären. Die belegte Wirksamkeit von Erbitux in den bereits zugelassenen Indikationen metastasiertes Kolorektalkarzinom (mCRC) und Plattenepithelkarzinom des Kopfes und Halses (SCCHN) bleibt von dieser Entscheidung unberührt.

 

„Wir sind enttäuscht, dass wir unser Zulassungsvorhaben in der Indikation NSCLC nicht voranbringen konnten. Es wurde aber deutlich, dass weitere Daten benötigt werden, um den klinischen Nutzen von Erbitux bei dieser speziellen Patientenpopulation zu untermauern”, kommentierte Dr. Annalisa Jenkins, Leiterin von Global Drug Development & Medical der Sparte Merck Serono. „Wir werden unsere Onkologie-Pipeline weiterentwickeln und planen z. B. mit unserem Partner Threshold eine Phase-III-Studie mit TH-302 zur Erstlinienbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom.“

 

Wie der Merck-Kooperationspartner Threshold Pharmaceuticals Inc. am 17. September 2012 bekannt gab, werden die Daten einer randomisierten offenen klinischen Studie der Phase IIb zu der hypoxie-aktivierten Forschungssubstanz TH-302 bei Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom im Rahmen der vom 28. September bis 2. Oktober 2012 in Wien stattfindenden Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) vorgestellt. Threshold hatte im Februar 2012 veröffentlicht, dass die Studie ihren primären Endpunkt der statistisch signifikanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens bei den mit TH-302 und Gemcitabin behandelten Patienten (um 63%, p = 0,005) im Vergleich zur Gruppe unter alleiniger Gemcitabintherapie bei akzeptablem Sicherheitsprofil erreicht hatte. Für die mit TH-302 behandelten Patienten bedeutete dies eine Verlängerung der Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Erkrankung um zwei Monate.

 

Neue Ergebnisse zum Gesamtüberleben, einem sekundären Endpunkt der Studie, belegen für Patienten unter Gemcitabin-Monotherapie eine mittlere Gesamtüberlebenszeit von 6,9 Monaten gegenüber 9,2 Monaten für Patienten, die 340 mg/m2 TH-302 plus Gemcitabin erhielten (HR: 0,955, 95 % KI: 0,67 – 1,37, p = 0,800) bzw. 8,7 Monaten bei Behandlung mit 240 mg/m2 TH-302 plus Gemcitabin (HR: 0,960, 95 % KI: 0,67 – 1,38, p = 0,827): Auch wenn diese Ergebnisse keine statistische Signifikanz aufweisen, steht die Verbesserung des mittleren Gesamtüberlebens (OS) in Einklang mit der zuvor berichteten Steigerung des medianen progressionsfreien Überlebens (PFS). Der Studienaufbau sah nicht den Nachweis einer statistisch signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens vor, enthielt aber die Option des Crossovers. Patienten unter Gemcitabin-Monotherapie, die bei Fortschreiten der Erkrankung zur Kombinationsbehandlung mit Gemcitabin plus TH-302 wechselten, trugen zu einer Steigerung des Überlebens im Vergleichsarm der Studie bei.

 

Das Sicherheitsprofil von TH-302 steht weiterhin in Einklang mit dem, was auf der Jahrestagung 2012 der American Association of Cancer Research berichtet wurde. Zu den häufigsten Nebenwirkungen, die in allen Gruppen vergleichbar auftraten, zählten Müdigkeit, Übelkeit, Obstipation und periphere Ödeme. Haut- und Schleimhauttoxizitäten und Myelosuppression waren die häufigsten Nebenwirkungen in Zusammenhang mit TH-302. Diese Nebenwirkungen waren zumeist vom Schweregrad I oder II und führten nicht zu einer Zunahme der Behandlungsabbrüche. In allen Behandlungsarmen waren Nebenwirkungen, die zum Abbruch der Studienbehandlung führten, sowie schwerwiegende Nebenwirkungen gleichermaßen vertreten. Nebenwirkungen der Schweregrade III / IV / V traten in der Regel bei weniger als 10% der Patienten auf.

 

 

Über Erbitux

 

Erbitux ist der erste monoklonale Antikörper vom Typ IgG1, der hochwirksam und gezielt den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) blockiert. Als monoklonaler Antikörper unterscheidet sich Erbitux in seiner Wirkweise von nicht-selektiven Standardchemotherapien dadurch, dass er spezifisch an den EGFR bindet. Durch diese Bindung wird die Aktivierung des Rezeptors und das nachgeschaltete Signalleitungssystem gehemmt, wodurch sowohl die Invasion der Tumorzellen in gesundes Gewebe als auch die Ausbreitung der Tumore in neue Körperregionen (Metastasierung) vermindert wird. Darüber hinaus wird angenommen, dass es die Fähigkeit der Tumorzellen, die durch Chemo- und Strahlentherapie verursachten Schäden zu reparieren, sowie die Ausbildung neuer Blutgefäße in den Tumoren verringert, was zu einer generellen Hemmung des Tumorwachstums zu führen scheint.

 

Als häufigste Nebenwirkung tritt bei Behandlung mit Erbitux ein akneartiger Hautausschlag auf, der wiederum mit einem guten Ansprechen auf die Therapie zu korrelieren scheint. Bei etwa 5 % aller Patienten können unter der Behandlung mit Erbitux Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten; etwa die Hälfte dieser Reaktionen ist schweren Ausmaßes.

 

Erbitux ist bereits in 92 Ländern zugelassen. Es ist für die Behandlung von Kolorektalkarzinom in 92 Ländern und für die Behandlung von Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses (SCCHN) in 89 Ländern zugelassen.

 

Merck hat die Vermarktungsrechte für Erbitux außerhalb der USA und Kanada 1998 in Lizenz von ImClone LLC, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft von Eli Lilly and Company, erworben. In Japan wird Erbitux gemeinsam von ImClone, Bristol-Myers Squibb Company und Merck entwickelt und vermarktet. Merck hat sich dem Ziel einer Förderung der Onkologie-Therapie verschrieben und untersucht derzeit neuartige therapeutische Ansätze in hoch spezifischen Bereichen.

 

Weitere Informationen zu Erbitux in den Indikationen Kolorektalkarzinom und Kopf- und Hals-Karzinom finden Sie im Internet unter: www.globalcancernews.com

 

 

TH-302

 

Bei TH-302 handelt es sich um einen in der Entwicklung befindlichen alkylierenden Wirkstoff, der bei stark ausgeprägtem Sauerstoffmangel des Tumors, einem Kennzeichen vieler Krebserkrankungen, aktiviert werden soll. Bei soliden Tumoren beruhen die Gewebebereiche mit niedrigen Sauerstoffspiegeln (Hypoxie) auf einer unzureichenden Versorgung mit Blutgefäßen. Auch im Knochenmark von Patienten mit hämatologischen Neoplasien (Leukämien und Lymphomen) konnte in einigen Fällen eine stark ausgeprägte Sauerstoffunterversorgung nachgewiesen werden. TH-302 wird derzeit in einer Phase-III-Studie in Kombination mit Doxorubicin im Vergleich zu Monotherapie mit Doxorubicin bei Patienten mit Weichteilsarkom untersucht. Eine randomisierte Phase-II-Studie zu TH-302 in Kombination mit Gemcitabin in Vergleich zu Monotherapie mit Gemcitabin bei Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs wurde bereits abgeschlossen. Des Weiteren laufen Studien mit TH-302 zu hämatologischen Neoplasien sowie im Rahmen von Kombinationstherapien bei soliden Tumoren (Phase I). Merck schloss mit Threshold Pharmaceuticals Inc. eine Lizenz- und Entwicklungsvereinbarung zu TH-302 ab.

 


 

Quelle: Merck KGaA, 18. September 2012 (tB).