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Krebs: eine chronische Erkrankung ‑ wie nah sind wir diesem Ziel?

 

Experten der Charite informieren: Das Nierenzellkarzinom als Referenz für moderne Therapieansätze

 

Berlin (26. November 2008) - „Neue molekularbiologische Therapieansätze und interdisziplinäre Steuerung der Behandlung eröffnen den Tumorpatienten bessere Chancen." Dies stellten die Experten der Charite beim heutigen Presseworkshop zum Nierenzellkarzinom fest.

Im öffentlichen Bewusstsein ist die Diagnose Krebs oftmals noch gleichbedeutend mit einer oft tödlich verlaufenden Erkrankung. Dabei kann die Medizin gerade in diesem Bereich durch unterschiedliche Strategien auf die große Fortschritte verweisen. Zum einen wurden, aufbauend auf der Entschlüsselung des menschlichen Genoms und dem Aufdecken der molekularen Abläufe der Zelle, konkrete molekularbiologische Therapieansätze in die klinische Anwendung gebracht, die zielgerichtet in das Tumorgeschehen eingreifen. Zum anderen verfolgen die Klinken heute ein erweitertes interdisziplinäres Konzept (Comprehensive Cancer Center) in der Therapie der Tumorerkrankungen, das sicherstellt, dass der Patient die Therapie erhält, die für ihn am besten geeignet ist.

Viele Krebspatienten profitieren von diesen innovativen Wegen bereits heute mit besseren Heilungschancen und einem deutlichen Zuwachs an Lebensqualität.

 

An der Charite sind diese neuen Ansätze Realität. Hier wurde ein "Comprehensive Cancer Center" (CCC) eingerichtet, das soeben als erstes CCC in Deutschland von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert wurde.

Die Experten Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Prof. Dr. Kurt Miller, PD Dr. Manfred Johannsen, PD Dr. Steffen Weikert und Prof. Dr. Peter M. Schlag erläuterten am Beispiel des Nierenzellkarzinoms die Möglichkeiten, die durch die neuen molekularbiologischen Therapieansätze und die erweiterte interdisziplinäre Kooperation eröffnet wurden.

 

„Zunächst hatte man den Eindruck, dass die im Vergleich zu anderen Therapieansätzen niedrigen Ansprechratenraten, die mit Hilfe der zielgerichteten Substanzen erreicht werden können, den Einsatz auf die palliative Situation beschränken. Mit zunehmender Erfahrung können wir jedoch feststellen, dass es möglich ist, beim Nierenzellkarzinom mit Substanzen wie z.B. Sunitinib oder Bevacizumab langandauernde Remissionen zu erzielen. Wir verfügen hier über eine ganze Reihe vielversprechender Medikamente. Es gibt aber auch andere Tumorentitäten, wie beispielsweise das Mammakarzinom oder das Kolonkarzinom, bei denen molekularbiologische Therapieansätze bereits mit guten Ergebnissen eingesetzt werden. Dies lässt uns hoffen, dass wir eines Tages bei vielen Tumorarten von einer chronischen Erkrankung sprechen können." ‑ so Professor Miller.

  

Nierenzellkarzinom exemplarisch für Fortschritte in der Onkologie

Das Nierenzellkarzinom kann als Tumorerkrankung angesehen werden, welche exemplarisch für den Paradigmenwechsel in der Krebsbehandlung steht. Anliegen des Workshops ist es, diesen Paradigmenwechsel anhand neuester Daten theoretisch und unter Einbeziehen eines betroffenen Patienten praktisch zu illustrieren.

 

Rückblick: Nierenkrebs als schwer zu behandelnde Erkrankung

Jedes Jahr erkranken in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch­-Instituts 10.750 Männer und 6.400 Frauen an einem Nierenzellkarzinom (1). Nierenkrebs gehört damit zu den zehn am häufigsten auftretenden Tumorarten. Vor allem bei Männern beobachten die Epidemiologen dabei eine deutlich steigende Tendenz: in den letzten 25 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen fast verdoppelt. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt im metastasierten Stadium unter 10 %. Insgesamt sterben hierzulande jährlich mehr als 6.000 Menschen an Nierenkrebs.

Im lokal begrenzten Stadium besteht die größte Heilungschance. Wie bei vielen soliden Tumoren ist die Operation hierbei Therapie der Wahl. Präzisere und schonendere Operationstechniken ermöglichen dabei zunehmend die angestrebte Organerhaltung. Beim Nierentumor hat sich die Operationstechnik von einem „großen radikalen" Eingriff zu einer minimal invasiven, organerhaltenden Prozedur gewandelt. Die Live-Demonstration einer solchen minimal invasiven Operation, die nur an wenigen Zentren durchgeführt wird, veranschaulicht die technische Herausforderung ebenso die präzise und schonende Vorgehensweise.

Etwa 20 % der Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose jedoch bereits metastasiert. Das Nierenzellkarzinom im metastasierten Stadium galt lange als schwer zu behandelnde Erkrankung, auch deshalb, weil Chemotherapien kaum wirksam sind. Über viele Jahre war daher die immuntherapeutische Behandlung mit Zytokinen wie Interferon-alpha oder hochdosiertem Interleukin 2 ‑ mit Ansprechraten zwischen 10 und 15 % ‑ die einzig verfügbare Therapieoption.

 

Ausblick: Verbesserte Überlebensraten durch zielgerichtete Therapien

Seit etwa 3 Jahren stehen nun zielgerichtete Therapieansätze zur Verfügung, die zu einem Paradigmenwechsel in der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms führten. Der Einsatz von Zytokinen rückte in den Hintergrund. Neue zielgerichtete Substanzen wie Sunitinib, Sorafenib, Bevacizumab in Kombination mit Interferon‑alpha und Temsirolimus sind vielversprechende Therapieoptionen, mit denen in dieser Indikation inzwischen ein Gesamtüberleben von mehr als zwei Jahren erreicht werden kann. Sie bieten auch die Möglichkeit eine Therapiesequenz aufzubauen'. Sunitinib, die Kombination Bevacizumab+Interferon-alpha sowie Temsirolimus sind für die Erstlinie beim mRCC zugelassen, Sunitinib und Sorafenib auch für die Zweitlinien-Therapie. Der Einsatz von Sunitinib in der Erstlinientherapie hat die Zeit des progressionsfreien Überlebens im Vergleich zur früheren Referenzsubstanz Interferon-alpha verdoppelt (5 vs. 11 Monate) (2).

 

Therapiealgorithmus 

 

Abb.: „Therapiealgorithmus"

 

Der erfolgreiche Praxis‑Einsatz dieser Substanzen in der metastasierten Situation macht auch Hoffnung auf entsprechende Ergebnisse in der Adjuvanz. Dies ist Gegenstand derzeit laufender Studien. Eine wichtige Rolle spielt aber auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die gewährleistet, dass ein Patient die für ihn geeignetste Therapie erhält. Das Comprehensive Cancer Center (CCC) der Charite hat hierfür die Voraussetzungen geschaffen. In einer Art "Patienten‑Navigationssystem" leitet es die Betroffenen durch die Stufen von Diagnose und Behandlung. Das CCC der Charite wird dafür u.a. ein neues Sprechstundensystem einführen, bei dem die Patienten interdisziplinär betreut werden. Auf diese Weise steht den Erkrankten immer der für ihre individuelle Situation richtige Ansprechpartner zur Verfügung, was lange Wege oder gar Fehlbehandlungen vermeidet. Ein weiterer Vorteil ist die zentrale Steuerung und Abstimmung neuester Forschungserkenntnisse und Behandlungsansätze ‑ auch im Pflegebereich ‑, die über das "Dach" des CCC zentral gesteuert werden können und die so dem Patienten auf direktem Wege zugute kommen.

 

Fazit

Professor Miller zog folgendes Fazit: „Die neuen Therapien und die Optimierung von Versorgungsstrukturen geben berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass Krebs seinen Schrecken als tödliche Erkrankung verliert und zu einer chronischen Erkrankung wird, die sich über viele Jahre kontrollieren lässt. Zu betonen ist die gute Relation von Wirksamkeit und Nebenwirkungen, die einen Langzeiteinsatz erlauben. Hier ist das Nierenzellkarzinom ein eindrucksvolles Beispiel unter den soliden Tumoren, wo wir heute ‑ wenn auch bisher nur in Einzelfällen ‑ Langzeitremissionen bei guter Verträglichkeit erreichen können. Wir haben die Hoffnung, dass wir eines Tages auf Patienten blicken, die wir über Jahre mit Hilfe der molekularbiologischen Therapieansätze stabil halten können. Dass dies nicht nur eine vage Idee ist zeigen Erkrankungen, wie die chronisch myeloische Leukämie, bei der durch den Einsatz von Imatinib beachtliche Erfolge erzielt werden konnten. In der IRIS‑Studie, die auf eine Nachbeobachtungszeit von 6 Jahren verweisen kann, sind unter Imatinib noch 88 % (3) der Patienten am Leben. Modellrechnungen prognostizieren, dass durch den Einsatz von Imatinib mediane Überlebenszeiten von mehr als 20 Jahren erreicht werden können. Auch wenn wir bedenken müssen, dass bei soliden Tumoren die Lage aufgrund der Heterogenität nicht so einfach ist."

 

Die Experten der Charite bedanken sich bei dem Unternehmen Pfizer, das diesen Workshop durch einen educational Grant ermöglichte.

 

Quellen

  • 1 Robert‑Koch‑Institut. Krebs in Deutschland. 6. überarbeitete, aktualisierte Ausgabe. Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. und das RKI. 2008
  • 2 DKG-Expertengespräch „Metastasiertes Nierenzellkarzinom ‑ Update 2008"
  • 3 Hochhaus A. et al., Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2007, 110: Abstract 25

 

 

Download

 

Folien zum Vortrag Prof. Dr. Ullrich Keilholz.pdf Prof. Dr. Ullrich Keilholz.pdf (470.57 KB)

Folien zum Vortrag PD Dr. Manfred Johannsen.pdf PD Dr. Manfred Johannsen.pdf (847.18 KB)

Folien zum Vortrag PD Dr. Steffen Weikert.pdf PD Dr. Steffen Weikert.pdf (545.21 KB)

 


 

Quelle: Presseworkshop (unterstützt durch die Firma Pfizer) zum Thema “Krebs: eine chronische Erkrankung – wie nah sind wir diesem Ziel? Experten der Charité informieren: Das Nierenzellkarzinom als Referenz für moderne Therapieansätze“ am 26.11.2008 in Berlin (v3-publicrelations).

 
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