Nierenzellkarzinom

First-Line-Therapie mit Bevacizumab plus Interferon alfa-2a erhält Lebensqualität und Therapieoptionen

 

Düsseldorf (1.Oktober 2010) - Anlässlich der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Düsseldorf diskutierten Experten die Einflussfaktoren für die Therapieentscheidung beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom (mRCC). Patienten mit klarzelligem mRCC und niedrigem bis mittlerem Motzer-Risikoscore können leitliniengerecht first-line mit Bevacizumab (Avastin®) in Kombination mit Interferon alfa-2a (IFN) behandelt werden. Damit kann die maximale Anzahl an Therapieoptionen im weiteren Behandlungsverlauf erhalten werden. Für dieses Vorgehen spricht auch das gut kontrollierbare Nebenwirkungsprofil der Kombinationstherapie. Nebenwirkungen, wie Erbrechen, Übelkeit, Hand-Fuß-Syndrom, Stomatitis und Mukositis, die die Lebensqualität beeinträchtigen können, treten unter Bevacizumab/IFN besonders selten auf [1]. Vor allem Patienten mit Mangelernährung, kardiologischen Vorerkrankungen und Immobilität sollten daher nach Meinung der Experten präferiert mit Bevacizumab/IFN behandelt werden.

 

Die aktuellen Leitlinien der European Association of Urology (EAU) empfehlen für die First-Line-Therapie des mRCC bei klarzelliger Histologie und niedrigem bis mittlerem Risikoscore entweder Bevacizumab plus IFN, Sunitinib oder Pazopanib [2]. „Eine Therapieentscheidung alleine anhand der Wirksamkeitsdaten und des Zulassungsstatus der einzelnen Substanzen ist schwierig“, so Prof. Jürgen Gschwend, München, denn „die Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS) ist mit über 10 Monaten bei allen drei Substanzen vergleichbar [3-6]. Die Therapiewahl kann daher nicht allein an den Wirksamkeitsdaten und den Leitlinienempfehlungen festgemacht werden.“ Auch die unterschiedlichen Nebenwirkungsprofile der Substanzen und die Komorbiditäten, Lebensumstände sowie der Wunsch des Patienten müssen laut Gschwend berücksichtigt werden.

 

 

Bevacizumab/IFN erhält die Lebensqualität

 

Nebenwirkungen, die die Lebensqualität erheblich einschränken können, wie Erbrechen, Diarrhöe, Hand-Fuß-Syndrom, Stomatitis und Mukositis, treten unter Bevacizumab/IFN seltener auf als unter den Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) [1]. Die häufigsten Nebenwirkungen der Kombinationstherapie wie Fatigue, Asthenie und Neutropenie sind im Wesentlichen IFN-bedingt und können durch eine Reduktion der IFN-Dosis deutlich abgemildert werden. Die Wirksamkeit (Ansprechrate, PFS) der Therapie bleibt davon unbeeinflusst, wie eine Analyse durch ein unabhängiges Review Komitee zeigen konnte [5, 7]. Die Nebenwirkungen, die auf den VEGF-Hemmer zurückzuführen sind, wie z. B. Hypertonie und Proteinurie, sind in der Regel ebenfalls gut kontrollier- und behandelbar [3].

 

 


Bevacizumab bei Mangelernährung, kardiologischen Vorerkrankungen und Immobilität

 

Mangelernährte Patienten sollten nicht durch Nebenwirkungen wie Diarrhöe, Stomatitis oder Nausea weiter geschwächt werden. „Daher empfiehlt sich hier der Einsatz von Bevacizumab/IFN“, so Dr. Carsten Ohlmann, Homburg. „Auch bei kardiologischen Vorerkrankungen kann die Therapie mit Bevacizumab/IFN von Vorteil sein, da die TKIs das Auftreten von Kardiotoxizitäten begünstigen können. Bevacizumab/IFN kann zudem besonders geeignet sein für Patienten, die alleine leben und/oder auf eine Gehhilfe angewiesen sind, da ein TKI-bedingtes Hand-Fuß-Syndrom zu Immobilität führen kann.“

 

 

Sequenzbeginn mit Bevacizumab/IFN erhält Therapieoptionen

 

Der sequenzielle Substanzeinsatz gewinnt beim mRCC zunehmend an Bedeutung. „Man kann davon ausgehen, dass pro Linie etwa 70 % der Patienten eine Folgetherapie erhalten. Eine Drittlinientherapie wird bei etwa 50 % der Patienten eingesetzt und auch in der vierten Therapielinie beobachten wir noch hohe Prozentzahlen“, so Gschwend über die Situation in Deutschland. „Insbesondere bei Patienten, bei denen eine lange Therapiekaskade angezeigt ist, kann es sinnvoll sein, mit Bevacizumab/IFN zu starten, um den Patienten alle Therapieoptionen in den weiteren Therapielinien zu erhalten.“ Für den Sequenzbeginn mit Bevacizumab/IFN spricht neben dem Zulassungsstatus auch das Nebenwirkungsprofil, denn Patienten, die ihre First-Line-Therapie gut tolerieren, dürften eher bereit sein, sich auch second-line therapieren zu lassen.

 

 

AVOREN-Studie: Verdopplung des PFS durch Bevacizumab

 

Die Wirksamkeit der Kombinationstherapie mit Bevacizumab plus IFN alfa-2a in der First-Line-Therapie wurde in der plazebo-kontrollierten, randomisierten Zulassungsstudie AVOREN belegt: Die Zugabe von Bevacizumab (10 mg/kg KG alle zwei Wochen) zu Interferon (9 MU) verdoppelte das mediane PFS signifikant von 5,4 auf 10,2 Monate (HR = 0,63; p < 0,0001). Die Gesamtansprechrate wurde mehr als verdoppelt und stieg von 13 % auf 31 %. Eine Rückbildung oder Stabilisierung des Tumors konnte bei insgesamt 77 % der mit Bevacizumab/IFN behandelten Patienten erzielt werden [3, 4]. Eine Reanalyse der Daten durch ein unabhängiges Review Komitee bestätigte die Ergebnisse. Das Gesamtüberleben unter der Bevacizumab-haltigen Therapie betrug 23,3 Monate, verglichen mit 21,3 Monaten bei alleiniger IFN-Gabe (HR = 0,86, p = 0,1291) [4].

 

 

Quellen 

  1. Schmidinger M et al., Cancer Treat Rev 2009; 35: 289-296
  2. EAU Guidelines on Renal Cell Carcinoma, Update April 2010
  3. Escudier B et al., Lancet 2007; 370: 2103-2111
  4. Escudier B et al., J Clin Oncol 2009; 27 (15S): 5020
  5. Motzer R et al., J Clin Oncol 2009; 27 (22): 3584-3590
  6. Sternberg C et al., J Clin Oncol 2010; 28 (6): 1061-1068
  7. Melichar B et al., Ann Oncol 2008; 8: 1470-1476

 


Quelle: Satellitensymposium der Firma Roche Pharma zum Thema „Aktuelle Expertendiskussion zur Sequenztherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms: Gibt es zu viele therapeutische Optionen?“ am 24.09.2010 in Düsseldorf anlässlich der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) (medical relations) (tB).