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Sunitinib: Eine Therapie der Wahl beim mRCC

Wirksamkeit und Verträglichkeit in aktuellen Daten bestätigt

 

Karlsruhe, 27. November 2007 – Auf dem 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. in Berlin unterstrichen aktualisierte Daten der Phase-III-Studie (Zulassungsstudie)1, 2 von Motzer et al. die Effektivität von Sunitinib (Sutent®) als Erstlinien-Therapie bei metastasiertem Nierenzellkarzinom (mRCC). Dabei wurde eine hohe Ansprechrate und eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens über alle MSKCC-Risikogruppen (Memorial Sloan-Kettering Cancer Center) beobachtet. Prof. Dr. Kurt Miller, Direktor der Urologischen Klinik und Hochschulambulanz der Berliner Charité, thematisierte auf dem DGU zudem die Verträglichkeit des oralen Multi-Kinase-Inhibitors. Die Nebenwirkungen seien auch bei schwer behandelbaren Patienten im Allgemeinen gut beherrschbar, was sich positiv auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirke. Bestätigt wird dies durch die Ergebnisse einer Expanded Access Studie bei circa 4.000 Patienten.

 

In einer erstmals auf der European Cancer Conference (ECCO) in Barcelona vorgestellten und auf dem unmittelbar anschließenden DGU in Berlin diskutierten aktuellen Analyse2 der multizentrischen randomisierten internationalen Phase-III-Studie mit 750 nicht vorbehandelten Patienten konnten die Daten der früheren Interimsanalyse unterstrichen werden. Unter Sunitinib (n=374) lag das progressionsfreie Überleben bei 11,2 Monaten (95 % CI: 10,7 – 13,6) und verdoppelte sich somit gegenüber der bisherigen Standardtherapie mit Interferon-alpha (n=373) mit 5,1 Monaten (95 % CI: 3,8 – 6,3) (s. Abb. 1). „Die objektive Ansprechrate gemäß RECIST (Response Evaluation Criteria in Solid Tumors) betrug im Sunitinib-Arm 47 % und lag damit viermal höher als unter IFN-α mit 12 %“, sagt Miller.


In der Zweitlinien-Therapie zeigten aktuelle Daten einer Phase-II-Studie3, 4 nach Zytokinvorbehandlung eine hohe objektive Ansprechrate von 49 % gemäß der Beurteilung der Studienärzte (95 % CI: 39 – 59) sowie ein progressionsfreies Überleben von im Median 8,3 Monaten (95 % CI: 7,9 – 11,3). Das mediane Gesamtüberleben betrug 23,9 Monate (95 % CI: 14,1 – 30,5).

 

Effektivität über alle MSKCC-Risikogruppen

Ein längeres progressinsfreies Überleben unter Sunitinib gegenüber der Zytokintherapie zeigte sich in allen MSKCC-Risikogruppen (Memorial Sloan-Kettering Cancer Center)
(s. Tabelle 1)2.

 

Tabelle 1: Mittleres Progressionsfreies Überleben in den MSKCC-Risikogruppen

Mittleres
Progressionsfreies Überleben

Sunitinib

IFN-α

Niedriges Risiko

(0 MSKCC Risikofaktoren), n=264

 

14,9 Monate

 

8,4 Monate

Mittleres Risiko

(1-2 MSKCC Risikofaktoren), n=421

 

10,7 Monate

 

3,8 Monate

Hohes Risiko

(3-5 MSKCC Risikofaktoren), n=48

 

3,9 Monate

 

1,2 Monate

 

Fokus Lebensqualität

Patienten, die mit dem Multi-Targeted Wirkansatz therapiert wurden, berichteten über eine signifikant bessere Lebensqualität gegenüber Interferon-alpha in Bezug auf ihr körperliches, soziales, emotionales sowie funktionales Wohlbefinden.1 „Es handelt sich bei der Therapie mit Sunitinib um keine Therapie, die nebenwirkungsfrei ist. Aber die Nebenwirkungen sind in der Regel gut beherrschbar. Deshalb können wir Patienten mit diesem Wirkstoff eine Therapie anbieten, mit der die Chancen steigen, dass sie länger und besser leben können“, betont Miller.

 

Wirksamkeit und Verträglichkeit in der breiten Anwendung

Die Daten einer Expanded Access Studie mit 3.997 Patienten bestätigte die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Multi-Kinase-Inhibitors auch bei schwer behandelbaren Patienten (Hirnmetastasen, PS ≥ 2, Alter ≥ 65 Jahre).5 Art und Häufigkeit typischer Nebenwirkungen der Patienten in dem Expanded Access Programm waren vergleichbar mit den früheren Untersuchungen. Zu den häufigsten behandlungsbedürftigen unerwünschten Ereignissen zählten Fatigue, Diarrhö, Übelkeit und Mukositis.

Eine wichtige Erkenntnis dieses Expandes Access Programms war, dass die genannten Nebenwirkungen (Fatigue, Übelkeit, Diarrhö, Mukositis) in der Subgruppe der schwer behandelbaren Patienten im Schweregrad 3 und 4 nicht wesentlich häufiger auftraten als in der Gesamtpopulation.

 

Das progressionsfreie Überleben lag bei Patienten mit Zytokin-Vortherapie (n=2727) im Median bei 9,6 Monaten (95 % CI: 9,1 – 10,5). Die Daten bezüglich des medianen progressionsfreien Überlebens in den Subgruppen geben wichtige Hinweise auf die Wirksamkeit von Sunitinib bei Patienten, die vorher aus den Zulassungsstudien primär ausgeschlossen waren (s. Tabelle 2).

 

Tabelle 2: Sunitinib Expanded Access Studie: Medianes PFS für Subgruppen

Subgruppe

Medianes PFS

Hirnmetastasen

5,6 Monate

nicht klarzelliges RCC

7,3 Monate

ECOG PS ≥ 2

5,1 Monate

Alter ≥ 65 Jahre

10,7 Monate

 

 

Eine internationale offene multizentrische Phase-II-Studie mit 107 Patienten mit zytokinrefraktärem metastasiertem Nierenzellkarzinom wurde auf dem DGU von Prof. Dr. Jan Roigas von der Urologischen Klinik und Hochschulambulanz der Berliner Charité präsentiert. Er zählt zu den deutschen Experten, die in internationalen Studienteams mRCC und das Multi-Targeted Wirkprinzip mit Sunitinib erforschen. Die Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit bei kontinuierlicher Verabreichung von Sunitinib in einer Dosis von 37,5 mg.6 „Die kontinuierliche Verabreichung von Sutent® zeigte gegenüber den bekannten Daten mit dem 4/2-Schema beim mRCC ein vergleichbares medianes progressionsfreies Überleben und ein vergleichbares Nebenwirkungsprofil. Dies sollte allerdings in einer Phase-III-Studie verifiziert werden“, sagt Roigas.

 

Fazit: Sunitinib beim mRCC

Aufgrund der überzeugenden Datenlage sprach sich Miller auf dem DGU in Berlin für eine Therapie mit Sunitinib sowohl in der Erstlinien- als auch in der Zweitlinien-Therapie bei mRCC aus. „Die Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms ist in den vergangenen Monaten aus dem Dornröschenschlaf der Zytokintherapie erlöst worden. Heute können wir die Patienten mit der effektiveren Medikation Sunitinib therapieren. Dies ist ein Durchbruch in der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms“, sagte Miller. Somit unterstrich er die Empfehlungen sowohl einer Interdisziplinären Arbeitsgruppe Nierenzellkarzinom der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG)7 als auch der European Association of Urology (EAU)8, die in ihren Guidelines den Multi-Kinase-Inhibitor als Erstlinien-Therapie befürworten.

 

Referenzen 

 

  1. Motzer RJ, Hutson TE, Tomczak P, et al. Sunitinib versus interferon alfa in metastatic renal-cell carcinoma. N Engl J Med. 2007 Jan 11; 356(2):115-124.
  2. Motzer RJ, Michaelson MD , Hutson TE, et al. Sunitinib versus interferon alfa in metastatic renal-cell carcinoma (mRCC): updated efficacy and safety results and further analysis of prognostic factors. Eur J Cancer. 2007 Sep; 5(4S):301s, Abstract 4509.
  3. Motzer RJ, Rini BI, Bukowski RM, et al. Sunitinib in patients with metastatic renal cell carcinoma. JAMA. 2006 Jun 7; 295(21):2516-2524.
  4. George DJ, Michaelson MD, Rosenberg JE, et al. Sunitinib in patients with cytokine-refractory metastatic renal cell carcinoma (mRCC). Eur J Cancer. 2007 Sep; 5(4):304s, Abstract 4517.
  5. Gore ME, Szczylik C, Porta C, et al. Sunitinib in metastatic renal cell carcinoma (mRCC):   preliminary assessment of safety and efficacy in an expanded access trial with subpopulation analysis. Eur J Cancer. 2007 Sep; 5(4):299s, Abstract 4503.
  6. Roigas J, Peschel C, Srinivas S, et al. Wirksamkeit und Sicherheit einer täglichen Verabreichung von Sunitinib bei Patienten mit zytokinrefraktärem metastasiertem Nierenzellkarzinom – aktualisierte Ergebnisse. DGU 2007; V 10.1.
  7. Miller K, Bergmann L, Albers P, et al. Interdisziplinäre Therapieempfehlungen zur Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms. Aktuel Urol, 2007 Jul; 38(4):328-330.
  8. Ljungberg B, Hanbury DC, Kuczyk MA, et al. Renal cell carcinoma guideline. Eur Urol. 2007 Jun; 51(6):1502-1510. Epub 2007 Mar 28.

 


 

Quelle: Presseinformation der Firma Pfizer vom 27.11.2007 (art tempi).
 
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