Drucken

Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs:

Das Wolfsburger Modell ein großer Erfolg

 

Hannover (22. Januar 2007) ‑ Seit einem Jahr ist die Stadt Wolfsburg europäischer Vorreiter für verbesserte Strategien in der Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs. Hierfür haben das Klinikum der Stadt Wolfsburg, die Deutsche BKK und der Gesundheitsverbund Wolfsburg, dem unter anderem die meisten Frauenärzte aus Wolfsburg und Umgebung angehören, einen Vertrag geschlossen. Ein inhaltlicher Schwerpunkt des neuen Vertrages ist die routinemäßige Integration des so genannten HPV-Tests in die Vorsorge auf Gebärmutterhalskrebs, also die Kombination mit dem herkömmlichen Pap-Abstrich. Der HPV-Test weist die eigentliche Ursache von Gebärmutterhalskrebs nach, die humanen Papillomaviren (HPV). Ohne diese sexuell übertragbaren Krankheitserreger kann der bösartige Tumor nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen entstehen. „Das Wolfsburger Modell verfolgt zwei Ziele. Einerseits wollen wir mehr Frauen zur Vorsorge motivieren und andererseits wollen wir, dass durch moderne Diagnostik mehr Vorstufen frühzeitig erkannt werden als durch die konventionelle Form der Vorsorge", erläutert Professor Dr. Karl Ulrich Petry, Leiter der Frauenklinik am Klinikum Wolfsburg. „Bereits nach einem Jahr können wir feststellen, dass wir beide Ziele erreicht haben", so Professor Petry weiter. Schon heute haben mehr als 9.000 Frauen, also deutlich mehr als die Hälfte aller in Frage kommenden Frauen, an der modifizierten Vorsorge teilgenommen. Im Zuge der routinemäßigen Kombination von HPV-Test und Pap-Abstrich für alle Frauen ab 30 Jahren konnten mehrere Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs und vom Adenokarzinom rechtzeitig erkannt werden.

 

HPV‑Test als Risikomarker

„Froh bin ich auch darüber, dass sich bei Frauen mit einen positiven HPV-Test keine großen Angstgefühle entwickelten, sondern dass diese ruhig die weiteren diagnostischen Maßnahmen in Anspruch nahmen", so Prof. Petry. Die Anzahl der Frauen, die einen positiven HPV-Test aufwiesen, also ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, liegt bisher bei unter fünf Prozent. Auch diese Frauen brauchen sich in der Regel nicht zu beunruhigen, da viele Infektionen mit HPV vom Körper eigenem Immunsystem erfolgreich bekämpft werden. Nur eine andauernde Infektion mit einem Hochrisiko-HP-Virus kann nach einen längeren Zeitraum zur Erkrankung führen. Bei rechtzeitiger Diagnose des Risikos oder der frühen Krankheitsstadien betragen die Heilungschancen bei Gebärmutterhalskrebs nahezu 100 Prozent.

 

Die Kombination von Pap-Abstrich und HPV-Test bietet noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Fallen sowohl Pap-Abstrich als auch HPV-Test unauffällig aus, so liegen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Gebärmutterhalskrebs oder gefährliche Krebsvorstufen vor. Auch für die nächsten Jahre können die Frauen absolut beruhigt sein. Dies gilt beim Wolfsburger Modell für über 95 Prozent aller Frauen. Sie gehen dann weiterhin zur jährlichen Vorsorge, auf den Pap-Abstrich kann aber verzichtet werden. Fallen dagegen beide Tests positiv aus, empfiehlt das Wolfsburger Modell eine sofortige Abklärung in der Dysplasiesprechstunde durch eine Kolposkopie, also die Spiegelung des Gebärmutterhalses. Diese Sprechstunde soll nur von Abteilungen oder Praxen durchgeführt werden, die nach den Richtlinien der AG Zervixpathologie und Kolposkopie zertifiziert sind oder werden. Auch von dieser Maßnahme versprechen sich die Initiatoren einen deutlichen Qualitätszuwachs, insbesondere da eine eigens entwickelte Software eine externe Qualitätskontrolle ermöglicht.

 

Ist der HPV-Test positiv und der Abstrich negativ wird eine Wiederholung beider Tests nach neun bis zwölf Monaten empfohlen. Bei stark verunsicherten Frauen ist allerdings auch eine sofortige Abklärung in der Dysplasiesprechstunde möglich. Ist der Pap-Abstrich positiv und der HPV-Test negativ, wird zunächst ein weiterer Pap-Abstrich zur Kontrolle vorgenommen.

 

Alle Nachweise auf humane Papillomaviren erfolgen mit dem weltweit erprobten Hybrid Capture® 2 (hc2) HPV DNA‑Test, der heute in jedem Routinelabor eingesetzt werden kann.

 

Interesse in Europa

Das Wolfsburger Modell wird europaweit mit großem Interesse verfolgt. Professor Petry: „Es ist zwar sicherlich zu früh, unser Modell abschließend zu beurteilen. Ich bin aber überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Deutsche BKK und die beteiligten Frauenärzte in der Region können stolz sein bei der Krebsvorsorge durch die stärkere Nutzung des HPV­Tests und weiterer moderner Untersuchungsstandards wie der Kolposkopie europaweit eine Vorreiterrolle übernommen zu haben."


Quelle: Pressegespräch “Gebärmutterhalskrebsvorsorge: HPV-Diagnostik im Zeitalter der ersten Impfstoffe” am 22.01.2007 in Hannover (MasterMedia).