Home Onkologie Prostatakrebs Therapie des Prostatakarzinoms am Klinikum rechts der Isar: Was ist heute möglich – was können wir künftig erwarten?
17 | 10 | 2017
Medizin
- Anzeigen -

Awards
Veranstaltungen
Login
DocCheck





DocCheck Account beantragen »
PDF Drucken

Therapie des Prostatakarzinoms am Klinikum rechts der Isar

Was ist heute möglich – was können wir künftig erwarten?

 

München (18. Mai 2011) - In der Urologischen Klinik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München werden jedes Jahr etwa 300 Patienten mit primärem Prostatakarzinom operativ versorgt. Sie repräsentieren einen typischen Querschnitt der betroffenen Männer in Deutschland. Weitere 150 Patienten stellen sich mit Rezidiven oder weit fortgeschrittenen Tumoren vor, die oft bereits mehrere Vorbehandlungen hinter sich haben. Bei einem von Janssen-Cilag unterstützten, interaktiven Journalistenworkshop am 18. Mai gab das Team der Klinik in München unter Leitung von Prof. Dr. Jürgen Gschwend einen Überblick über den State-of-the-Art und aktuelle Entwicklungen in Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms. Zudem erlaubten die Urologen einen Blick hinter die Kulissen ihrer Klinik.

 

Beim Prostatakarzinom gibt es heute eine Reihe gut etablierter, stadienabhängiger Vorgehensweisen. Dennoch konnten in den letzten Jahren weitere beachtliche medizinische Fortschritte in der Versorgung der Betroffenen erzielt werden.

 

 

Fortschritte in der Diagnostik

 

In der Diagnostik sieht Prof. Dr. Jürgen Gschwend, Direktor der Urologischen Klinik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, relevante Fortschritte in der Bildgebung unter anderem bei Ultraschalluntersuchungen. So werden derzeit Methoden wie die Kontrastmittelendosonographie und Elastographie als neue Methoden klinisch-wissenschaftlich evaluiert. Bei der Kernspintomographie (MRT) wertet Gschwend – neben der speziellen Zitrat/Cholin-Spektroskopie – die diffusionsgewichtete MRT als wichtige Weiterentwicklung, die die Detektion von Lymphknotenmetastasen verbessern kann. Die Methode befindet sich derzeit noch im Stadium der Evaluation.

 

Die Kombination aus Positronen-Emissions- und Computertomographie (PET/CT) wird in München mit dem Tracer 11-Cholin inzwischen als Standard vielfach angewendet, sowohl in der Rezidivsituation als auch in ausgewählten Fällen beim Primärstaging. Darüber hinaus befindet sich in der Klinik für Nuklearmedizin am Klinikum rechts der Isar das weltweit erste und derzeit einzige Gerät, das PET und MRT kombiniert (PET/MRT). Diese Methode wird derzeit ausschließlich wissenschaftlich eingesetzt. Gschwend erwartet sich von ihr jedoch eine noch genauere und schärfere Darstellung von Tumorherden als im PET/CT, da die CT im kleinen Becken nicht so aussagefähig ist wie die MRT.

 

 

Primärtherapie des Prostatakarzinoms

 

Die Primärtherapie des Prostatakarzinoms besteht laut Gschwend heute nach wie vor an erster Stelle in der Operation. Sie zielt auf eine hohe Rate an Tumorfreiheit bei möglichst optimaler Erhaltung der Funktionen, insbesondere der Kontinenz, aber auch der Potenz. In München erfolgt die Standardoperation sowohl als offene Technik mit intraoperativem Schnellschnitt-Monitoring, mit dem besonders exakt festgestellt werden kann, ob die Operation kurativ ist und dabei ein optimaler Funktionserhalt ermöglicht werden kann. Zusätzlich wird ein minimal-invasives OP-Verfahren mit dem „da Vinci“-Roboter-System angeboten. Die individuelle Entscheidung über die jeweilige Art des Eingriffs basiert auf der Tumorausdehnung, den Tumorparametern und dem Wunsch des Patienten. Entscheidend für das Ergebnis unabhängig von der verwendeten Methode ist eine besonders sorgfältige und mit hoher Expertise ausgeführte Operation im Sinne eines exzellenten OP-Qualitätsmanagements.

 

Zudem bespricht das Team um Gschwend mit allen betroffenen Männern die Möglichkeit der Active Surveillance des Prostatakarzinoms und führt diese bei geeigneten Patienten gemeinsam mit niedergelassenen Urologen auch durch. Watchful Waiting bietet sich hingegen nach Angaben von Gschwend nur für wenige Patienten an, die bereits ein hohes Alter erreicht haben oder wesentliche Nebenerkrankungen aufweisen. Auch die Strahlentherapie wird als Alternative zur Operation mit allen Patienten erörtert. Hierbei verwenden die Strahlentherapeuten vor allem moderne Methoden wie Image-guided Radiotherapy (IGR) oder die Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT). In ausgewählten Fällen erfolgt auch eine Brachytherapie. Für eine optimale Auswahl der individuellen Therapie finden regelmäßige interdisziplinäre Fallkonferenzen zwischen Urologie, Strahlentherapie und Pathologie statt.

 

 

Therapie in fortgeschritteneren Stadien

 

Bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren kombinieren Gschwend und Kollegen die Operation bei Bedarf mit einer adjuvanten Strahlentherapie. Eine adjuvante Hormontherapie spielt immer dann eine Rolle, wenn Patienten Lymphknotenmetastasen aufweisen. „Das würde man heutzutage aber eher progressions-getriggert als sofort postoperativ machen, also eher beim frühen Rezidiv“, erläuterte Gschwend. Mit diesem Vorgehen wird der Zeitpunkt bis zur Notwendigkeit einer Hormontherapie verzögert, da der Vorteil einer adjuvanten, also sofortigen Hormontherapie, gegenüber einem Therapiebeginn beim PSA-Rezidiv nicht gegeben ist.

 

Beim biochemischen Rezidiv und beim klinisch manifest metastasierten Prostatakarzinom beginnen die Urologen in München - vor allem bei Vorliegen von Knochenmetastasen – dann meist eine Hormontherapie. Haben die Patienten hingegen einen Anstieg des PSA-Wertes oder Lymphknotenmetastasen, wird die Therapie in manchen Fällen auch hinausgezögert bzw. nach Alternativen gesucht. Als Standard kommen nach wie vor LHRH-Agonisten ggf. in Kombination mit dem nicht-steroidalen Antiandrogen Bicalutamid zum Einsatz. Eine Alternative stellen GnRH-Antagonisten wie Degarelix dar. Die bilaterale Orchiektomie spielt gemäß Gschwend heute kaum noch eine Rolle, weil sie für den Patienten stigmatisierend und kaum noch zu vertreten sei. Zudem bestehe bei der Orchiektomie nicht die Möglichkeit der intermittierenden Hormontherapie, fügte er hinzu.

 

Die intermittierende Hormontherapie diskutiert das Münchner Team mit allen Patienten. Sie sei in Abhängigkeit vom Verlauf des PSA-Wertes eine Option, wenn sich der Betroffene auf eine weniger simple Therapie compliant einlasse, so Gschwend. Als Vorteile nannte er vor allem die therapiefreien Intervalle, die zumindest tendenziell die Lebensqualität verbesserten. Auch psychologisch sei die intermittierende Hormontherapie teilweise von Vorteil, weil der Patient das Gefühl habe, das Tumorwachstum steuern zu können. Auf eine im Vergleich zur kontinuierlichen Hormontherapie bessere oder schlechtere Wirksamkeit gibt es laut Gschwend keine Hinweise. Auch das Auftreten der Hormonrefraktärität lasse sich auf diese Weise eher nicht beeinflussen.

 

 


Etablierte und neue Optionen beim hormonrefraktären Prostatakarzinom

 

In der hormonrefraktären Situation besteht die Herausforderung laut Gschwend darin, dass es zwar die Option der Chemotherapie gibt, diese jedoch aufgrund der Toxizität und Nebenwirkungen möglichst lange hinausgezögert werden soll. Daher kommen heute zunächst sekundäre und tertiäre Hormonmanipulationen zum Einsatz, zum Bespiel mit Antiandrogenen wie Bicalutamid. Bei unzureichendem Ansprechen ist die Chemotherapie notwendig. Sie erfolgt als Standard in der ersten Linie mit Docetaxel. „Von Neuentwicklungen erwarten wir, die Chemotherapie künftig noch weiter hinauszögern zu können“, so Gschwend zu möglichen Fortschritten in der Therapie des hormonrefraktären Prostatakarzinoms. Darüber hinaus gebe es neue Substanzen wie das bereits zugelassene Cabazitaxel, die nach der Firstline-Chemotherapie noch wirksam seien, führte er fort.

 

 

Engagement von Janssen Cilag im Bereich Prostatakarzinom

 

Janssen Cilag engagiert sich bereits seit Jahren in der Onkologie, beispielsweise im Bereich des Multiplen Myeloms und gynäkologischer Krebserkrankungen. Künftig wird das Unternehmen auch den Kampf gegen das Prostatakarzinom unterstützen, an dem jedes Jahr mehr als 250.000 Männer weltweit versterben [1].

 

 

Referenzen

 

[1] GLOBOCAN 2008. Fast Stats. http://globocan.iarc.fr/factsheets/populations/factsheet.asp?uno=900 . Zuletzt abgerufen: 10. Februar 2011.

 

 

Download

 

 

 


Quelle: JournalistenWorkshop der Firma Janssen-Cilag zum Thema „In der Diskussion: Die Therapie des Prostatakarzinoms – Was ist heute möglich – was können wir künftig erwarten“ am 18.05.2011 in München (v3-agentur) (tB).

 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson