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Versorgungsstatus der postmenopausalen Osteoporose

Konzepte zur Behandlungsoptimierung

 

Frankfurt am Main (6. März 2009) - Die Versorgungslage von Patienten mit Osteoporose ist desolat. Ein klares Zeichen dafür ist die hohe Rate osteoporotischer Frakturen. Viele davon sind unnötig und ließen sich bei rechtzeitiger Diagnose und adäquater Therapie verhindern. Unter dem Vorsitz des „Osteologie 2009“-Kongresspräsidenten Professor Dr. Peyman Hadji, Universitätsklinikum Gießen-Marburg, diskutierten Experten Konzepte zur Optimierung der Versorgungslage von Patienten mit Osteoporose. (1)

 

Osteoporose ist ungebrochen auf dem Vormarsch: Allein in Deutschland leben heute etwa 7,8 Millionen Osteoporosekranke. (2) Betroffen ist etwa jede dritte postmenopausale Frau (2) und jeder fünfte Mann über 50 Jahren (3). Die Folgen: In Deutschland tritt alle 2,5 Minuten eine neue Wirbelkörperfraktur auf.4 Jährlich werden mehr als 150.000 hüftgelenksnahe Frakturen verzeichnet. (5) Viele dieser Frakturen könnten durch eine effektive Osteoporosetherapie verhindert werden, betonte Professor Dr. Michael Amling, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.


Versorgungsforschung – Quo vadis?

„Um Frakturen und Morbidität zu vermeiden, müssen wir den Anteil der leitlinien-gerecht versorgten Osteoporosepatienten erhöhen“, betonte Amling. Dass dies in der Praxis umsetzbar ist, demonstrierte Amling anhand von Zwischenergebnissen der Hamburger Basis-Evaluation 2003 zur Versorgungssituation von Patienten mit osteoporotischer Hüftfraktur (n = 200): Allein durch die Therapieabfrage bei Patienten und zuweisenden Ärzten war der Anteil der leitliniengerecht behandelten Patienten zwölf Monate nach der Entlassung aus dem Hamburger Uniklinikum von neun auf 19 Prozent angestiegen. Zur Optimierung der klinischen Versorgungssituation von Patienten mit Osteoporose soll eine aktuell laufende, dreiarmige, prospektive Hamburger Osteoporose-Versorgungsstudie beitragen. Ziel ist es, die Instrumente der Versorgungsforschung zur Verbesserung der Skelettgesundheit bei begrenzten Ressourcen im deutschen Gesundheitssystem zu nutzen.


Eine Diagnose kommt selten allein

Klinisch-praktisch erfordert die optimierte Versorgung von Osteoporosepatienten einen interdisziplinären Ansatz, der die hohe Komorbidität dieser Patienten berücksichtigt. „Die Kenntnis darüber, wie sich diese Krankheiten gegenseitig begünstigen und fördern, ist der Schlüssel zu einer kausal-orientierten Therapie“, betonte Professor Dr. Lorenz C. Hofbauer, Universitätsklinikum der TU Dresden. In der Praxis besteht hier allerdings eine beträchtliche Evidenzlücke, da Komorbiditäten in der Regel ein explizites Ausschlusskriterium für die Aufnahme in klinische Studien bilden. Doch gerade diese Patienten stellen in der Praxis die größte Klientel. Hofbauer erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass zum Beispiel Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose aufgrund einer langjährigen Glukokortikoidtherapie und mangelnder körperlicher Aktivität ein beträchtlich erhöhtes Osteoporoserisiko aufweisen. Auch bei einer Antiepileptikatherapie steigt das Osteoporoserisiko, und die erhöhte Sturzgefahr der Anfallspatienten steigert das Frakturrisiko weiter. Andere Krankheiten wiederum können die Osteoporosetherapie erschweren, zum Beispiel Schluckstörungen bei Morbus Parkinson.

Eine der wichtigsten Komorbiditäten bei Osteoporose ist der Diabetes mellitus; denn zum einen steigt die Inzidenz beider Erkrankungen mit dem Lebensalter; zum anderen wirkt sich der gestörte Glukosestoffwechsel ungünstig auf den Knochenmetabolismus aus. Die meisten Studien zeigten einen negativen Effekt mit einer um 0,5 bis 1 SD geringeren Knochendichte bei Typ-1-Diabetikern, ohne dass eine Assoziation zum HbA1c bestand. Auch sind mikro- und makrovaskuläre diabetische Komplikationen wie Nephropathie, periphere Neuropathie oder periphere arterielle Verschlusskrankheit mit einem erhöhten Knochenmasseverlust verknüpft. „Auf Basis der Knochendichte ist das Frakturrisiko bei Typ-1-Diabetikern verdoppelt“, betonte Hofbauer.

Um die Osteoporosetherapie in der Praxis zu optimieren, ist es nach den Worten von Hofbauer am sinnvollsten, osteologische Expertise mit einem breiten internistisch-allgemeinmedizinischen Ansatz zu kombinieren. Dabei sollten die Lebensumstände der Patienten im realen Alltag berücksichtigt und individuelle Therapiekonzepte angeboten werden.


PTH baut den Knochen wieder auf

Zur spezifischen Osteoporosetherapie steht heute eine Vielzahl von Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkansätzen zur Verfügung. Um das Frakturrisiko zu senken, kommt es jedoch nicht allein auf die quantitative Zunahme der Knochenmasse an, sondern vor allem auf die qualitative Verbesserung der trabekulären Strukturen. Dies gelingt durch die osteoanabole Therapie mit rekombinantem Parathormon (PTH 1–84), das z. B. als Preotact® zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose im Handel erhältlich ist. Die subkutane Injektion des mit dem körpereigenen Parathormon identischen PTH (1–84) stimuliert die Osteoblasten und fördert so direkt die Neubildung von belastbarer Knochensubstanz. Antiresorptiva wie z. B. die Bisphosphonate verhindern über eine Hemmung der Osteoklasten einen weiteren Knochenabbau, können jedoch keinen neuen Knochen aufbauen. Klinisch spiegelt sich die osteoanabole Wirksamkeit von PTH (1–84) in einer besonders starken Frakturreduktion wider. (6)

Die nachhaltige Verbesserung der defizitären Versorgungslage von Osteoporosepatienten erfordert eine interdisziplinäre und sektorenübergreifende Zusammenarbeit aller an der Osteoporoseversorgung Beteiligten. Voraussetzung für die Sicherung der Behandlungsqualität ist die Schaffung regional übergreifender Netze, welche die Basis für gemeinschaftliches Handeln schaffen: „Der Begriff Netzwerk sollte von uns mit den Synonymen Zusammenschluss bzw. Gemeinschaft assoziiert werden“, betonte der Vorsitzende des Bundes der Osteologen Sachsen e.V., Dipl. Med. Alexander Defèr aus Dresden.

Vor dem Hintergrund der gesundheitspolitischen Entwicklung mit der Abschaffung des Vertragsmonopols der kassenärztlichen Vereinigungen, der Einführung der DRGs (Diagnosis-Related Groups) und der Öffnung des stationären Bereichs für die ambulante Versorgung hat die Bildung partnerschaftlicher Ärztenetze eine besondere Bedeutung bekommen. „Wir müssen die Chance zur Selbstbestimmung nutzen, um als Osteologen in der neuen Wettbewerbslandschaft bestehen und eine hohe Behandlungsqualität gewährleisten zu können“, betonte Defèr. Hierzu gehöre auch das Durchsetzen der Anerkennung der Osteoporoseversorgung als Praxisbesonderheit. Wichtige erste Schritte zur Verbesserung der Versorgungsqualität sind bereits getan: In jedem Bundesland haben sich Verbunde der Osteologen gegründet. Darüber hinaus wurde mit dem Arbeitskreis der osteologischen Landesverbände (AKOLVD) eine gemeinsame Plattform für die Interessenvertretung der Osteologen Deutschlands installiert. Der gemeinsame Beschluss zu einer bundes-einheitlichen Osteoporosedokumentation ist dabei als ein erster Meilenstein auf dem Weg zur Verbesserung der Versorgungslage bei Osteoporose anzusehen.


Quellen

 

  1. Symposium ALL ABOUT EVE – Versorgungsstatus postmenopausale Osteoporose auf dem Osteologie-Kongress am 6. März 2009 in Frankfurt/Main (Veranstalter: Nycomed Deutschland GmbH).
  2. Häussler B et al. Deutsches Ärzteblatt 2006;103:A2542–A2548.
  3. Ringe JD. Osteoporose-Dialog 2000; Thieme Verlag.
  4. Berechnung basierend auf den von Felsenberg et al. im J Bone Miner Res 2002;17:716–724 publizierten EPOS-Studiendaten.
  5. Götte S und Dittmar K Orthopäde 2001;30:402–404.
  6. Greenspan SL et al. Ann Int Med 2007; 146:326-339. 

 

Download

 

Das osteoanabole Wirkpinzip in der Behandlung der Osteoporose: Nycomed SlideKit.pdf Nycomed SlideKit.pdf (4.23 MB)

 


 

Quelle: Symposium der Firma Nycomed zum Thema „ALL ABOUT EVE – Versorgungsstatus postmenopausale Osteoporose“ auf dem Osteologie-Kongress in Frankfurt/Main am 06.03.2009 (3K-Agentur für Kommunikation).