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Crash-Test für die Knochen

Modernste Automobiltechnologie für den Knochenschutz

 

  • Finite Elemente Analyse als Therapiekontrolle der Zukunft bei Osteoporose
  • Denosumab zeigt kontinuierlichen Anstieg der Knochenfestigkeit im trabekulären und kortikalen Kompartiment(1)
  • Gute Verträglichkeit in der Langzeitanwendung(2,3)

 

München (21. April 2012) – Was Automobil-Techniker schon seit langem prakti­zieren, hält jetzt auch Einzug in die Osteologie: die Prüfung mit Hilfe der Finite Elemente Analyse (FEA). „Bei diesem rechnergestützten Verfahren wird eine vorge­ge­bene Struktur virtuell in möglichst kleine Elemente zerlegt, die sich in ihren physi­ka­lischen Eigenschaften gut beschreiben lassen. Ausgehend von diesen Elementen kann eine Software die Belastbarkeit des ganzen Bauteils errechnen und Schwach­stellen aufdecken.“, erläuterte Holger Stauch, Abteilungsleiter für Auslegung von Karosseriestrukturen bei BMW München, im Rahmen des Frühlingsforums Osteopo­rose aktuell. Bei Patienten mit Osteoporose lässt sich damit eventuell zukünftig das individuelle Frakturrisiko an verschiedenen Skelettlokalisationen und damit auch der persönliche Erfolg einer Behandlung beurteilen, so sein medizinischer Co-Referent, Prof. Dr. med. Matthias Schieker, München.

 

 

Denosumab festigt trabekuläre und kortikale Knochen signifikant

 

Einen entscheidenden Schritt in diese Richtung konnten Wissenschaftler mit 7.808 postmenopausalen Osteoporose-Patientinnen erreichen, die an der FREEDOM-Studie teilgenommen hatten. In der dreijährigen Placebo-kontrollierten Studie senkte der RANK-Ligand-Inhibitor Denosumab (60 mg subkutan, halbjährlich) das Risiko neuer Frakturen signifikant an allen untersuchten Skelettlokalisationen.(4) Die auf der Basis quantitativer Computer­tomografien an Lendenwirbelsäule und Hüfte vorgenommene FEA zeigt, dass Denosumab die Knochenfestigkeit sowohl im trabekulären als auch im kortikalen Kompartiment deutlich verbesserte.(1)

 

Der Unterschied zu den Ausgangswerten und zu Placebo erreichte dabei schon nach einem Behandlungsjahr statistische Signifikanz. „Nach drei Jahren hatte die Knochen­­­­fes­tig­keit an der Hüfte um 8,4 % und an der Wirbelsäule um 18,1 % zuge­nom­men“,(1) erklärte Professor Dr. Lorenz Hofbauer, Dresden.

 

Hofbauer zufolge stellt die Wirksamkeit von Denosumab an beiden Kompartimenten einen entscheidenden therapeutischen Fortschritt dar. Bisphosphonate wirken vor­wie­gend am trabekulären Knochen wie etwa an der Wirbelsäule und weniger an Knochen mit höheren kortikalen Anteilen wie an Hüfte und Radius. In einer Vergleichs­studie mit Alendronat zeigte sich, dass im Unterschied der Wirkstoff Denosumab nicht nur an der Wirbelsäule, sondern auch an den anderen Lokalisa­tionen zu signifikant größeren Knochenzuwächsen führt.(5,6)

 

 

Reduktion des Frakturrisikos bei Patientinnen jeden Alters

 

„Die Frakturinzidenz an verschiedenen Skelettlokalisationen unterliegt einer zeit­lichen Dynamik und hängt davon ab, ob ein Knochen überwiegend trabekulär oder kortikal aufgebaut ist“, sagte Professor Dr. Franz Jakob, Würzburg. Nach Eintreten der Menopause nimmt die Knochendichte zunächst im trabekulären Knochen ab, später überwiegt der Rückgang im kortikalen Kompartiment.(7) Dementsprechend steigt zunächst das Frakturrisiko der Knochen mit überwiegend trabekulärem Anteil (wie den Wirbelkörpern), mit zunehmendem Alter dann auch an Knochen mit höhe­rem kortikalen Anteil (wie beispielsweise der Hüfte).(8) Ein Osteoporose-Medikament sollte daher in beiden Kompartimenten wirksam sein, um Patientinnen jeden Alters vor Frakturen zu schützen, so Jakob.

 

Das ist bei Denosumab der Fall. Eine nach dem Alter stratifizierte Subanalyse der FREEDOM-Studie(9) zeigte, dass der RANK-Ligand-Inhibitor das Risiko für vertebrale Frakturen praktisch altersunabhängig bei 60- bis 74-Jährigen um 70 % und bei 75- bis 90-Jährigen um 64 % signifikant senkte. In Einklang mit dem verzögerten Anstieg der Frakturinzidenz an der Hüfte machte sich der Effekt von Denosumab dort in erster Linie bei den älteren Patientinnen bemerkbar. Bei ihnen sank das relative Risi­ko signifikant um 62 %, während es bei den 60- bis 74-Jährigen Patientinnen nicht signifikant um 6 % reduziert wurde.

 

Wie wichtig die Wirksamkeit von Osteoporose-Medikamenten im höheren Alter ist, betonte Professor Dr. Johann Diederich Ringe, Leverkusen. „Patienten ab etwa 70 bis 75 Jahren stellen die überwiegende Mehrheit der Osteoporose-Patienten im Praxisalltag dar.“ Es sei daher essenziell, ihnen effektive Medikamente anzubieten. Denosumab wirkte bei dieser Zielgruppe nachweisbar gut.

 

Als weiteren Vorteil von Denosumab nannte Ringe, dass es auch bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, die häufig im höheren Lebensalter eintritt, eingesetzt werden könne. Bisphosphonate und andere Osteoporose-Medikamente seien dagegen ab einer glomerulären Filtrationsrate unter 35 bis 30 ml/min nicht mehr zu empfehlen. „Allerdings sollte die Therapie im Fall begrenzter osteologischer Eigener­fahrungen mit einem Nephrologen abgestimmt werden, um einen sekundären Hyper­parathyreoidismus und eine adyname Knochenerkrankung auszuschließen“, sagte Ringe.

 

 

Kontinuierlicher Knochendichtezuwachs über sechs Jahre

 

Die besondere Wirkungsweise von Denosumab bestätigt sich auch in den mittler­weile verfügbaren Langzeitdaten zur Knochendichte. So zeigt eine Zwischenauswer­tung der offenen FREEDOM-Extension-Studie mit 4.550 Patientinnen, dass die Knochen­dichte an der Lendenwirbelsäule und an der Hüfte im Behandlungsverlauf kontinuierlich ansteigt.(2,3) Nach insgesamt sechs Behandlungsjahren beträgt der Zuwachs im ehemaligen Verum-Arm gegenüber dem Ausgangswert nun 15,2 % an der Lendenwirbelsäule beziehungsweise 7,5 % an der Hüfte. Bei Patientinnen des ehe­mali­gen Placebo-Arms hat die Knochendichte nach drei Jahren um 9,4 % be­ziehungs­weise um 4,8 % zugenommen.(10)

 

Dagegen erreicht die Knochendichte bei Behandlung mit Bisphosphonaten insbeson­dere an der Hüfte nach 3 bis 4 Jahren ein Plateau. Dies steht mit der vorwiegend trabe­kulären Wirkung dieser Substanzklasse im Einklang und könnte auch die eher abnehmende Effektivität von Bisphosphonaten im Hinblick auf die Reduktion des Hüft­frakturrisikos bei älteren Patienten erklären.(11,12)

 

Die Inzidenz neuer Frakturen blieb unter Langzeitgabe von Denosumab auch in den Jahren 4 bis 6 niedrig.(10) Dabei bewegte sich die Rate für vertebrale Fakturen nach 5 Jahren mit 1,4 % auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in der Denosumab-Gruppe und deutlich unter der Placebogruppe der Hauptstudie, die Rate nicht-verte­bra­ler Fakturen hatte weiter abgenommen und lag in Jahr 5 zuletzt bei 1,1 %.(8) Besonders erfreulich: In den zwei Jahren der Verlängerung waren die jährlichen Inzidenzraten schwerwiegender Infektionen und Malignome im ehemaligen Verum- und Placebo-Arm gleich oder niedriger als im Placebo-Arm der FREEDOM-Studie.(13)

 

 

Volksleiden Osteoporose

 

Schon jetzt sind mehr als 6 Millionen Deutsche von einer Osteoporose betroffen – 80 % davon sind Frauen.(14) Nach Voraussagen von Experten(15) wird sich die Zahl der Osteoporose-Patienten in den nächsten 20 Jahren nahezu verdoppeln. Gründe sind die steigende Lebenserwartung sowie ein Lebensstil, der Osteoporose begüns­tigt.

 

Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sie die Lebensqualität und Selbstständigkeit innerhalb weniger Jahre massiv beeinträchtigen. Poröse, instabile Knochen können schon bei leichten Drehbewegungen oder gar beim Husten brechen. Die Brüche wiederum ziehen starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nach sich. Behinderung und Bettlägerigkeit können die Folgen sein.

 

„Damit es nicht soweit kommt, werden effektive und gut verträgliche Osteoporose-Medikamente auch in Zukunft dringend gebraucht.“, schloss Ringe seinen Vortrag zum Thema „Geriatrische Aspekte der modernen Osteoporosetherapie“.

 

 

Über Prolia®

 

Prolia® (Denosumab) hat einen einzigartigen Wirkmechanismus. Es ist das erste und bislang einzige zugelassene Medikament, das spezifisch RANK-Ligand hemmt. RANK-Ligand ist essenziell für die Regulation der Osteoklasten (Zellen, die für den Knochenabbau verantwortlich sind).

 

 

Über die Vermarktung von Prolia®

 

Prolia® wird je nach Indikation und Land von unterschiedlichen Unternehmen vermarktet:

 

  • Amgen und GlaxoSmithKline
    Gemeinsame Vermarktung in der Indikation Osteoporose bei postmenopausalen Frauen in Europa, Australien, Neuseeland und Mexiko.

 

  • Amgen
    Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und onkologische Indikationen in den USA und Kanada, onkologische Indikationen in Europa und einigen anderen Märkten.

 

  • GlaxoSmithKline
    Alle Indikationen in Ländern, in denen Amgen keine Marktpräsenz hat, zum Beispiel in China, Brasilien, Indien und Südkorea (nicht Japan). Diese Art der Zusammen­arbeit eröffnet Amgen die Option, sich in Europa und anderen, aufstrebenden Märk­ten zu etablieren.

 

  • Amgen und Daiichi-Sankyo Company Ltd.
    Zusammenarbeit und Lizenzabkommen für die Entwicklung und Vermarktung in Japan.

 

 

Download

 

  • Holger Stauch:  „Medizintechnik und Automobil: Interdisziplinäre Synergien zu virtuellen Entwicklungsmethoden aus Sicht der Karosserieentwicklung“
    Abstract: Abstract_Hr.Stauch.pdf Abstract_Hr.Stauch.pdf (1.70 MB)

 

 

 

Quellen 

  1. Keaveny T et al. ASBMR 2010; Präsentation 1099
  2. Papapoulos et al. J Bone Miner Res 2012, 27: 694 – 701
  3. Brown JP et al. ACR Scientific Meeting, Chicago IL 2011 (#8)
  4. Cummings SR et al. N Engl J Med 2009; 361: 756 – 765
  5. Brown JP et al. J Bone Miner Res 2009; 24: 153 – 161
  6. Kendler DL et al. J Bone Miner Res 2010; 25: 72 – 81
  7. Zebaze RM et al. Lancet 2010; 9727: 1729 – 1736
  8. Sambrook P et al. Lancet 2006; 367: 2010 – 2018
  9. Rizzoli R et al. Osteoporosis Intl Suppl 2010; Abstract P841
  10. Papapoulos S. et al. Osteop Int 2012; 23 (Suppl2): S. 76(#OC27)
  11. Bianchi et al. Osteoporos Int 2011 Oct 6 [Epub ahead of print]
  12. Black et al. JAMA 2006; 296(24): 2927 – 2938
  13. Bone HG et al. J Bone Miner 2011; 26 (Suppl1): S22 – S23 (#1065)
  14. Häussler et al. Dtsch Arztebl 2006; 103(39): A 2542 – 8
  15. Hadji P. Current Congress; Osteologie  2012: 10

 


 

Quelle: Frühlingsforum Osteoporose der Firmen Amgen und GlaxoSmithKline am 21.04.2012 in München. (tB)