Home Pharmakologie Pharma aktuell Stören Arzneimittel aus den Blättern des Ginkgo-Baums die Wirkung anderer Medikamente? Ginkgo im Sicherheits-Check
15 | 12 | 2017
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Abb.: Die typischen fächerförmigen Blätter eines Ginkgo-Baums. Foto: Robert EmmerichStören Arzneimittel aus den Blättern des Ginkgo-Baums die Wirkung anderer Medikamente?

Ginkgo im Sicherheits-Check

 

Würzburg (21. August 2013) - Extrakte aus den Blättern des Ginkgo-Baums werden seit Jahrzehnten in der Medizin verwendet. Sie kommen unter anderem bei Tinnitus und Schwindel oder bei nachlassender Konzentrations- und Gedächtnisleistung zum Einsatz, etwa bei Alzheimer-Patienten.
Häufig sind es ältere Menschen, die regelmäßig die frei verkäuflichen Ginkgo-Präparate einnehmen. Nun brauchen Senioren oft mehrere Medikamente gleichzeitig, etwa gegen Diabetes, Herzschwäche oder Bluthochdruck. Darum stellt sich die Frage, welche Wechselwirkungen zwischen Ginkgo und den anderen Mitteln ablaufen.


Verdacht aus Labortests begründet

Ginkgo-Extrakte stehen in diesem Zusammenhang unter Verdacht: Aus Labortests ist bekannt, dass die Mittel aus der Natur in höheren Konzentrationen dazu in der Lage sind, bestimmte Stoffwechselenzyme und Proteine zu hemmen oder zu aktivieren. Beides kann die Wirkung anderer Medikamente stören.

Wie aber wirken sich Ginkgo-Präparate im lebenden Organismus aus? Den Stand des Wissens hierzu hat jüngst Matthias Unger vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Universität Würzburg zusammengefasst. Sein Übersichtsartikel ist in der August-Ausgabe der Zeitschrift Drug Metabolism Reviews erschienen. Ungers Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Hemmung von Enzymen durch pflanzliche Arzneistoffe.


Entwarnung bei Beachtung der Tagesdosis

Ungers Fazit: “Die Einnahme des standardisierten Ginkgo-Präparats EGb 761 mit anderen Medikamenten scheint sicher, so lange die empfohlene maximale Tagesdosis von 240 Milligramm eingehalten wird.” In diesem Fall seien keinerlei klinisch relevante Wechselwirkungen bekannt. Selbst wenn die Tagesdosis überschritten wird, komme es nur zu geringfügigen Veränderungen der Enzymaktivität.

Fraglich bleibt dem Würzburger Wissenschaftler zufolge, ob dieser Befund auf andere Ginkgo-Zubereitungen ebenso zutrifft. Diese Unsicherheit gelte auch für die kaum standardisierte Verwendung von Ginkgo in Teemischungen oder Nahrungsergänzungsmitteln.

 

 

  • Matthias Unger: “Pharmacokinetic drug interactions involving Ginkgo biloba”, Drug Metabolism Reviews, August 2013, Vol. 45, No. 3 , Pages 353-385, DOI: 10.3109/03602532.2013.815200

 


 

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 21.08.2013 (tB).

 
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