Home Pneumologie Idiopathische Lungenfibrose: Esbriet® (Pirfenidon) ist das erste in der EU zugelassene Medikament zur Behandlung von Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung
15 | 12 | 2017
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Idiopathische Lungenfibrose

Esbriet® (Pirfenidon) ist das erste in der EU zugelassene Medikament zur Behandlung von Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung

 

Dresden (8. April 2011) – Als erstes und bislang einziges Medikament wurde Anfang März Esbriet® (Pirfenidon) zur Behandlung von Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer idiopathischer Lungenfibrose (IPF) in der Europäischen Union zugelassen. Basis der Zulassung sind die in insgesamt vier randomisierten Plazebo-kontrollierten Studien mit mehr als 1.100 Patienten nachgewiesene Wirksamkeit und Sicherheit. Dabei zeigte sich, dass die Substanz einen positiven Therapieeffekt auf die Erhaltung der Lungenfunktion und der körperlichen Belastbarkeit hat: Dies spiegelt sich in den Veränderungen des Sollwerts der forcierten Vitalkapazität (FVC) und der Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest (6MWT) wider. Außerdem wurde in einer Metaanalyse ermittelt, dass Pirfenidon das Risiko des Todes oder der Krankheitsprogression um 30 % reduziert (p=0,002)1. Eine gepoolte Überlebensanalyse der Phase-III-Studien PIPF-004 und PIPF-006 zeigte, dass die Mortalitätsrate im Verum-Arm 7,8 % im Vergleich zu 9,8 % unter Plazebo betrug (HR = 0,77; 95-KI 0,47-1,28). Da Pirfenidon die IPF bezogene Mortalität reduziert, sinkt die Gesamtmortalitätsrate gegenüber Plazebo.2

 

Die EU-Zulassung von Pirfenidon ist ein Meilenstein in der IPF-Therapie. Denn bislang gab es für die etwa 12.000 bis 22.000 Betroffenen in Deutschland keine zugelassene medikamentöse Behandlungsoption gegen diese progrediente und tödlich verlaufende Atemwegserkrankung.

 

„Für die idiopathische Lungenfibrose stand bislang keine zugelassene medikamentöse Therapie zur Verfügung, obwohl zahlreiche Substanzen in verschiedenen klinischen Studien geprüft wurden. Die mit Pirfenidon durchgeführten Studien zeigen, dass unter dieser Therapie die Krankheitsprogression nachweislich verlangsamt wird. Somit wurde ein wesentlicher Beitrag in der Behandlung dieser schweren Lungenerkrankung geleistet“, betont Prof. Dr. med. Ulrich Costabel, Chefarzt an der Ruhrlandklinik in Essen.

 

„Nach über zehnjähriger Forschung und dem weltweit umfangreichsten klinischen Studienprogramm zur idiopathischen Lungenfibrose freuen wir uns, dass Pirfenidon kürzlich die Zulassung in der Europäischen Union erhalten hat. Mit der Verfügbarkeit von Pirfenidon gibt es für Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose endlich eine nachweislich wirksame Therapieoption“, sagt Dr. med. Markus Leyck Dieken, Senior Vice President und Country Manager Germany.

 

 

Pirfenidon hat einen signifikanten Effekt auf die Erhaltung der Lungenfunktion und die körperliche Belastbarkeit

 

In den Phase-III-Studien PIPF-004 und PIPF-006 wurde die Behandlung mit Pirfenidon 2403 mg/Tag im Vergleich zu Plazebo untersucht. Dabei war das Design der beiden Studien nahezu identisch. Die Studienteilnehmer erhielten den Wirkstoff dreimal täglich über mindestens 72 Wochen. Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung der forcierten Vitalkapazität (FVC) in Prozent des Sollwertes nach 72 Wochen im Vergleich zum Ausgangswert vs. Plazebo ermittelt.2 Hierbei geht eine Abnahme der FVC um mehr als 10 % mit einem Anstieg des Mortalitätsrisikos um den Faktor 4,8 einher. In einer Analyse mit mehr als 800 IPF-Patienten wurde festgestellt, dass Änderungen der FVC mit Änderungen der Gehstrecke im 6MWT und mit der Lebensqualität korrelieren.3

 

In der Studie PIPF-004 war die Reduktion der FVC in Prozent des Sollwertes nach 72-wöchiger Behandlung unter Pirfenidon (n=174) signifikant geringer als unter Plazebo (n=174; p=0,001, Rang-ANCOVA). Auch nach 24 Wochen (p=0,014), 36 Wochen (p<0,001), 48 Wochen (p<0,001) und 60 Wochen (p<0,001) reduzierte diese Substanz signifikant die Abnahme der FVC in Prozent des Sollwertes verglichen mit dem Ausgangswert. Eine Verminderung der FVC in Prozent des Sollwertes von ≥10 % wurde nach 72 Wochen bei 20 % der Patienten unter Pirfenidon und bei 35 % unter Plazebo beobachtet.

 

In der PIPF-004-Studie wurde nach 72 Wochen bezüglich der Veränderung der Gehstrecke im 6MWT gegenüber dem Ausgangswert kein signifikanter Unterschied zwischen Verum- und Plazebo-Arm ermittelt (Rang-ANCOVA). In einer Ad-hoc-Analyse wiesen jedoch nur 37 % der mit Pirfenidon Behandelten eine Reduktion der 6MWT-Gehstrecke von ≥50 m auf, verglichen mit 47 % der Patienten unter Plazebo.

 

In der Studie PIPF-006 verringerte sich nach 72 Wochen unter Pirfenidon (n=171) im Vergleich zu Plazebo (n=173) die Abnahme der FVC in Prozent des Sollwertes nicht signifikant (p=0,501). Pirfenidon reduzierte jedoch nach 24 Wochen (p<0,001), nach 36 Wochen (p=0,011) und nach 48 Wochen (p=0,005) die Abnahme der FVC in Prozent des Sollwertes verglichen mit dem Ausgangswert. Nach 72 Wochen wurde bei 23 % unter Pirfenidon und bei 27 % unter Plazebo eine Verringerung der FVC von ≥10 % beobachtet.

 

Darüber hinaus war in dieser Studie die Abnahme der 6MWT-Gehstrecke nach 72 Wochen signifikant geringer als unter Plazebo (p<0,001, Rang-ANCOVA). Zudem zeigten in einer Ad-hoc-Analyse nur 33 % der mit Pirfenidon behandelten Patienten eine Abnahme der 6MWT-Gehstrecke von ≥50 m, im Gegensatz zu 47 % der Patienten unter Plazebo.2

 

Pirfenidon ist eine im Allgemeinen verträgliche, orale Therapie mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil. Die Sicherheit dieser Substanz wurde in klinischen Studien mit 1.345 Probanden und Patienten untersucht. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis von Pirfenidon ist günstig. Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen verglichen mit Plazebo (Inzidenz ≥10 %) waren: Übelkeit (32,8 % vs. 13,3 %), Hautauschlag (28,7 % vs. 8,6 %), Müdigkeit (22,3 % vs. 13,3 %), Durchfall (21,7 % vs. 13,5 %), Verdauungsstörungen (16,8 % vs. 5,5 %) und Photosensibilitätsreaktion (12,2 % vs. 1,7 %). Unter Pirfenidon wurde eine Erhöhung der Leberfunktionswerte beobachtet, weshalb diese regelmäßig kontrolliert werden sollten. Da bei dieser Therapie Photosensibilitätsreaktionen auftreten können, sollte direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Die Nebenwirkungen sind meist leicht bis mäßig, treten vorübergehend auf und können durch Dosisreduktion oder Therapieunterbrechung gut behandelt werden.2

 

 

Pirfenidon wirkt anti-fibrotisch und anti-inflammatorisch

 

Der Wirkmechanismus von Pirfenidon ist noch nicht vollständig aufgeklärt. In verschiedenen in vitro- und in vivo-Modellen wurde gezeigt, dass diese Substanz sowohl anti-fibrotisch als auch anti-inflammatorisch wirkt: Pirfenidon vermindert die Proliferation von Fibroblasten sowie die Produktion von fibrose-assoziierten Proteinen und Zytokinen. Darüber hinaus hemmt es die erhöhte Biosynthese und die Akkumulation von extrazellulärer Matrix, die durch Wachstumsfaktoren, wie den transformierenden Wachstumsfaktor-beta (TGF-β) und den Plättchenwachstumsfaktor (PDGF) stimuliert werden.2

 

 

IPF ist eine schwere und seltene Atemwegserkrankung

 

Mit einer geschätzten medianen Überlebenszeit von zwei bis fünf Jahren ist die IPF eine progressive, chronische und tödlich verlaufende Lungenerkrankung4. In Europa sind etwa 80.000 bis 135.000 Patienten von dieser Krankheit betroffen5,6, in Deutschland sind es ungefähr 12.000 bis 22.000. Die geschätzte Überlebensrate nach fünf Jahren beträgt nur 20 %4. Somit führt diese Atemwegserkrankung häufig sogar früher zum Tod und verläuft schwerwiegender als viele Krebserkrankungen, wie Brust-, Eierstock oder Darmkrebs7,8,9.

 

Bei einer IPF kommt es zur Aktivierung von Fibroblasten. Diese werden durch verschiedene Botenstoffe, wie z.B. den Wachstumsfaktor TGF-β initiiert. Dieser Faktor ist ein chemischer Mediator, der zahlreiche Zellfunktionen, darunter auch Proliferation und Differenzierung steuert sowie bei der Entstehung der Fibrose eine Schlüsselrolle spielt. Charakteristisch für die IPF sind eine zunehmende Belastungs-, später Ruhedyspnoe sowie eine fortschreitende Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.

 

 

Über InterMune

 

InterMune ist ein Biotechnologie-Unternehmen mit den Schwerpunkten Forschung und Entwicklung sowie Vermarktung innovativer Therapien in den Bereichen Hepatologie und Pulmologie. In der Pulmologie liegt der Fokus auf der IPF. Das Unternehmen entwickelte mit Pirfenidon (Esbriet®), die erste medikamentöse Therapie zur Behandlung von Erwachsenen mit leichter bis mittlerer IPF, die im März 2011 in der Europäischen Union zugelassen wurde. Noch in diesem Jahr wird das Produkt in den deutschen Markt eingeführt. Seit Januar 2011 ist die InterMune Deutschland GmbH in Berlin ansässig.

 

Weitere Informationen über InterMune finden Sie unter www.intermune.com

 

 

Referenzen 

  1. Spagnolo et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 9. Art NO.:CD003134. DOI: 10.1002/14651858.CD003134.pub2.
  2. Fachinformation Esbriet® (Pirfenidon).
  3. du Bois et al. Eur Resp J 2010; 36:3632.
  4. Meltzer und Noble. Orphanet Journal of Rare Diseases 2008; 3.
  5. Prevalence of rare disease: Bibliographic data. Orphanet Report Series 2010; 1:16.
  6. Coultas et al. Am J Respir Crit Care Med 1994;150:967-972.
  7. Vancheri et al. Eur Respir J. 2010; 35:496-504.
  8. Raghu et al. Am J Respir Crit Care Med 2006; 174:810-816.
  9. Cancer Facts and Figures 2009, American Cancer Society.

 

 

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Quelle: Pressekonferenz der Firma InterMune am 08.04.2011 in Dresden (Hill and Knowlton) (tB).
 
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