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53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

Studien untersuchen den Einfluss von Roflumilast (Daxas®) auf Komorbiditäten bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD

 

Nürnberg (31. März 2012) – Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung COPD leiden häufig gleichzeitig an Komorbiditäten, die Einfluss auf Lebensqualität und Lebenserwartung haben können.(1) Besonders oft treten in diesem Zusammenhang kardiovaskuläre Erkrankungen auf. Schätzungen zufolge ist ein Drittel der Patienten von einer Form der Herzinsuffizienz betroffen.(2) Ein möglicher Grund ist die von der Lunge ausgehende Entzündung,(3) die auf weitere Organe wie das Herz übergreifen kann.(4,5) Mit dem Phosphodiesterase-4-Hemmer Roflumilast (Daxas®) steht ein Wirkstoff zur Verfügung, der gegen die COPD-spezifische Entzündung wirkt(6) und darüber hinaus positiven Einfluss auf Komorbiditäten haben kann.(7,8) Dieser Zusammenhang wird derzeit weiter in Studien untersucht, wie Experten bei einem Symposium von Nycomed, einem Unternehmen der Takeda Gruppe, im Rahmen des 53. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin berichteten.

 

Das Bild der COPD hat sich in den vergangenen Jahren durch neue Erkenntnisse zum Krankheitsgeschehen wesentlich verändert. Sie wird zunehmend als entzündliche Erkrankung mit signifikanten Auswirkungen über die Lunge hinaus wahrgenommen.(9) Seit Juli 2010 steht mit dem Phosphodiesterase-4-Hemmer (PDE4-Hemmer) Roflumilast (Daxas®) der bisher einzige Wirkstoff zur Verfügung, der gezielt gegen die systemische Entzündung bei COPD wirkt,(6) die vor allem durch das Einströmen von Neutrophilen in die Atemwege charakterisiert ist.(10) Ergebnisse aus früheren Studien zeigten bereits, dass die Entzündung der Lunge systemisch auf andere Organsysteme übergreifen und für Komorbiditäten wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Osteoporose, Depression und Krebs verantwortlich sein kann.(4,5) Die antiinflammatorische Wirkung von Roflumilast könnte daher einen hohen Stellenwert haben, wie beispielsweise erste Untersuchungen zu den extrapulmonalen Effekten des PDE4-Hemmers bei kardiovaskulären Erkrankungen und Typ-2-Diabetes gezeigt haben.(7,8) Diese und weitere Effekte des Wirkstoffs sollen nun durch weitere Untersuchungen verifiziert werden, unter anderem durch zwei nicht-interventionelle Beobachtungsstudien, wie in Nürnberg berichtet wurde.(11)

 

 

Roflumilast in GOLD-Leitlinie empfohlen

 

Die aktuelle Leitlinie der GOLD („Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease“) empfiehlt entsprechend des gewandelten Krankheitsbildes inzwischen einen mehrdimensionalen Ansatz für die Therapie der COPD.(1) Sowohl die klinischen Symptome der Patienten und die Historie an Exazerbationen als auch das zukünftige Risiko für Exazerbationen und Krankenhauseinweisungen tragen zur Phänotypisierung bei. Patienten mit zwei oder mehr Exazerbationen in der Vergangenheit gehören hiernach zum Hochrisikokollektiv. Gemäß der Leitlinie und aktuellen Studiendaten profitiert insbesondere der Phänotyp des Häufig-Exazerbierers von der Dauertherapie mit Roflumilast. Bei gleichzeitiger Gabe eines langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) konnte die Zahl an Exazerbationen um 21 Prozent gesenkt werden.(12) Die Number Needed to Treat (NNT) zur Vermeidung von Exazerbationen pro Jahr betrug in dieser Gruppe lediglich  3,2(12), was bedeutsam ist für die Behandlung der Erkrankung, denn das häufige Auftreten von Exazerbationen erhöht das Risiko für eine Krankheitsprogression.(13,14) Zudem bedeuten sie eine starke Belastung für Patienten, denn die Wiederherstellung der Lebensqualität kann viele Monate in Anspruch nehmen.(15) Auf Grundlage der aktualisierten GOLD-Leitlinie können Patienten nun noch individueller behandelt werden. Wechselwirkungen mit anderen häufig bei COPD verordneten Wirkstoffen wie Salbutamol, Formoterol oder Budenosid sind dabei nicht zu erwarten.(16) Auch die gleichzeitige Gabe von Theophyllin führte nicht zu einer klinisch relevanten Erhöhung der totalen PDE4-Hemmung, wird aber wegen fehlender Langzeitdaten nicht empfohlen.(16)

 

 

Compliance der Patienten sichern

 

Die Therapie der COPD mit Roflumilast ist eine Langzeitbehandlung, Patienten sollten daher über die Anwendung und mögliche Nebenwirkungen des Wirkstoffs entsprechend gut aufgeklärt werden. Obwohl der hochselektive PDE4-Hemmer in Studien mit über 12.000 Patienten im Allgemeinen gut vertragen wurde, treten bei etwa 16 Prozent der Patienten hauptsächlich in den ersten Wochen der Therapie vor allem gastrointestinale Beschwerden und Gewichtsverlust auf, die aber meistens im Verlauf der weiteren Therapie abklingen.(16) Gleichzeitig setzt die Wirkung von Roflumilast aber erst nach etwa vier bis acht Wochen ein. (16) Um insbesondere zu Therapiebeginn die Compliance der Patienten zu sichern, sollten Patienten darüber entsprechend informiert werden. Auf diese Weise kann die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD in der Regel umfassend behandelt werden.

 

 

Literatur


  1.  Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. Global strategy for the diagnosis, management and prevention of COPD. Revised 2011. www.goldcopd.org - Zugriff: 09.03.2012.
  2. Rutten FH, Kramer MJ, Grobbee DE et. al., Eur. Heart J 2005; 26:1887-94.
  3. Nussbaumer-Ochsner Y et al. Chest. 2011 Jan;139(1):165-73.
  4. Agusti A et al. COPD 2008; 5: 133-138.
  5. Fabbri LM et al. The Lancet 2007; 370:797-799.
  6. Rabe KF. Br J Pharmacol. 2011 Jan 14. doi: 10.1111/j.1476-5381.2011.01218.x.
  7. Wouters EFM et al. Am J Respir Crit Care Med  2010 181: A4471.
  8. White W et al., Am J Respir Crit Care Med; 2011 183: A3092.
  9. Couillard A et al. Rev Pneumol Clin. 2011 Jun;67(3):143-153. Epub 2011 Feb 2.
  10. Grootendorst DC et al., Thorax 2007;62:1081−1087.
  11. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP), #284.
  12. Bateman ED et al. Eur Respir J 2011; 38:553-560.
  13. Vogelmeier C et al, Pneumologie 2007; 61; e1-e40.
  14. Wedzicha JD et al. Lancet 2007;370:786-796.
  15. Seemungal TA et al. Am J Respir Crit Care Med 2000;161:1608-1613.
  16. Fachinformation Daxas® 500 µg Filmtabletten, Stand Januar 2012.

 


 

Quelle: Satelliten-Symposium der Firmen Nycomed und MSD zum Thema "Roflumilast in der Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung" am 31.03.2012 in Nürnberg (tB).