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17 | 10 | 2017
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Starke Magnetfelder helfen bei schweren Depressionen

 

Bonn (21. Oktober 2010) - Starke Magnetfelder eignen sich augenscheinlich sehr gut zur Therapie schwerer Depressionen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bonn, die jetzt im Journal of Psychiatric Research erschienen ist (doi: 10.1016/j.jpsychires.2010.09.008). Die Mediziner hatten insgesamt zehn Patienten mit der so genannten Magnetkrampftherapie (MKT) behandelt. Bei sechs von ihnen besserte sich der Zustand daraufhin deutlich. Besonders erfreulich: Schwerwiegende Nebenwirkungen blieben komplett aus.

 

Bei einer Magnetkrampftherapie bringen Mediziner am Kopf des narkotisierten Patienten zwei Spulen an. Diese erzeugen einhundert Mal pro Sekunde ein starkes Magnetfeld und lösen dadurch im Gehirn einen Krampfanfall aus. Die seit mehr als 75 Jahren eingesetzte Elektrokrampftherapie (EKT) funktioniert ähnlich. Bei ihr wird der Anfall aber durch elektrische Impulse hervorgerufen.

 

Bei vielen Depressiven verbessert sich nach einer EKT das Befinden - die Gründe dafür sind noch unklar. Selbst bei Kranken, die auf keine andere Behandlungsmethode ansprechen, liegt die Erfolgsquote bei 50 bis 70 Prozent. Allerdings hält diese Besserung nur bei der Hälfte von ihnen länger als sechs Monate an. Dennoch schlägt die Methode die heute verfügbaren Medikamente ebenso um Längen wie Psycho- oder Verhaltenstherapien.

 

 

Elektrokrampftherapie hat ein Image-Problem

 

Dennoch hat die EKT ein Image-Problem. Das liegt zum Einen an Filmen wie „Einer flog über das Kuckucksnest“, in dem Jack Nicholson bei vollem Bewusstsein einer Zwangs-EKT unterzogen wurde. Die brachialen Bilder wirken bis heute nach. Zum anderen kann sie aber auch unangenehme Nebenwirkungen haben. So klagt ein Drittel der Patienten über Gedächtnisstörungen. In seltenen Fällen können diese über Wochen oder sogar Monate anhalten.

 

Die relativ neue Magnetkrampftherapie scheint nach ersten Studien deutlich schonender zu sein. Doch ist sie auch ähnlich effektiv wie die EKT? „Wir sind dieser Frage in unserer Studie nachgegangen“, erklärt die Erstautorin der Publikation Dr. Sarah Kayser. „Dazu haben wir zwanzig schwerst depressive Patienten behandelt - zehn von ihnen per EKT, die anderen zehn per MKT.“

 

Bei sechs MKT-Patienten und vier EKT-Patienten verbesserte sich das Befinden daraufhin erheblich. Die Teilnehmer der EKT-Gruppe klagten jedoch nach dem Erwachen aus der Narkose häufig über Schwindel, Kopfschmerz oder Muskelschmerzen. Diese Nebenwirkungen blieben in der MKT-Gruppe gänzlich aus.

 

Die Ärzte untersuchten zudem, wie die beiden Behandlungsmethoden sich auf kognitive Parameter wie das Erinnerungsvermögen auswirkten. Dazu sollten die Probanden nach dem Erwachen aus der Narkose Namen, Alter, Wochentag und ihren augenblicklichen Aufenthaltsort nennen. Den Teilnehmern der EKT- Gruppe gelang es im Schnitt erst nach sechs Minuten, diese Fragen korrekt zu beantworten. Bei den MKT-Patienten betrug diese Zeitspanne lediglich gut zwei Minuten; sie erholten sich also deutlich schneller. Keiner der zwanzig Studienteilnehmer litt unter länger dauernden Gedächtnisstörungen.

 

 

Alternative zu Medikamenten?

 

„Die Magnetkrampftherapie scheint tatsächlich eine Alternative zur Elektrokrampftherapie zu sein, die deutlich weniger Nebenwirkungen hat“, sagt Professor Dr. Thomas E. Schläpfer von der Bonner Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Angesichts der kleinen Patientenzahl ist dieses Ergebnis aber noch mit Vorsicht zu betrachten. Wir müssen jetzt unbedingt weitere Patienten behandeln, um unsere Ergebnisse zu bestätigen.“

 

Für Menschen, die an Depressionen leiden, sind die Resultate aber schon jetzt Anlass zur Hoffnung: Während die EKT aufgrund ihres unverdient schlechten Rufs von vielen Medizinern auch heute noch eher als „ultima ratio“ gesehen wird, hat die MKT mit diesem Manko nicht zu kämpfen. Sie könnte daher bei Patienten, die auf Medikamenten und Psychotherapien nicht ansprechen, als Alternative zum Einsatz kommen. Das könnte eventuell so manchem Betroffenen einen jahrelangen erfolglosen Behandlungsmarathon ersparen.

 

 


Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 21.10.2010 (tB).

 
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