Home Psychiatrie Integrierte Versorgung Schizophrenie in Niedersachsen
23 | 10 | 2017
PDF Drucken

Integrierte Versorgung Schizophrenie in Niedersachsen

Flächendeckende Integrierte Versorgung in erster Region gestartet

 

logoBerlin (25. November 2010) - Die Vertragspartner der Integrierten Versorgung Schizophrenie (IVS) gaben am Rande des DGPPN-Kongresses in Berlin bekannt, dass die vorbereitende Phase und der Start der Integrierten Versorgung Schizophrenie in Niedersachsen nach Plan erfolgt sind. An einer Schizophrenie erkrankte Versicherte der AOK können sich seit Oktober 2010 in ersten Startregionen Niedersachsens wie Delmenhorst, Hildesheim, Oldenburg, Peine und Wolfsburg einschreiben und von den Vorteilen der sektorenübergreifenden Versorgungsangebote profitieren. Die Integrierte Versorgung Schizophrenie in Niedersachsen ist das erste Versorgungskonzept, das im niedergelassenen Bereich koordiniert wird und eine landesweit flächendeckende Versorgung in einem großen Bundesland zum Ziel hat.

 

Partner der Versorgungsinitiative sind die AOK Niedersachsen, die Managementgesellschaft I3G GmbH und die mit dem Aufbau von Netzwerkpartnerschaften und dem Ausbau vorhandener Strukturen beauftragte Care4S GmbH. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, durch erweiterte ambulante Behandlungsoptionen wie Psychoedukation, Fachpflege, Soziotherapie, Psychotherapie, aufsuchende Behandlung und Angehörigenbetreuung die Versorgung des einzelnen Patienten so zu verbessern, dass die ärztliche Therapie insgesamt effektiver und effizienter wird. Im Vordergrund steht, dass den Patienten mit rechtzeitiger, sektorenübergreifender und nachhaltiger Versorgung unter Einbeziehung ihrer Angehörigen in ihrem sozialen Umfeld ein weitgehend normales Leben ermöglicht wird.

 

„Patienten brauchen die Therapie, die für sie die beste ist. Und sie wollen sicher sein, dass sich ihre Behandler untereinander abstimmen“, so Dr. Matthias Walle, niedergelassener Psychiater aus Hemmoor und Geschäftsführer der Care4S GmbH. Der dem Versorgungsmanagement zugrunde liegende Behandlungspfad orientiert sich an wissenschaftlichen Leitlinien der Fachgesellschaften und der WHO und schließt alle für die Indikation zugelassenen, auf dem deutschen Markt verfügbaren Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie ein. Das ist für Walle ebenso selbstverständlich wie die Therapiefreiheit der teilnehmenden Ärzte. „Der Arzt behält seine Therapiefreiheit, in Abstimmung mit dem Patienten und dem ambulanten Team wählt er die individuellen Behandlungsmodule aus“, erläutert Walle.

 

 

Versorgungsaufbau nach Plan: Etwa 50 Netzwerkpartnerverträge geschlossen

 

„Als größte Krankenkasse in Niedersachsen sind wir an der qualitativ bestmöglichen Betreuung unserer Versicherten interessiert“, unterstreicht Frank Preugschat, Leiter der Abteilung Versorgungsmanagement bei der AOK Niedersachsen. „Da die Regelversorgung nun einmal Lücken aufweist, zumal in Flächenländern, ist es geradezu ein Gebot für uns, gemeinsam mit Partnern einen besseren Weg zu suchen. Erfreulicherweise haben bereits 50 Netzwerkpartner den Vertrag mit uns geschlossen. Damit konnte in der Startregion innerhalb weniger Wochen ein flächendeckendes Versorgungsangebot geschaffen werden.“

 

Dass die Integrierte Versorgung Schizophrenie planmäßig starten konnte, verdanken die Versorgungspartner einerseits den in Niedersachsen durch den Modellverbund Psychiatrie der Bundesregierung bereits gewachsenen Strukturen und den weitreichenden Erfahrungen von Dr. Walle beim Aufbau einer Integrierten Versorgung. Andererseits hat aber auch die Zusammenarbeit aller Beteiligten sehr gut funktioniert. So wurden die bereits publizierten Qualitätsindikatoren in das Konzept eingebunden. Dazu gehören beispielsweise Kontinuität ambulanter Behandlung nach Entlassung aus der Klinik, die Häufigkeit von Rückfällen, Krankenhaus-Wiederaufnahmeraten, Bedarf und Bedarfsdeckung im Bereich Wohnen, Abbruch der Behandlung länger als 90 Tage und Einbezug von Angehörigen in die Behandlung. Zudem wurden Kooperationsgespräche mit potenziellen Partnern im Hinblick auf den Ausbau bestehender Strukturen gestartet, Qualitäts-, Transparenz- und Datenschutzvorgaben der AOK Niedersachsen in Netzwerkstrukturen übersetzt und potenzielle Netzwerkpartner in interdisziplinären Fachveranstaltungen informiert und geschult.

 

 

Angehörige sehen Versorgungsangebot positiv

 

Der aus allen Bereichen der Versorgung interdisziplinär besetzte Beirat der Integrierten Versorgung Schizophrenie wird das Versorgungskonzept begleiten. Rose-Marie Seelhorst, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker in Niedersachen und Bremen (AANB) e.V., ist froh, dass auch viele nicht-medikamentöse Behandlungsangebote fester Bestandteil der integrierten Versorgung sind, denn „ohne aufsuchende psychiatrische Pflege und ohne jederzeit verfügbare Krisenhilfe können Menschen, die an einer chronischen Schizophrenie leiden, nicht angemessen behandelt und unterstützt werden.“

 

Eine ausdrückliche Einladung zum Dialog sprechen die Versorgungspartner allen aus, die an der Versorgung schizophren erkrankter Patienten beteiligt sind. „Es ist uns wichtig, mit unserem Versorgungskonzept an bestehende Strukturen anzuknüpfen. Dafür ist eine neue Dialogkultur notwendig“, so Marlis L. Richter, Pressesprecherin und Geschäftsführerin der I3G GmbH. Ihr Kollege und Mitgeschäftsführer Dr. Klaus Suwelack bekräftigt dies und möchte den Dialog insbesondere auch im Hinblick auf die 2011 anstehende weitere Ausweitung der integrierten Versorgung in Niedersachsen weiter intensivieren.

 

Die von AOK Bundesverband, AOK Niedersachsen und I3G GmbH europaweit ausgeschriebene unabhängige wissenschaftliche Evaluation startet im nächsten Jahr. Qualitätsberichte der Integrierten Versorgung Schizophrenie erscheinen ab 2011 jährlich. Über den Stand der Versorgung informieren die Versorgungspartner unter http://www.aok.de/nieders/tool/presse/.

 

 

 

Meielensteine der Integrierten Versorgung. 

 

Abb.: Meilensteine der Integrierten Versorgung Schizophrenie

 


Quelle: I3G-Pressegespräch zum Thema „Schizophrenie: Neue Wege in der integrierten Versorgung“ am Rande des DGPPN-Kongresses 2010, am 25.11.2010 in Berlin (tB).

 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson