Home Psychiatrie Tianeptin zur Therapie von Depressionen: Äquivalente Wirksamkeit – überlegene Verträglichkeit
24 | 10 | 2017
PDF Drucken

www.neuraxpharm.deTianeptin zur Therapie von Depressionen

Äquivalente Wirksamkeit – überlegene Verträglichkeit

 

Berlin (22. November 2012) – Ab sofort steht mit der Substanz Tianeptin (Tianeurax®) der erste Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker zur Behandlung von Depressionen zur Verfügung. In mehreren randomisierten placebokontrollierten Studien konnte die Substanz unter Beweis stellen, dass sie eine vergleichbare Wirksamkeit wie trizyklische Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) aufweist. Die gute Verträglichkeit sowie der andersartige Wirkmechanismus sind praxisrelevante Vorteile dieser innovativen Behandlungsmethode.

 

Die Depression ist eine weit verbreitete, schwere und lebensbedrohliche Erkrankung, die in ca. 50 % der Fälle einen langwierigen und chronischen Verlauf nimmt.

 

Zwar stehen bereits zahlreiche verschiedene Therapiemaßnahmen zur Verfügung, doch nach wie vor besteht der Bedarf an effektiven und vor allem an verträglichen Behandlungsoptionen.

 

Diese Voraussetzung erfüllt die jetzt auch in Deutschland zugelassene Substanz Tianeptin, der erste Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker, dessen Wirkmechanismus sich von anderen Substanzen wie den SSRI unterscheidet. Neben dem Wirkprinzip als Serotonin-Reuptake-Enhancer (SRE) normalisiert die Substanz die gestörte glutamaterge Neurotransmission. Tianeptin kann  stressbedingte strukturelle und zelluläre Veränderungen im Gehirn verhindern bzw. kann diese sogar rückgängig machen und schützt so den Hippocampus und den präfrontalen Kortex vor den nachteiligen Folgen des mit der Depression verbundenen Stresses.

 

Die neurobiologischen Ursachen der Depression sind vielfältig und derzeit nicht letztlich geklärt. Die vorherrschende Theorie war, dass der wichtigste ätiologische Faktor in einer Dysbalance der serotonergen, noradrenergen und evtl. dopaminergen Neurotransmission besteht (sogenannte Monoaminmangelhypothese). Die genannten Neurotransmitter sind zwar fraglos an der Genese der Störung beteiligt, in den letzten Jahren häufen sich jedoch Hinweise darauf, dass die Depression nicht nur mit der Imbalanz von Neurotransmittern zu erklären ist, sondern vielmehr scheint eine gestörte Neuroplastizität und zelluläre Resilienz ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Hierdurch lässt sich die in experimentellen Studien belegte Wirksamkeit von Tianeptin teilweise erklären (1,2,3). Durch die Normalisierung der glutamatergen Funktion und der damit einhergehenden Verbesserung der Neuroneogenese kommt es unter Therapie mit Tianeptin auch zu einer kurzfristig verbesserten kognitiven Leistungsfähigkeit (4).

 

 

Effektiv in klinischen Studien

 

In zwei placebokontrollierten Studien wurde die Wirksamkeit von Tianeptin überprüft. Primärer Studienendpunkt war eine Abnahme der Score-Werte in der „Montgomery-Asberg Depression Rating Scale“ (MADRS). In beiden Studien war Tianeptin statistisch und klinisch signifikant wirksamer als das Placebo (p < 0,05) (5,6).

 

Mehrere Studien wurden im Vergleich zu anderen Antidepressiva durchgeführt. Im Vergleich zu diversen Trizyklika zeigte sich eine äquivalente Wirksamkeit von Tianeptin.

 

In einer Meta-Analyse wurden fünf Studien eingeschlossen, in denen die Wirksamkeit von Tianeptin mit derjenigen von SSRIs verglichen wurde. Auch hier wurde die Wirksamkeit anhand des Einflusses auf die MADRS-Scores ermittelt. In dieser Meta-Analyse zeigte sich, dass Tianeptin sowohl bei allen eingeschlossenen Patienten als auch bei der Gruppe der schwer depressiven Studienteilnehmer (Ausgangs-MADRS ≥ 28) ebenso effektiv war wie die Vergleichs-SSRIs (7). Mit Tianeptin wurden Reduktionen des MADRS-Scores im Vergleich zur Baseline von 50 bis 60 % erreicht. Zudem gibt es Studien, die auf eine anxiolytische Wirksamkeit von Tianeptin hinweisen (8).

 

 

Besonders gute Verträglichkeit

 

Ein besonderer Vorteil des SRE Tianeptin ist dessen gute Verträglichkeit. In einer Untersuchung, in der Tianeptin mit Trizyklia verglichen wurde, kam es signifikant weniger häufig zu autonomen und ZNS-Nebenwirkungen, auch gastrointestinale Störungen, eine Zunahme von Gewicht und Herzfrequenz und ein Tremor wurden signifikant seltener bei Einnahme von Tianeptin beobachtet (8). In einer weiteren Untersuchung wurde die Verträglichkeit von Tianeptin mit derjenigen von Paroxetin verglichen. Hier kam es bei Einnahme von Tianeptin bei der Gesamtsumme der unerwünschten Arzneimittelwirkungen signifikant seltener zu Nebenwirkungen (p = 0,02; 9).

 

Insgesamt scheinen gastrointestinale Nebenwirkungen unter Tianeptin seltener aufzutreten als unter SSRI. Zudem kommt es weniger häufig zu sexuellen Funktionsstörungen (5,6).

 

Tianeptin wird auch von älteren Patienten gut vertragen (10). Gerade bei diesen häufig multimorbiden Patienten ist das geringe Interaktionspotential ein Vorteil in der Praxis.

 

Aufgrund der guten Verträglichkeit bei ebenbürtiger Wirksamkeit bedeutet die Einführung von Tianeptin eine wesentliche Bereicherung der Therapie für Depressionen unterschiedlicher Schweregrade. Auch der unterschiedliche Wirkmechanismus ist von Vorteil, da bei Nichtansprechen auf ein SSRI oder Trizyklika mit dieser Substanz möglicherweise noch ein Ansprechen erreicht werden kann.

 

Weitere Informationen unter www.neuraxpharm.de

 

 

Literatur 

  1. Diamond DM, Campbell A, Park CR et al. Preclinical research on stress, memory, and the brain in the development of pharmacotherapy for depression. Eur Neuropsychopharmacol 2004;14 (suppl. 5):S491-5.
  2. Rocher C, Spedding M, Munoz C et al. Acute stress-induced changes in hippocampal/prefrontal circuits in rats: effects of antidepressants. Cereb Cortex 2004;14:224-9.
  3. Shakesby AC, Anwyl R, Rowan MJ. Overcoming the effects of stress on synaptic plasticity in the intact hippocampus: rapid actions of serotonergic and antidepressant agents. J Neurosci 2002;22:3638-44.
  4. Campbell AM, Park CR, Zoldaz RR et al. Pre-training administration of tianeptine, but not propranolol, protects hippocampus-dependent memory from being impaired by predator stress. Eur Neuropsychopharmacol 2008;18:87-98.
  5. Costa e Silva JA, Ruschel SI, Caetano D et al. Placebo-controlled study of tianeptine in major depressive episodes. Neuropsychobiology1997;35:24-9.
  6. Cassano GB, Heinze G. Loo H et al. A double-blind comparison of tianeptine, imipramine and placebo in the treatment of major depressive episodes. Eur Psychiatry 1996;11:254-59.
  7. Olié JP, Baylé F, Kasper S. 2003. A meta-analysis of randomized controlled trials of tianeptine versus SSRI in the short-term treatment of depression. Encephale 2003;29:322-8.
  8. Wagstaff  AJ, Ormrod D, Spencer CM. Tianeptine: a review of its use in depressive disorders. CNS Drugs 2001;15:231-59.
  9. Lepine JP, Altamura C, Ansseau M et al. Tianeptine and paroxetine in major depressive disorder, with a special focus on the anxious component in depression: an international, 6-week double-blind study dagger. Hum Psychopharmacol 2001;16:219-27.
  10. Chapuy P, Cuny G, Delomier Y et al. Depression in elderly patients. Value of tianeptine in 140 patients treated for 1 year [in French]. Presse Med 1991;20:144-52.


 

Quelle: Neuraxpharm, 22.11.2012 (tB).

 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson