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19 | 10 | 2017
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DGPPN 2012

Generalisierte Angststörung: Wirksame Therapiestrategien, auch bei Nonresponse

 

Berlin (22. November 2012) - Studien zeigen, dass die Versorgung von Patienten mit Generalisierter Angststörung (GAD) in der Regel beim Hausarzt erfolgt, die Erkrankung aber selten diagnostiziert wird. Eine leitliniengerechte Therapie der GAD wie sie beispielsweise mit Pregabalin (LYRICA®) möglich ist, wird zudem nur unzureichend umgesetzt. Doch auch eine adäquate Therapie führt nicht in allen Fällen zum Ziel. Bei suboptimaler Response auf eine State of the Art-Therapie der GAD können Switch- oder Add-on-Strategien greifen, die im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde vorge-stellt wurden1.

 

Die Generalisierte Angststörung (GAD) ist eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankun-gen: In Europa sind 5 bis 6 Millionen Menschen betroffen; das Lebenszeitrisiko an der GAD zu erkranken, wird auf 8,3 Prozent geschätzt. Die aktuelle Studie zur Gesundheit Erwachse-ner in Deutschland (DEGS1-MH) ermittelte eine 12-Monatsprävalenz dieser Angsterkrankung von durchschnittlich 2,9 Prozent2.

 

In der primärärztlichen Versorgung ist die GAD die häufigste Angststörung. Mit einer Punkt-prävalenz, die zwei- bis vierfach höher als in der Allgemeinbevölkerung ist, konsultieren GAD-Patienten überwiegend den Hausarzt. Eine Überweisung zum Psychiater oder Psychotherapeuten findet dagegen nur in jedem zehnten Fall statt2,3.

 

 

Unerkannt und unterversorgt – die GAD in deutschen Praxen

 

Doch die GAD wird häufig vom Hausarzt nicht erkannt3. Professor Hans-Ulrich Wittchen, Dresden, sieht dies mitunter darin begründet, dass durch unspezifische Symptome sowie komorbide Störungen ein sehr komplexes Krankheitsbild vorliegt, das zudem nicht ausrei-chend bekannt ist. Eine sichere Diagnose wird daher auch wahrscheinlicher, wenn der Pati-ent beispielsweise mit konkreten Angstsymptomen oder Schlafproblemen zum Arzt kommt4. Valide und einfache Hilfestellung in der Diagnostik können Screeningfragebögen wie der GAD-7 leisten5.

 

Nach den Leitlinien der World Federation of Societies of Biological Psychiatry sind – neben der kognitiven Verhaltenstherapie – Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) und der Kalziumkanalmodulator Pregabalin First-Line-Interventionen bei GAD6. Wird die Angststörung diagnostiziert, ist nur eine Minderzahl adäquat therapiert: So erhalten nahezu die Hälfte der Patienten keine Psycho- oder Pharmakotherapie, ein Drittel der Patienten die „second line“ eingestuften Benzodiazepine und nur knapp 40 Prozent jemals Verschreibungen erster Wahl, wie admi-nistrativ-epidemiologische Daten über einen Zeitraum von zehn Jahren zeigen7. 2

 

 

Therapie nach Leitlinie – trotzdem versagt?

 

In ca. 20 Prozent der Fälle werden Symptome aber auch mit den in den Leitlinien empfohle-nen Standardtherapien nicht ausreichend gebessert, erinnerte Professor Borwin Bandelow, Göttingen. Nach dem Vorgehen bei einer unzureichenden Response auf GAD-Therapeutika gefragt, gaben in einer Untersuchung Psychiater und Neurologen als häufigste Antwort an, die Dosis des verabreichten Präparats zu erhöhen8.

 

Bei Therapierefraktivität zieht Bandelow jedoch in erster Linie Switch- und Add-on-Strategien in Betracht: Zu den Switch-Optionen zählen die Umstellung auf andere Medikamente der ersten Wahl (SSRI, SNRI oder Pregabalin) sowie im nächsten Schritt auf Medikamente zwei-ter Wahl. Als letzter Versuch kann eine Umstellung auf Präparate, die keine Zulassung für die GAD haben, aber in doppelblinden oder offenen Studien bei der GAD oder anderen Angststörungen wirksam waren, erwogen werden. Jedoch fehlten Studiendaten hierzu voll-kommen.

 

 

Belastbare Evidenz bei Add-on-Therapien

 

Bei Add-on-Strategien wird in der Regel eine bisher eingeschränkt wirksame Behandlung durch die Gabe eines weiteren Medikaments ergänzt. Für dieses Vorgehen liegen einige Studien vor; wenige allerdings mit einer guten Evidenzlage. Die beste Datenlage bestehe für eine Add-on-Therapie mit Pregabalin9.

 

Suboptimale Responder auf SSRI und SNRI reagierten in dieser doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Studie auf eine ergänzende Behandlung mit Pregabalin signifikant besser als auf zusätzlich verabreichtes Plazebo. Auch den bei dieser Strategie zu berücksichtigenden Wirkstoffinteraktionen sei mit Pregabalin ideal zu begegnen, erklärte Bandelow. Anders als andere relevante Wirkstoffe wird Pregabalin nicht über das CYP-System der Leber verstoff-wechselt sondern über die Niere unverändert ausgeschieden und zeigt daher keine klinisch relevanten pharmakokinetischen Interaktionen10. Zu beachten sei allerdings beim kombinier-ten Einsatz von z.B. Benzodiazepinen oder Trizyklischen Antidepressiva mit Pregabalin, dass eine zusätzliche sedierende Wirkung entstehen könne. Ein weiterer Vorteil Pregabalins besteht darin, dass auch GAD-assoziierte Schlafstörungen gelindert werden können11,12. Darüber hinaus empfiehlt Bandelow bei suboptimalem Ansprechen, die GAD-Therapie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie zu begleiten.

 

 

Referenzen 

  1. Satelliten-Symposium „Psychiater, übernehmen Sie – Wann ist der Facharzt bei GAD gefragt?“ im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Berlin, 22. November 2012
  2. Wittchen HU et al. Bundesgesundheitsbl 2012; 55:908-990
  3. Wittchen HU, Hoyer J. J Clin Psychiatry. 2001; 62 Suppl 11:15-9; discussion 20-1
  4. Wittchen HU et al. J Clin Psychiatry 2002; 63 Suppl 8:24-34
  5. Spitzer RL et al. Arch Intern Med 2006; 166:1092-1097
  6. Bandelow B et al. World J Biol Psychiatry 2008; 9:248-312
  7. Wittchen HU et al. MMW-Fortschr. Med. Originalien Nr. III/2012; 154: 77-84
  8. Baldwin DS et al. The World Journal of Biological Psychiatry 2012; 13:510-516
  9. Rickels K et al. Int Clin Psychopharmacol 2012; 27:142-150
  10. Fachinformation LYRICA® , Stand November 2011
  11. Montgomery SA et al. J Clin Psychiatry 2006; 67(5):771-782
  12. Kasper S et al. Int Clin Pyschopharmacol 2009; 24(2):87-96

 

 Pfizer – Gemeinsam für eine gesündere Welt

 

Pfizer erforscht und entwickelt mit weltweit über 100.000 Mitarbeitern moderne Arzneimittel für alle Lebensphasen von Mensch und Tier. Mit einem der höchsten Forschungsetats der Branche setzt der Weltmarktführer mit Hauptsitz in New York neue Standards in Therapiegebieten wie Krebs, Entzün-dungskrankheiten, Schmerz oder bei Impfstoffen. Pfizer erzielte im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 67,8 Milliarden US-Dollar.

In Deutschland beschäftigt Pfizer derzeit rund 4.000 Mitarbeiter an vier Standorten: Berlin, Freiburg, lllertissen und Karlsruhe.

 


 

Quelle: Pfizer Pharma, 21.12.2012 (tB).

 
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