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Neueste Therapien für Kinder und Jugendliche mit Rheuma

Sind junge Patienten heute besser behandelbar?

 

Statement von Prof. Dr. med. Gerd Horneff, Kongresspräsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR),

 

Köln (23. September 2009) - In Deutschland leben zirka 15.000 Kinder und Jugendliche mit der Diagnose Gelenkrheuma – einer chronischen Gelenkerkrankung, die heute juvenile idiopathische Arthritis (JIA) genannt wird. Ziele der Behandlung dieser chronisch kranken Kinder und Jugendlichen sind neben der Linderung akuter Beschwerden:

 

  • das Erreichen einer anhaltenden Remission,
  • normales Wachstum und normale Entwicklung,
  • höchste Lebensqualität und
  • eine hochwirksame und möglichst nebenwirkungsfreie Therapie.

 

Durch die Erweiterung des therapeutischen Armentariums in der Rheumatologie, durch die Anwendung von evaluierten Kriterien für ein Ansprechen und die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Klinik sind diese Ziele in erreichbare Nähe gerückt. Insbesondere die Medikamentengruppe der Biologika hat mit der Erstzulassung des Tumornekrosefaktor-(TNF-)-α-Antagonisten Etanercept im Jahr 2000 die Situation für die erkrankten Kinder gewandelt. Heute stehen zwei TNF-Hemmer zur Verfügung: Etanercept ab einem Alter von vier Jahren und Adalimumab ab 13 Jahren.

 

Die TNF-Hemmung führt oft relativ rasch zur Besserung von subjektiven Beschwerden, Morgensteifigkeit, Gelenkschmerzen und Müdigkeit/Fatigue, zur Verhinderung von Knorpel- und Knochendestruktionen und zu Aufholwachstum bis hin zur vollständigen klinischen Kontrolle und Remission – auch bei zuvor therapierefraktären Patienten. Alternativ steht mit Abatacept zur Blockade der Aktivierung von Immunzellen eine Möglichkeit zur Behandlung der polyartikulären JIA zumindest in den USA zur Verfügung. Auch für Kinder mit einer systemischen Arthritis, bei denen Fieber, Hautausschläge, die Beteiligung innerer Organe, Wachstums- und Entwicklungsstörungen im Vordergrund stehen, bieten nach neuesten Studien andere Biologika gegen Interleukin-1 und Interleukin-6 eine erste Hoffnung auf eine Kontrolle der Erkrankung.

 

Heute kann nicht nur eine Non-Progression, also ein Stillstand der Erkrankung erreicht werden. Mit den aktuellen Therapieoptionen kann auch bei schwer erkrankten Kindern eine Remission erreicht werden. Die Verbesserung der Therapie hat erkennbar zur Minderung der Krankheitslast bei den Kindern beigetragen: Daten der Kinderkerndokumentation mit einer longitudinalen Dokumentation von über 6.000 rheumakranken Kindern jährlich zeigen, dass die Anzahl der stationär zu behandelnden Kinder sich in einem Zeitraum von sechs Jahren etwa halbierte und dass sich der durchschnittliche Gesundheitszustand (gemessen am Grad der Behinderung) verbesserte.

 

Auch in der weltweit größten Datensammlung zur Therapie mit den neuartigen Biologika hier aus Deutschland sind die Verbesserungen durch die Therapie dokumentiert. Zwei Jahre nach Therapiebeginn sind 50 Prozent der behandelten Kinder ohne erkennbare Krankheitsaktivität.

 

Zuvor kleinwüchsige Kinder zeigen häufig ein Aufholwachstum. Auf viele andere, weniger wirksame und weniger verträgliche Medikamente kann verzichtet werden. Der rechtzeitige Einsatz von wirksamen Medikamenten bei den richtigen Patienten erfordert aber einen kompetenten Arzt: den Kinder- und Jugendrheumatologen, der entscheiden kann, ob beispielsweise eine Gelenkinjektion ausreicht oder ob eine lange, aufwendige und auch teure Basistherapie erfolgen muss.

 

Prof. Dr. med. Gerd Horneff ist Kongresspräsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), Direktor des Zentrums für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie, Asklepios Kinderklinik St. Augustin

 


 

Quelle: Pressekonferenz im Rahmen des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) am 23.09.2009 in Köln.