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39. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

„Klinische Rheumatologie interdisziplinär: der Darm, das Herz und die Medikation“

 

München (1. September 2011) - Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. stellt die bedeutendste Plattform für den interdisziplinären rheumatologischen Wissenstransfer in Deutschland dar. Im Rahmen des Pfizer-Symposiums „Klinische Rheumatologie interdisziplinär: der Darm, das Herz und die Medikation“ wurden gastrointestinale und kardiovaskuläre Aspekte im Umfeld rheumatischer Erkrankungen und deren Therapie betrachtet. Zusätzlich wurden relevante Medikamenteninteraktionen an Fallbeispielen vorgestellt. Die Teilnehmer des Symposiums erhielten hochinteressante Einblicke in den klinischen Alltag der Referenten und sorgten im vollbesetzten Plenum für anregende Diskussionen.

 

 

Gastrointestinale Wechselwirkungen in der Rheumatologie

 

Frau Prof. Dörffel (Charité, Berlin) eröffnete das Symposium mit einem Blick auf die komplexen Beziehungen zwischen rheumatologischen Erkrankungen und deren Einfluss auf das Gastrointestinum. Rheumatologische Erkrankungen äußern sich nicht nur als Gelenk- oder Rückenschmerzen, sondern können eine Vielzahl an Problemen im Magen-Darm-Trakt verursachen. Nicht selten werden bei Rheumapatienten gastrointestinale Symptome in Form von Diarrhöen und krampfartigen Schmerzen im Abdomen festgestellt. Umgekehrt können systemische gastrointestinale Erkrankungen auch Auswirkungen auf die Gelenke haben. Als Beispiel können bei Morbus Crohn so genannte enteropathische Arthropathien auftreten, d.h. auch Gelenke und die Wirbelsäule sind vom Entzündungsprozess der Grunderkrankung betroffen. Daneben kann die Rheuma-Medikation selbst unerwünschte Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt verursachen. Hierzu zählen insbesondere klassische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), allen voran Ibuprofen und Diclofenac, betonte Dörffel. Dabei kommen akute Episoden von Diarrhöen eher selten vor. Vielmehr treten Läsionen auf, die langfristige Sickerblutungen verursachen und somit die Entstehung von Anämien begünstigen. „Das Wichtigste ist: Die Patienten haben Läsionen aber durch den Einsatz der NSAR keine Schmerzen“, so Dörffel.

 

 

Kardiovaskuläres Risiko Rheuma

 

Welche Folgen rheumatische Erkrankungen und antirheumatische Medikamente auf das kardiovaskuläre System haben, war Gegenstand des Referates von Prof. Tschöpe (Charité, Berlin). Er hob hervor, dass chronisch entzündliche Erkrankungen, wie die rheumatoide Arthritis, per se mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert sind. „Wir wissen, dass Patienten mit einer RA ein 3- bis 4-fach erhöhtes Herzinfarkt-Risiko haben, was ganz erheblich mit einer Verkürzung der Lebenserwartung ins Gewicht fällt“, so Tschöpe.

 

Früher wurde davon ausgegangen, dass die Arteriosklerose primär durch Verletzungen der Gefäße verursacht wird. Nach neueren Erkenntnissen gilt jedoch die Entzündung als der initiale Trigger für die Plaquebildung. Daher könnte die antirheumatische Medikation z.T. zur Verringerung der Plaquebildung beitragen.

 

Alle NSAR haben jedoch auch ein intrinsisches kardiovaskuläres Risiko. Oft wirkt es sich nur marginal auf die kardiovaskuläre Mortalität aus, dennoch sind die Risiken höher als unter Placebo und müssen beachtet werden. Zwischen den verschiedenen Wirkstoffen gibt es Unterschiede: bei den klassischen NSAR gelten Naproxen und unter den Cox-2-Hemmern Celecoxib als am risikoärmsten.

 

Tschöpe ging ebenfalls auf die Höhe der beeinflussbaren Risikofaktoren wie z.B. Rauchen und erhöhtes LDL-Cholesterin ein und forderte, diese langfristig zu minimieren. Für die grundsätzliche Behandlung des Patienten sei es laut Tschöpe entscheidend, „dass der Patient seine Medikamente zur kardiovaskulären Prophylaxe regelmäßig einnimmt und dass man die Patienten so behandelt als ob sie schon ihren Herzinfarkt hatten.“ Bei Diabetikern durchaus eine gängige Herangehensweise - für Rheumapatienten jedoch noch keine Selbstverständlichkeit.

 

 

Medikamenteninteraktionen in der Rheumatologie

 

Im gemeinsamen Schlussvortrag erörterten Prof. Buttgereit (Charité, Berlin) und Prof. Geisslinger (Universität Frankfurt/M.) wichtige Medikamenteninteraktionen bei Rheuma. Vor allem bei multimorbiden Patienten besteht die Herausforderung, trotz einer Vielzahl notwendiger Medikamente das Risiko unerwünschter Wechselwirkungen zu minimieren. Geisslinger verwies insbesondere auf die Interaktion von traditionellen NSAR und Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Durch den Einsatz von SSRI wird die Thrombozytenfunktion irreversibel gestört, was zu einer erhöhten Blutungsneigung bei vorhandenem Ulkus führt. Pharmakokinetische aber auch pharmakodynamische Interaktionen v.a. über die Cytochrom-P450-Isoenzyme wurden an weiteren Beispielen (mit ACE-Hemmer, Verapamil, Kombination mit anderen NSAR wie Diclofenac und Indometacin etc.) erläutert.

 

Pfizer – Gemeinsam für eine gesündere Welt Pfizer erforscht und entwickelt mit weltweit über 100.000 Mitarbeitern moderne Arzneimittel für alle Lebensphasen von Mensch und Tier. Mit einem der höchsten Forschungsetats der Branche setzt der Weltmarktführer mit Hauptsitz in New York neue Standards in Therapiegebieten wie Krebs, Entzündungskrankheiten, Schmerz oder bei Impfstoffen. Pfizer erzielte im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 67,8 Milliarden US-Dollar.

In Deutschland beschäftigt Pfizer derzeit rund 4.000 Mitarbeiter an fünf Standorten: Berlin, Düsseldorf, Freiburg, Illertissen und Karlsruhe. Pfizer hat in Deutschland 2010 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro erwirtschaftet.

 

 


Quelle: Pfizer Deutschland (MCG-Medical Consulting Group) (tB).