Home Rheumatologie Digitale Ulzerationen bei systemischer Sklerose (SSc): eine Erkrankung aus vier Blickwinkeln
16 | 12 | 2017
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Digitale Ulzerationen bei systemischer Sklerose (SSc): eine Erkrankung aus vier Blickwinkeln

 

Hannover (27. Juni 2014) – Als eine der sichtbaren Komplikationen der systemischen Sklerose (SSc) beeinträchtigen digitale Ulzerationen die betroffenen Patienten erheblich. „Durch die stark schmerzenden Geschwüre an den Fingern wird Alltägliches, wie Hausarbeit oder Körperpflege, zur Qual“, berichtete Dr. Konstanze Vogt, Ärztin und SSc-Patientin, bei einem Pressegespräch Actelions anlässlich des europäischen Tages der Sklerodermie. „Fortschreitende Wundinfektionen, Wundheilungsstörungen und Gangrän schränken die Funktion der Hand – gegebenenfalls bis hin zur Arbeitsunfähigkeit – ein“, erläuterte Prof. Dr. med. Stefan Beissert, Dermatologie Universitätsklinikum Dresden. Aufgrund der heterogenen Ausprägung der SSc ist die Diagnose nicht immer leicht. „Dabei ist auch aus rheumatologischer Sicht eine Früherkennung wichtig, um digitale Ulzerationen und Organkomplikationen rechtzeitig behandeln zu können, betonte Prof. Dr. med. Gabriela Riemekasten, Rheumatologie Charité Berlin. Unter anderem geben die sogenannten „Red Flags“ (Raynaud-Syndrom, puffy fingers und Antinukleäre Antikörper) sehr früh Hinweise auf eine SSc1,2,3,4,5. „Die Therapie muss sowohl auf die Abheilung bestehender als auch auf die Prävention neuer Geschwüre abzielen“, erklärte Riemekasten. Als einziges zugelassenes Medikament zur Rezidivprophylaxe digitaler Ulzerationen bei Patienten mit systemischer Sklerose2,3 hat sich der duale Endothelin-Rezeptor-Antagonist (ERA) Bosentan (Tracleer®) bewährt, der in den europäischen Leitlinien (EULAR) mit einer A-Empfehlung bewertet wird6,7,8. Zudem zeigen offene Langzeitdaten, dass sich am Ende einer drei Jahre dauernden Studie bei 80 % der mit dem ERA behandelten Patienten keine neuen digitalen Ulzera entwickelt hatten9,10.

 

Die chronische Autoimmunerkrankung SSc manifestiert sich durch ausgedehnte Bindegewebsverhärtungen in der Haut, in den inneren Organen, wie z.B. im Gastrointestinaltrakt, in den Nieren, im Herzen und in der Lunge. Hinzu kommt eine progressive Vaskulopathie. Die zu Grunde liegenden Pathomechanismen umfassen Gefäßschädigungen, Entzündungen und eine fortschreitende Fibrose, die zu mikrovaskulären Verschlüssen führen.

 

Bei Verdacht auf SSc soll die 2013 überarbeitete Klassifikation dabei helfen, Patienten nach einheitlichen Kriterien zu klassifizieren und in Studien einzuschließen. Zudem sollen die Klassifikationskriterien nach Validierung als diagnostisches Tool dienen11: Die Gewichtung der Klassifikationskriterien wurden im Vorfeld während des sogenannten DELPHI-Prozesses durch internationale SSc-Experten festgelegt.

 

Klassifikationskriterien sind z.B. Hautverdickungen an den Fingern, die nicht durch verletzungsbedingte Vernarbung entstanden sind, Sklerodaktylie sowie Läsionen an den Fingerspitzen, Teleangiektasie und abnorme Nagelpfalz-Kapillaren. „Mittels eines einfachen diagnostischen Werkzeugs, der Kapillar­mikroskopie, können wir die initiale SSc diagnostizieren und unsere Patienten entsprechend beraten“, erläuterte Beissert.

 

 

Ulzerationen vermeiden – Lebensqualität erhalten

 

Zur Basistherapie digitaler Ulzerationen gehören neben Medikamenten eine regelmäßige lokale Wundversorgung mit Verbandsaustausch und Schmerzmanagement. „Das Auftreten weiterer Ulzerationen zu vermeiden, ist entscheidend. Bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn, bereits bei wenigen aktiven Geschwüren, kann schweren Verläufen vorgebeugt werden. Den Patienten kann dadurch viel Leid erspart und somit Lebensqualität erhalten werden“, so Riemekasten. Wie die SSc die Betroffenen ohne moderne Behandlung „zeichnet“, spiegelt das Spätwerk des wohl berühmtesten SSc-Patienten, Paul Klee (†1940), zum Teil wider, wie Dr. Hans Suter, Dermatologe und Paul-Klee-Experte, Fahrni bei Thun, Schweiz, aus historischem Blickwinkel erläuterte. „Aus Patientensicht hat sich seit Klee viel getan. Dennoch ist die Alltagsbewältigung mit SSc bis heute eine Herausforderung, der sich jeder SSc-Patient täglich neu stellen muss. Dabei ist jede Therapie, die effektiv dazu beiträgt, digitale Ulzerationen und Komplikationen vorzubeugen, eine echte Hilfe“, fügte Vogt hinzu.

 

 

Endothelin-Rezeptor-Antagonismus contra Vaskulopathie – weniger Ulzerationen durch Bosentan

 

Die für die Entstehung der Ulzerationen bei SSc verantwortliche Vaskulopathie wird maßgeblich durch das Neuropeptid Endothelin, dem stärksten körpereigenen Vasokonstriktor, mitbestimmt. Ein erhöhter Endothelin-Spiegel in der broncho­alveolären Lavage, im Interstitium früher diffuser Hautläsionen sowie in den Gefäßen ist die Rationale für den therapeutischen Einsatz des dualen ERA Bosentan bei SSc-induzierter Vaskulopathie. Die Ergebnisse der Zulassungsstudien6,7 werden nun durch Langzeitdaten9 untermauert: 26 SSc-Patienten wurden 3 Jahre lang mit Bosentan behandelt. Im ersten Monat betrug die Dosierung 2 x täglich 62,5 mg. Danach wurde die Dosis gemäß vorgesehenen Titrationsschema auf 2 x täglich 125 mg erhöht. Das Auftreten digitaler Ulzerationen wurde zu Studienbeginn und danach alle 3 Monate erfasst. Bei Studienende (nach 3 Jahren) wiesen 80 % der behandelten Patienten keine neuen digitalen Ulzerationen auf. Eine offene, retrospektive Verlängerungsstudie10 bestätigt diese Ergebnisse: Bei 80 % der 30 SSc-Patienten, die aufgrund einer assoziierten pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH) durchschnittlich 3,6 Jahre mit dem auch für diese Indikation zugelassenen ERA behandelt wurden, waren bis Studienende keine neuen Ulzera aufgetreten. In der Kontrollgruppe (30 SSc-Patienten ohne PAH), die nicht mit Bosentan behandelt wurde, war der Anteil an Patienten ohne neue Geschwüre mit 46,7 % signifikant geringer (p=0,0015).

 

 

Literaturhinweise 

  1. Avouac J et al.; Ann Rheum Dis 2011; 70: 476-81
  2. Walker et al.; Ann Rheum Diss 2007; 66: 754-763
  3. Pavlov-Dolijanovic S et al.; Rheumatol Int 2011
  4. Johnson SR et al.; Arthritis Care Res 2012; 64(3):358-67
  5. Denton PD et al.; Ann Rheum Dis 2011; 70(1):32-8
  6. Korn JH et al. Arthritis Rheum 2004; 50: 3985 – 3993
  7. Matucci-Cerinic et al., Ann Rheum Dis 2011; 70(1): 32-8
  8. Tracleer® Fachinformation
  9. Tsifetaki N et al., J Rheumatol 2009; 36: 7
  10. Cozzi F. et al., Clin Rheumatol 2013; 32: 679–683
  11. van den Hoogen F et al., Ann Rheum Dis 2013; 72(11):1747-55

 

ACTELION LTD

 

Actelion Ltd. ist ein führendes biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung innovativer Medikamente für Krankheiten mit hohem medizinischem Bedarf konzentriert. Actelion ist wegweisend auf dem Gebiet der pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH). Unser PAH-Portfolio deckt das Krankheitsspektrum der WHO-Funktionsklassen II  bis IV ab und umfasst Medikamente zur oralen, inhalierbaren und intravenösen Therapie. Actelion verfügt zudem über behördlich zugelassene, jedoch nicht in allen Ländern erhältliche, Therapien für eine Reihe von Krankheiten, die durch Spezialisten behandelt werden. Hierzu zählen Typ-1-Gaucher-Krankheit, Niemann-Pick-Krankheit Typ C, digitale Ulzerationen bei Patienten mit systemischer Sklerose sowie Mycosis fungoides vom Typ kutanes T-Zell-Lymphom.

 

Das Unternehmen wurde Ende 1997 gegründet und beschäftigt inzwischen über 2.400 engagierte Fachkräfte. Actelion ist in allen wichtigen Märkten der Welt präsent, darunter Europa, die USA, Japan, China, Russland und Mexiko. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Allschwil / Basel, Schweiz.

 

Actelion Aktien werden an der SIX Swiss Exchange als Titel des Blue-Chip-Index SMI (Swiss Market Index SMI®) gehandelt (Symbol: ATLN). Alle Markennamen sind rechtlich geschützt.

 

 

Weitere Informationen

 

 

 

 


Quelle: Actelion, 27.06.2014 (tB).
 
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