Home Rheumatologie Rheumatoide Arthritis: Neue Studiendaten zeigen suboptimale Adhärenz in der Therapie mit Methotrexat
24 | 10 | 2017
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Rheumatoide Arthritis

Neue Studiendaten zeigen suboptimale Adhärenz in der Therapie mit Methotrexat

 

Frankfurt am Main (21. Juli 2015) - Mehr als 18 % der Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA), die erstmalig Methotrexat (MTX) als Basistherapeutikum verordnet bekommen haben, setzten das Medikament im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn ab, weitere rund 20 % der Patienten führten die MTXTherapie nicht wie verordnet fort. Das belegt eine aktuelle Analyse von Daten einer deutschen Krankenversicherung von mehreren Tausend RA-Patienten aus den Jahren 2010-2013, die erstmals beim diesjährigen Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) veröffentlicht wurde1. In Anbetracht der Tatsache, dass eine geringe Therapieadhärenz bei RA zu einer unzureichenden Krankheitskontrolle und somit einem schlechteren Behandlungserfolg führen kann, diskutierten Experten bei einem Pressegespräch von Roche und Chugai in Frankfurt über Non-Adhärenz bei RA und mögliche Lösungsoptionen wie eine Therapievereinfachung.


Wie Prof. Dr. Thomas Wilke, geschäftsführender Direktor des Instituts für Pharmakoökonomie und Arzneimittellogistik (IPAM) der Hochschule Wismar und Studienleiter dieser Krankenkassenanalyse, erläuterte, waren Studiendaten zur Adhärenz und Persistenz von MTX basierend auf einem großen „real-life“ RA-Patientenkollektiv in Deutschland bislang nicht verfügbar. Die vom IPAM durchgeführte Auswertung untersuchte sowohl die Zeit von Beginn bis zum Absetzen einer MTX-Therapie (Non-Persistenz) bei 1.211 RA-Patienten, die erstmals eine MTX-Behandlung (MTX-naiv, oral oder parenteral) verordnet bekamen, als auch das Ausmaß der MTX-Non-Adhärenz bei 7.146 RA-Patienten. Non-Persistenz war definiert als Therapielücke von mehr als 12 oder 24 Wochen, Non-Adhärenz als durchschnittliche Medikamentenverfügbarkeit (Medication Possession Ratio, MPR) von unter 80 %.1

 

 

Hohe Non-Adhärenz und Non-Persistenz im ersten Behandlungsjahr

 

„Fast ein Fünftel der RA-Patienten, die erstmals MTX verordnet bekamen, brachen die Therapie im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn ab, ein weiteres Fünftel führte diese nur unregelmäßig fort“, fasste Wilke die Kernergebnisse der Analyse zusammen. Demnach beträgt die Non-Persistenz (> 12 Wochen) 18,6 % und die Non-Adhärenz 19,3 % (MPR < 80 %) bei neu diagnostizierten RA-Patienten im ersten Jahr nach Verordnung des Medikaments.1 Je nach MTX-Applikationsform und Kombinationsregime stiegen die Non-Adhärenzraten teils noch an: Beispielsweise war bei knapp jedem vierten RA-Patienten (24,2 %), der MTX in Kombination mit Biologika erhielt, eine MTX-Non-Adhärenz festzustellen.1 Zwar untersuchte die Analyse nicht die Ursachen der Non-Adhärenz, doch könne dieser Befund laut den Erfahrungen von Prof. Dr. Klaus Krüger, Praxiszentrum St. Bonifatius, München, mit der Wahrnehmung von MTX seitens des Patienten zu tun haben: „Bei der Kombination von MTX mit einem Biologikum können Patienten den Eindruck gewinnen, dass das Biologikum das ‚starke‘ Medikament ist und dass MTX zwar weiterhin eingenommen werden soll, aber nicht wirklich wirksam ist.“ Bekannt ist zudem, dass komplexe Therapieregime und häufige Dosismodifikationen die Therapietreue negativ beeinflussen können.2

 

 

Therapielücken führen oftmals zum Therapieabbruch

 

Im zwölfmonatigen Beobachtungszeitraum nach einer MTX-Non-Persistenz machte man in der Analyse eine überraschende Entdeckung, wie Wilke erklärte: „Zwischen 22,5 % und 65 % der Patienten mit einer Therapielücke von mehr als 12 oder 24 Wochen erhielten im darauffolgenden Jahr keinerlei rheumatologische Basistherapeutika.“1 Angesichts der negativen klinischen Konsequenzen einer ungehinderten Krankheitsprogression stimme dieses Ergebnis bedenklich und sei nicht mit den Therapieleitlinien für die RA vereinbar, mahnte Krüger. Dass schlechte Persistenz und Adhärenz den Behandlungserfolg beeinträchtigen bzw. zu einer unzureichenden Krankheitskontrolle führen können, zeigten bereits frühere Daten: Bei Patienten mit mangelnder Adhärenz und Persistenz ist häufiger ein erheblicher Anstieg der Krankheitsaktivität3 (Flares) zu beobachten, und auch die radiologische Progression (Sharp van der Heide Score) ist höher als bei adhärenten Patienten4.

 

 

Therapieumstellung als Option bei MTX-Non-Adhärenz

 

Als Fazit für die Praxis empfiehlt Krüger, eine unzureichende Adhärenz bei der Behandlung von RA-Patienten stets einzukalkulieren: „Aufgrund der vielfältigen Ursachen ist es für uns als behandelnde Rheumatologen äußerst schwierig, Non-Adhärenz zu erkennen. Zudem sprechen viele Patienten aus unterschiedlichen Motiven das Thema Non-Adhärenz ihrem Arzt gegenüber nicht von sich aus an.“

 

Daher bedarf es nach Abklärung der individuellen Ursachen einer MTX-Non-Adhärenz bzw. -Non-Persistenz einer patientengerechten Therapielösung, die vom Patienten akzeptiert wird. So kann beispielsweise eine Umstellung auf ein einfacheres Therapieregime mit geringerer Dosierungshäufigkeit und Verzicht auf MTX eine Option bei MTX-Non-Adhärenz sein. Bei entsprechender Indikation kann auch ein Biologikum als Monotherapie verabreicht werden, wobei der Zulassungsstatus sowie die jeweiligen Monotherapie-Wirksamkeitsdaten des Biologikums zu beachten sind.

 

 

Abb. 1: Darstellung der prozentualen Non-Adhärenz bei Methotrexat (MTX) insgesamt sowie für neu eingestellte RA-Patienten und weitere Subgruppen (je nach Applikationsform und Medikamentenkombination). Graphik: Roche/Chugai 

 

Abb. 1: Darstellung der prozentualen Non-Adhärenz bei Methotrexat (MTX) insgesamt sowie für neu eingestellte RA-Patienten und weitere Subgruppen (je nach Applikationsform und Medikamentenkombination). Graphik: Roche/Chugai

 

 

 

Literaturverweise 

  1. Mueller S et al. Poster FRI0148 EULAR 2015
  2. van den Bemt BJ, Zwikker HE, van den Ende CH, Expert Rev Clin Immunol 2012; 8: 337-351
  3. Contreras-Yánez et al. AJMS 2010; 340: 282-290
  4. Weimann CA et al., Arthritis Rheum 2013; 65: 1421-1429

 

Über Roche

 

Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist eines der führenden Unternehmen im forschungsorientierten Gesundheitswesen. Es vereint die Stärken der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics und entwickelt als weltweit größtes Biotech-Unternehmen differenzierte Medikamente für die Onkologie, Immunologie, Infektionskrankheiten, Augenheilkunde und Neurowissenschaften. Roche ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von Produkten der In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind Ziel der Personalisierten Medizin, eines zentralen strategischen Ansatzes von Roche. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1896 hat Roche über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren wichtige Beiträge zur Gesundheit in der Welt geleistet. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen 28 von Roche entwickelte Medikamente, darunter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Chemotherapeutika. Die Roche-Gruppe beschäftigte 2014 weltweit über 88 500 Mitarbeitende, investierte 8,9 Milliarden Schweizer Franken in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von 47,5 Milliarden Schweizer Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan.

 

 

 

Roche Pharma AG, Deutschland

 

Die Roche Pharma AG in Grenzach-Wyhlen beschäftigt über 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von hier aus werden alle zulassungsrelevanten Studien für Deutschland koordiniert. Darüber hinaus werden auch Studien für bereits auf dem Markt befindliche Produkte durchgeführt. Von Grenzach-Wyhlen aus erfolgen zudem zentrale Elemente der technischen Qualitätssicherung für den gesamten europäischen Raum. Außerdem ist die Roche Pharma AG für das Marketing und den Vertrieb verschreibungspflichtiger Arzneimittel auf dem gesamten deutschen Markt zuständig.

 

  • Weitere Informationen zur Roche Pharma AG finden Sie unter www.roche.de

 

 

Über Chugai Pharma

 

Chugai wurde 1925 als Familienunternehmen in Japan gegründet und zählt heute zur Spitze der japanischen Pharmaindustrie. Als forschendes Unternehmen konzentriert sich Chugai Pharmaceutical aktiv auf die Entwicklung neuer Therapieprinzipien; bis zu 20 Prozent des Umsatzes werden in Forschung und Entwicklungen investiert. Die japanischen Wurzeln sind ein essentieller Bestandteil der Firmenkultur. 2013 beschäftigte Chugai fast 6.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Japan sowie in den europäischen Niederlassungen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und weiteren Standorten in den USA und Asien. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 423,7 Yen (ca. 3 Milliarden Euro). Ein wichtiger Schritt für Chugai Pharma war die globale strategische Allianz mit Roche im Jahr 2002 bei gleichzeitiger Wahrung der unternehmerischen Unabhängigkeit von Chugai Pharma in den Ländern, in denen bereits eigene Filialen bestanden. Die deutsche Niederlassung Chugai Pharma Marketing Ltd. in Frankfurt am Main engagiert sich seit 1998 intensiv auf dem deutschen Gesundheitsmarkt.

 

 

 

Eindeutige Kennzeichnung von biologischen Arzneimitteln in der medizinischen Kommunikation

 

Für die Patientensicherheit ist es wichtig, biologische Arzneimittel durch ihren Handelsnamen klar zu kennzeichnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass mögliche Nebenwirkungen eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet und zurückverfolgt werden können. Analog europäischer behördlicher Vorgaben für die Dokumentation des Handelsnamens in der Patientenakte nennt Roche in Publikationen, Texten und Presseinformationen deshalb neben dem internationalen Freinamen auch den Handelsnamen.

 

 


Quelle: Roche Pharma, 21.07.2015 (tB).

 
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