Opioid-induzierte Obstipation in der Schmerztherapie

Zielgerichtete Therapie mit Moventig (Naloxegol)

Frankfurt am Main (23. März 2017) – Schmerzen treten bei bis zu 70 % der Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen und bei etwa 65 % der Patienten mit nicht-malignen Erkrankungen auf.1 In der Therapie kommt Opioiden eine zentrale Rolle zu.2 Als häufigste Komplikation der Opioid-Therapie kann die Opioid-induzierte Obstipation (opioid induced constipation, OIC) auftreten. Erstmaßnahmen wie der Einsatz herkömmliche Laxanzien zur Linderung einer Obstipation sind bei der OIC aufgrund anderer pathogenetischer Mechanismen kaum wirksam und führen oftmals zu keiner ausreichenden Linderung der Beschwerden.3-5 Daher versucht jeder vierte mit Laxanzien versorgte Patient, die OIC durch Dosisreduktion, seltenere Einnahme oder Absetzen des Opioid die Obstipationssymptomatik zu mildern und nimmt damit eine schlechte Schmerztherapie in Kauf.6 Hier bietet Moventig® (Naloxegol), der erste oral verfügbare Vertreter der Stoffklasse der peripher wirkenden μ-Opioid-Rezeptor-Antagonisten (PAMORA), eine Möglichkeit, die OIC ursächlich zu behandeln.7

„Eine OIC kann jederzeit nach Einleitung einer Opioid-Therapie unabhängig vom Wirkstoff und bereits bei Verwendung in niedrigen Dosen auftreten“, erklärte Prof. Dr. Martin Storr, Starnberg im Rahmen eines Symposiums der Kyowa Kirin GmbH auf den diesjährigen Schmerz- und Palliativtagen der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS)*. Obwohl sich die OIC von der gewöhnlichen Obstipation in ihrer Pathogenese unterscheidet, fällt sie nach aktuellen Leitlinien und Empfehlungen unter die gleichen Therapieschemata.8 „Deshalb werden OIC-Patienten mit Laxanzien behandelt, die nicht auf die wesentlichen Mechanismen der OIC abzielen. Das sind die Hemmung des peristaltischen Reflexes und die der gastrointestinalen Sekretion“, so Prof. Storr. Die Folgen: Unter einer Laxanzien-Therapie leiden mehr als die Hälfte der Patienten unter den persistierenden Obstipationssymptomen der OIC, wie zum Beispiel hartem Stuhlgang und mühevoller, oft inkompletter Stuhlentleerung sowie begleitend auftretendem Völlegefühl, Bauchdruck und -schmerzen, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen.9-11


Geringe Patientenzufriedenheit mit der Laxanzientherapie

Die Lebensqualität von Patienten mit OIC ist erheblich verringert.12 Auch beeinträchtigt die OIC ihren Arbeitsalltag – mit entsprechenden Belastungen für das Gesundheitssystem als Folge.5,13 „Die OIC schränkt die Lebensqualität von Schmerzpatienten erheblich ein und ist eine immer noch oft unterschätzte Nebenwirkung in der Therapie mit Opioiden“, so Dr. Ulf Schutter, Marl. Etwa 70 % der Patienten mit OIC berichten über einen geringen oder keinen Nutzen von Laxanzien.6 Einige Patienten reduzieren nicht selten trotz schwerer Schmerzen die Opioid-Dosis oder verzichten ganz auf das Opioid.14 Denn die bestehenden Schmerzen können für sie erträglicher sein als die Nebenwirkungen der Opioidtherapie.15 „Zur Behandlung der OIC gibt es inzwischen aber eine zielgerichtete Therapie mit PAMORA“, berichtete Prof. Storr.


OIC kausal behandeln mit Naloxegol

Die Stoffklasse der PAMORA (peripher wirkender μ-Opioid-Rezeptor-Antagonist) wirkt auf die μ-Opioid-Rezeptoren im Gastrointestinaltrakt und zielt damit direkt auf die Ursache der OIC – opioid-vermittelte, periphere μ-Opioid-Rezeptor-Aktivierung und Hemmung der Darmmotorik und -sekretion – ab.11,14 Moventig® (Naloxegol), ein pegyliertes Derivat des μ- Opioid-Rezeptor-Antagonisten Naloxon, ist zugelassen zur Behandlung der OIC bei erwachsenen Patienten, die unzureichend auf Laxanzien angesprochen haben.7 Der PAMORA überwindet jedoch aufgrund der Pegylierung die Blut-Hirn-Schranke nicht in klinischem Maße und die gewünschte analgetische Wirkung der Opioid-Therapie bleibt erhalten. „Insbesondere Patienten, die trotz Einnahme mindestens eines Laxans über andauernde OIC-Symptome berichteten, profitierten von der Behandlung“, berichtete Professor Storr zu den zulassungsrelevanten randomisierten placebokontrollierten Phase-III-Studien KODIAC 4 und KODIAC 5 bei Patienten mit OIC und nicht krebsbedingten Schmerzen.7,16,17 Unter Naloxegol in der empfohlenen Dosierung von 25 mg einmal täglich verkürzte sich die mediane Zeit bis zum ersten Stuhlgang von 41,1 Stunden unter Placebo auf 7,6 Stunden.16,17 Dabei hatten 67 % der Patienten innerhalb eines Tages einen spontanen Stuhlgang, unter Placebo nur 36 %.16,17


Schwierig zu behandelnde Schmerzen: Lösungen bei Tumordurchbruchschmerzen

„Eine erfolgreiche Schmerztherapie erfordert den Einsatz aller zur Verfügung stehenden Maßnahmen“, erläuterte Dr. Schutter. Dabei sollte die medikamentöse Therapie auch Tumordurchbruchschmerzen (TDBS) berücksichtigen, wie Prof. Dr. Justus Benrath, Mannheim, erklärte: „Diese vorübergehende Schmerzspitzen, die zusätzlich auftreten, sind eine Indikation für schnell freisetzende Fentanyle.“ Ein Beispiel für eine leitliniengerechte Therapieoption bei TBDS ist schnell anflutendes Fentanyl.18 Moderne Applikationsformen zur oral transmukosalen und nasalen Gabe erhöhen die Bioverfügbarkeit des Opioids, so Benrath. Sie stellten erhebliche Verbesserungen dar, die sich auch positiv auf die Lebensqualität Betroffener auswirken. Ein Beispiel ist die Fentanyl-Sublingualtablette Abstral®: Über die intelligente Freisetzungstechnologie wird ein unmittelbares und rückstandsloses Auflösen ermöglicht; auch wird kein Wirkstoff verschluckt.19 Im Vergleich zu Placebo tritt eine signifikante Schmerzlinderung innerhalb von zehn Minuten nach Einnahme ein.20 Liegen bei Schmerzpatienten Schluckbeschwerden vor, kann eine orale Therapie erschwert sein. Abhilfe bieten hier nasale Applikationsformen, wie zum Beispiel das Fentanyl-Nasenspray PecFent®: Die patentierte Spray-zu-Gel-Technologie (PecSys™) sorgt für gute Haftung des Fentanyls an der Mukosa und verhindert ein Verschlucken oder Herauslaufen. Die Wirkung tritt bereits nach fünf Minuten oder weniger ein und dauert maximal ein bis zwei Stunden an.21,22



Anmerkung

  • * Quelle: Symposium der Kyowa Kirin GmbH auf den Schmerz- und Palliativtagen 2017 der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS): „Gestalten statt Verwalten – Moderne Therapieoptionen bei Schmerzpatienten“, 23. März 2017, Frankfurt am Main.


Literatur

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  2. Häuser W et al. Dt Ärzteblatt 2014;111:732-40
  3. Andresen V, Wedel T. Arzneiverordnung in der Praxis, Band 43, Heft 1, Januar 2016
  4. Kumar L et al. Gastroenterol Res Pract 2014;2014:141737
  5. Coyne KS et al. CEOR 2014;6:269-81
  6. Palmer CS et al. Utility assessments of opioid treatment for patients with chronic non-cancer pain. Abstract 790. Poster präsentiert auf dem 20th Annual Scientific Meeting of the American Pain Society, Phoenix/Arizona, USA, 19.-22. April 2001
  7. Fachinformation Moventig®, Stand September 2016
  8. Petersen K-U. Verdauungskrankheiten 2016;34:244-57
  9. Coyne KS et al. Front Oncol 2016;6:131
  10. Pappagallo M. Am J Surg 2001;182(5A Suppl):11S-18S
  11. Andresen V, Wedel T. Arzneiverordnung in der Praxis, Band 43, Heft 1, Januar 2016
  12. Siemens W et al. Expert Opin Phramacother 2014;16:515-32
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  19. Bredenberg S et al. Eur J Pharm Sci 2003;20:327-34
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Über Moventig®

Moventig® (Naloxegol) ist ein peripher agierender μ-Opioid-Rezeptor-Antagonist (PAMORA) zur Behandlung der opioidinduzierten Obstipation (opioid-induced constipation, OIC) bei erwachsenen Patienten unter Opioid-Therapie nach unangemessener Antwort auf ein oder mehrere Laxanzien. Moventig® ist der erste in Europa zugelassene PAMORA zur einmal täglichen oralen Gabe. In Phase-III-Studien wurde Moventig® einmal täglich in Tablettenform verabreicht, um die Bindung von Opioiden an die Opioid-Rezeptoren in Geweben wie dem Magen-Darm-Trakt zu unterbinden.


Über die Kyowa Kirin GmbH

Als global agierender Arzneimittelspezialist steht Kyowa Kirin für eine volle Forschungs- und Entwicklungspipeline sowie patentgeschützte Technologien zur Produktion hochwirksamer Antikörper. Besonderer Fokus liegt neben den Gebieten Nephrologie, Immunologie/Allergie vor allem auf den Bereichen Schmerz, Onkologie/Hämatologie und ZNS.

Kyowa Kirin ist in Europa seit dem Jahr 2011 präsent, zunächst als ProStrakan, der schottische Entwicklungs- und Vermarktungsspezialist für verschreibungspflichtige Arzneimittel, der sich auf „unmet medical needs“ vor allem in den Bereichen der onkologischen Supportiv- und Schmerztherapie sowie Erkrankungen des Zentralnervensystems konzentriert hat.

Seit Frühjahr 2016 werden diese Aktivitäten unter dem Namen der Muttergesellschaft Kyowa Kirin fortgeführt. Mit patienten- und versorgungsorientierten Produkten will das Unternehmen den Menschen das Leben erleichtern. Der Pharmahersteller beschäftigte im Jahr 2015 320 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von ca. 170 Mio. € in Europa. In Deutschland ist Kyowa Kirin mit rund 65 Mitarbeitern in Düsseldorf vertreten.


Quelle: Kyowa Kirin, 23.03.2017 (tB)