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"Sexualität und Migration"

Welchen Informationsbedarf haben jugendliche Migranten?

 

Neue Repräsentativerhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Rahmen der Sinus-Milieustudie

 

Köln (24. März 2010) - Jugendliche mit Migrationsgeschichte haben ein hohes Interesse an Informationen zu Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Das zeigt die neue Repräsentativbefragung "Sexualität und Migration", die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zusammen mit dem Forschungsinstitut Sinus Sociovision durchgeführt hat. Über die Hälfte der 14- bis 17-jährigen Befragten möchte nach eigenem Bekunden mehr über Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten wissen; 47 Prozent äußern Bedarf an Informationen über die verschiedenen Methoden der Empfängnisverhütung. Informationen in deutscher Sprache werden eindeutig bevorzugt: 62 Prozent der Jugendlichen wollen Sexualaufklärung "lieber auf Deutsch". Nur acht Prozent der Jugendlichen würden gerne in der Sprache ihres Herkunftslandes bzw. des Herkunftslandes ihrer Familie angesprochen werden.

 

Ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Um zu erfahren, welches Interesse diese Zielgruppe an Informationen zu Themen wie Liebe, Partnerschaft und Sexualität hat, welche Zugangswege und welche Informationsquellen sie nutzen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Studie "Sexualität und Migration" in Auftrag gegeben.

 

Grundsätzlich zeigt die von Sinus Sociovision durchgeführte Untersuchung, dass jugendliche Migrantinnen und Migranten keine homogene Gruppe sind. Unterschiede ergeben sich jedoch nicht aufgrund der Herkunftsländer ihrer Familien. Entscheidend für die Einstellungen zu Liebe, Sexualität und Partnerschaft, ihr Informationsinteresse und ihre Sprachpräferenz ist ihre Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Lebensstil- und Wertorientierungsgruppen, die in der Studie auch als Milieus bezeichnet werden.

 

Etwa 70 Prozent der jungen Migrantinnen und Migranten besitzen moderne Lebensstile und Wertorientierungen. Sie leben wie Gleichaltrige mit deutschem Familienhintergrund und können mit den gleichen Informationsangeboten wie deutschsprachigen Broschüren, Anzeigen und Berichten in Jugendzeitschriften und dem BZgA-Jugendportal http://www.loveline.de erreicht werden.

 

Das stärkste Interesse an Informationen äußern Jugendliche des intellektuell-kosmopolitischen Milieus (5 Prozent aller Jugendlichen mit Migrationshintergrund). Deutlich weniger interessiert an Fragen rund um das Thema Sexualität sind Jugendliche, die aufgrund ihres Lebensstils und ihrer Wertorientierungen dem religiös verwurzelten Migrationsmilieu zugeordnet werden können (3 Prozent).

 

Eine Präferenz für Informationen in der Herkunftssprache haben vor allem Jungendliche mit einfacher Schulbildung, die eher traditionsgeprägten Lebensstilgruppen angehören. Dies mag vor allem darin begründet sein, dass sich mehr als die Hälfte von ihnen mit Freunden und Bekannten in ihrer Herkunftssprache unterhält. Um sie zu erreichen sind Wege der Ansprache erforderlich, die sich im Kontext des Schulunterrichtes integrieren lassen. Hierzu zählen etwa personalkommunikative Angebote wie das Projekt "komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft", das von der BZgA zusammen mit den Agenturen für Arbeit gefördert wird. Das Projekt unterstützt bereits frühzeitig Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf bei dem Entdecken ihrer Stärken und Interessen. Neben Fragen zur Berufsorientierung und Lebensplanung werden dabei auch Themen wie Freundschaft, Partnerschaft und Sexualität behandelt. (http://www.komm-auf-tour.de).

 

Die Studie "Sexualität und Migration: Milieuspezifische Zugangswege für die Sexualaufklärung Jugendlicher" steht zum Download unter http://www.sexualaufklaerung.de zur Verfügung.

 

Sie kann kostenlos unter folgender Adresse bestellt werden:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung,

51101 Köln, Fax: 0221-8992257,

E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , www.bzga.de  

http://www.bzga.de/infomaterialien/dokumentationen

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vom 24.03.2010 (tB).