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„Die intelligente Hormontherapie"

 

Von Prof. Dr. Jürgen Gschwend, Klinikum Rechts der Isar, München

 

Stuttgart (25. September 2008) - Vor dem Hintergrund einer Therapieindividualisierung durch Risikostratifizierung geht es beim Prostatakarzinom vor allem darum, den richtigen Patienten zum besten Zeitpunkt für die Hormontherapie zu identifizieren. Dies erfordert Anpassung der Behandlungsform und -dauer. Anhand prognostischer Marker wie Alter, PSA-Werte, Gleason-Score und TumorStadium können Patienten mit hohem Progressionsrisiko identifiziert werden.

 

Das Ziel einer patientenorientierten, hormonablativen Therapie sollte sein, ihren Einsatz basierend auf einer Risikoabschätzung sowie der Minimierung und Kontrolle der Nebenwirkungen abzuwägen. Laut den aktuellen EAU-Guidelines soll eine hormonablative Therapie nur eingesetzt werden, wenn der Nutzen für den Patienten bewiesen ist: bei metastasierenden Tumoren, bei lokal fortgeschrittenen Tumoren und bei ausgewählten Patienten mit einem organbegrenzten Tumor.

 

Die Androgen-Deprivations-Therapie (ADT) wird routinemäßig bei metastasierenden ProstataTumoren ebenso wie bei der neoadjuvanten/adjuvanten Behandlung von HochrisikoPatienten in Verbindung mit Radiotherapie angewendet. Bei Patienten mit einem Tumorbefall der Beckenlymphknoten ist die adjuvante ADT eine Therapieform, die sich gegenüber einer reinen watchful‑waiting‑Strategie als vorteilhaft erwiesen hat.

 

Leider steigt bei einigen Patienten, die aufgrund eines organbegrenzten Tumors behandelt wurden, der PSA‑Wert erneut an. Hier ist die PSA-Verdopplungszeit ein wichtiger prognostischer Faktor für das krankheitsspezifische Überleben. Verdoppelt sich der PSA-Wert in weniger als 9 Monaten, sollte eine frühe Hormontherapie in Erwägung gezogen werden, mit dem Ziel, Metastasenbildung zu verzögern. Weitere Entscheidungskriterien hierzu sind das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand.

 

Da die hormonablative Therapie im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes stets auch in Bezug zum Nebenwirkungsprofil (kardiovaskuläre Störungen oder metabolisches Syndrom) zu sehen sind, sollten neuere Strategien wie eine intermittierende Hormontherapie in Erwägung gezogen werden, die bei gleichem Gesamtüberleben und vergleichbarem progressionsfreiem Überleben die aktiven Therapiezeiten eingrenzen.

 

Zusammenfassend ist die individuelle Betrachtung der Situation des Patienten als Entschei­dungskriterium für oder gegen eine Hormontherapie führend. In diesem Kontext sind insbe­sondere die intermittierende und die progressionsgetriggerte Hormontherapie zu sehen.

 

 

Autor

Prof. Dr. med. Jürgen Gschwend

Klinikum Rechts der Isar

Urologische Klinik und Poliklinik

Ismaninger Straße 22

81675München

 


 

Quelle: Symposium der Firma Ferring zum Thema „Hormontherapie und Prostatakarzinom: What’s known, what’s new, what’s next?“ im Rahmen des 60. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie am 25. September 2008 in Stuttgart (AdLexis) (tB).