Home Urologie 17. Bamberger Gespräche 2013: Prof. Dr. med. Dirk Schultheiss, Gießen: Blasenfunktion und Harninkontinenz im Spiegel der Zeit
17 | 12 | 2017
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17. Bamberger Gespräche 2013

Blasenfunktion und Harninkontinenz im Spiegel der Zeit

 

Prof. Dr. med. Dirk Schultheiss, Gießen

 

Bamberg (7. September 2013) - Die Gelehrten des Altertums beschrieben zwar vielfach die Symptome von Blasenentleerungsstörungen und warnten beispielsweise vor Inkontinenz nach einem perinealen Steinschnitt; es fehlte jedoch jegliche moderne anatomisch-physiologische Erklärung. Dies änderte sich erstmals eindrucksvoll in der Renaissance durch die anatomischen Untersuchungen von Leonardo da Vinci (1452-1519), die er meisterlich in Wort und Bild auf seinen Skizzenblättern niedergelegt hat, jedoch nie wie geplant als anatomischen Atlas veröffentlichte. Seine urodynamischen Erklärungsversuche der Blasenfüllung sowie des Blasenverschlusses bzw. ihrer Entleerung sind noch aus heutiger Sicht beeindruckend, blieben aber zu seiner Zeit zunächst für Jahrhunderte verschlossen.

 

Der berühmte französische Feldchirurg Ambroise Paré (1510-1590) beschrieb als einer der ersten eine subvesikale Obstruktion, wie sie beispielsweise durch eine Prostatahyperplasie verursacht wird, und entwarf Sonden zum Abtragen von Wucherungen der Harnröhre sowie ein artifizielles hölzernes Hilfsmittel zur besseren Miktion bei Penisamputierten (welches noch heute gerne fälschlich als frühe „Penisprothese“ zitiert wird).

 

Lorenz Heister (1683-1758) widmete immerhin 2 Buchkapitel der Harninkontinenz und bei ihm finden sich als mechanische Behandlung sowohl eine Penisklemme als auch ein gürtelförmiges Band zur perinealen Kompression der männlichen Urethra.

 

Im 19. Jahrhundert wurde die funktionelle und topographische Anatomie nicht zuletzt durch neue histologische Methoden vorangetrieben; so z.B. durch die genaue Beschreibung eines inneren glattmuskulären und äußeren quergestreiften Sphinkters der Blase bzw. Urethra durch Otto Kohlrausch (1811-1854) im Jahre 1854.

 

Während die erste Blasendruckmessung am lebenden Menschen schon 1872 durchgeführt wurde, hat Eugen Rehfisch (1862-?) in Berlin die Geburtsstunde der modernen Urodynamik 1897 mit der ersten synchronen Druck-Fluß-Messung eingeläutet. Nach ihm ist heute der jährliche Preis des Forum Urodynamicum benannt.

 

Bei der medikamentöse Therapie von Blasenentleerungsstörungen wurden schon immer antidiuretische und anticholinerge Effekte verschiedener Substanzen ausgenutzt. So beschrieb Christian Samuel Hahnemann (1755-1843) schon 1828 den Einsatz von Atropin bei krampfartigen Zuständen im Urogenitalbereich und unterschied später in seinen Publikationen zwischen verschiedenen Formen der Inkontinenz.

 

Die Historie der chirurgischen Therapie der Harninkontinenz gliedert sich im wesentlichen in die effektive Behebung von Blasen-Scheiden-Fisteln (ab 1845 durch Dieffenbach und Sims) sowie verschiedene Methoden zur Verstärkung des Blasenhalses bzw. Schließmuskels (Einzelfallberichte ab 1882).

 

Der erste alloplastische Harnröhrensphinkter wurde 1947 von Frederick E.B. Foley (1891-1966) vorgestellt. Der noch heute in weiterentwickelter Form etablierte „Scott-Sphinkter“ wurde erstmals 1972 von F. Brantley Scott (1930-1991) und Kollegen in Houston implantiert.

 


Quelle: 17. Bamberger Gespräche 2013, 07.09.2013 (tB).

 
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