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Durch den Mund an den Blinddarm - NOTES erfordert Kooperation von Disziplinen

 

Neuartiger Operationsmethode NOTES fehlen Langzeitergebnisse und Standards -Infektionsrisiko und Ethik weiter in der Diskussion

 

Berlin (2. Oktober 2008) - Die Operationsmethode NOTES (Natural Orifice Translumenal Endoscopic Surgery), bei der nicht mehr mit einem Schnitt in die Bauchdecke, sondern durch natürliche Körperöffnungen und einen Schnitt in innere Organe Instrumente in den Bauchraum eingeführt werden, erfordert die Kooperation zweier Spezialisten: Gastroenterologe bzw. Gynäkologe und Chirurg. Die Technik ist in Deutschland noch experimentell und in klinischer Erprobung, dementsprechend fehlen u.a. Langzeitergebnisse über die Erfolge der Methode. "NOTES birgt noch immer ein hohes Infektionsrisiko," sagt Prof. Dr. Helmut Messmann, Direktor Medizinische Klinik III, Klinikum Augsburg und Vorstand der Sektion Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) anlässlich der Tagung "Viszeralmedizin 2008" in Berlin.

 

 

Ebenso sei die ethische Diskussion bei dieser Methode längst nicht abgeschlossen. Mit NOTES müsse man ein gesundes inneres Organ verletzen, um an ein erkranktes heranzukommen. Hintergrund hierfür sei unter anderem das narbenfreie Operieren mit NOTES. Bei normalen oder endoskopischen Operationen hingegen sind Schnitte in die Bauchdecke und anschließende Narbenbildung unerlässlich. Auch gibt es noch keine Langzeitergebnisse dieser Methode und die Möglichkeit, dass es nach der Operation zu Verwachsungen an den inneren Organen komme, ist auch nicht ausgeschlossen. Der Vorteil der Methode liegt unter anderem darin, dass NOTES schonender ist als andere Verfahren. Dadurch könnten Liegezeiten im Krankenhaus verkürzt und Patienten schneller wieder gesund werden. Auch bei fettleibigen Patienten bietet die Methode Vorteile, der Arzt muss nicht mehr durch dicke Fettschichten schneiden, um eine Operation in der Bauchhöhle durchzuführen.

 

Mit NOTES wird über natürliche Körperöffnungen wie Mund, After, Harnröhre oder Vagina durch Eröffnung eines Organs (Magen, Darm, Blase oder Vagina) ein Zugang in den Bauchraum für eine Operation geschaffen. Es ist ein operativ-endoskopisches Verfahren, bei dem Gastroenterologen ein flexibles Endoskop in ein Organ, z.B. in den Magen, einbringen, dort einen Schnitt in die Magenwand machen und dann in Kooperation mit dem Chirurgen z.B. eine Gallenblase entfernen. Derzeit werden verschiedenste Geräte entwickelt, die eine schonende Eröffnung und Verschluss der Magenwand ermöglichen, aber auch Geräte, die das Freipräparieren von z.B. einer Gallenblase ermöglichen, sind in der Entwicklung. Klinische Erfahrung gibt es auch zur Blinddarmoperation oder Unterbindung von Eileitern i.R. einer Sterilisation bei Frauen. In Deutschland wurden die ersten Frauen über die Vagina bereits erfolgreich an der Gallenblase operiert. Weitere Indikationen wie Bauchhöhlenspiegelungen, Operationen und Punktionen der an der Leber oder Bauchspeicheldrüse wurden in Tierversuchen erprobt.

 

"Die Herausforderung ist häufig nach der Operation der Verschluss der verletzten Magenwand oder jedes anderen Organs, in das ein Schnitt gemacht wurde," sagt Prof. Helmut Messmann. Bisher würden Metallclips verwendet, die über das Endoskop angelegt werden und wie eine Art Reißverschluss die geöffnete Stelle verschließen. Auch hierbei gebe es weiterhin ein Infektionsrisiko und ebenso keine Langzeitergebnisse, ob die Heilung tatsächlich ohne Komplikationen abläuft. Ob es eventuell zu Verwachsungen kommt, die später zu weiteren Komplikationen führen können, werde erst die Zukunft zeigen.

 

Die Instrumente für die NOTES-Technik sind weiterhin in der ständigen Entwicklung. Davon können wahrscheinlich auch die Gastroenterologie und die endoskopischen Verfahren profitieren, denn um auf längere Sicht NOTES einzusetzen, müssten die technischen Standards noch sicherer werden.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vom 02.10.2008, anlässlich der Tagung "Viszeralmedizin 2008" in Berlin.