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19 | 04 | 2018
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XXL - die neue Kleidergröße in Deutschland?

Konsequenzen für die Viszeralmedizin

 

Adipositas wird zur Epidemie - Eine Milliarde Menschen übergewichtig

 

Berlin (2. Oktober 2008) - Die Ressourcen der Welt sind ungerecht verteilt. Eine Milliarde Menschen hungert, eine Milliarde Menschen ist übergewichtig. In Mitteleuropa leiden mehr als 50 Prozent der Bevölkerung unter Übergewicht, etwa zehn Millionen Menschen sind adipös. Die Zahl der übergewichtigen Kinder nimmt stetig zu. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet das Übergewicht als Adipositasepidemie. Von morbider oder krankhafter Adipositas spricht man, wenn Folgen des Übergewichtes eintreten. Mit der morbiden Adipositas steigt das Sterblichkeitsrisiko. In den USA ist Übergewicht nach dem Rauchen die zweithäufigste vermeidbare Todesursache.

 

Eine Vielzahl von Erkrankungen des Stoffwechsels und der Gelenke, aber auch einige Malignome (bösartige Geschwulste) sind mit dem Übergewicht vergesellschaftet. Damit die neue Kleidergröße in Deutschland nicht automatisch XXL wird und auch die Erkrankungen durch Übergewicht immer mehr zunehmen, ist es wichtig, Adipositas interdisziplinär zu behandeln. Dazu gehört immer häufiger eine operative Therapie. Wird diese angewandt, müssen Risiken verantwortungsvoll abgewogen werden. Die chirurgische Therapie der morbiden Adipositas verfolgt vier Prinzipien:

 

  1. Die Einschränkung der Nahrungsaufnahme durch Verkleinerung des Magens.
  2. Verminderung der Nahrungsaufnahme durch Ausschaltung eines Teiles des Dünndarmes aus der Nahrungspassage und eine spätere Vermischung von Nahrungsbrei und Verdauungssäften.
  3. Die Kombination der Magenverkleinerung und der Dünndarmausschaltung und
  4. die Ausnutzung hormoneller Effekte, bei denen Hormone, die die Nahrungsaufnahme beim Menschen steuern, ausgeschaltet werden (Ghrelin, GLP-1, GLP-6 und andere) durch Magenverkleinerung beziehungsweise Ausschalten der gastroduodenalen Passage.

 

In Deutschland wurde jetzt an der Charité - Universitätsmedizin Berlin erstmalig eine Professur für Adipositaschirurgie eingerichtet. "Eine solche Entwicklung ist notwendig," sagt Prof. Dr. Joachim M. Müller, Direktor der Klinik für Allgemein-, Visceral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie der Charité. Krankhaftes Übergewicht sei eine tödliche Erkrankung, die Spezialisten in der Behandlung benötige. Deshalb sei auch eine Kooperation der Disziplinen in der Patientenversorgung so wichtig. Chirurgie, Innere Medizin (Gastroenterologen, Endokrinologen), Rehabilitationsmedizin und Psychosomatik müssten gemeinsam die Patientenversorgung angehen.

 

Eine kanadische Studie (Christo 2006) mit 6.700 Teilnehmern hat gezeigt, dass die Adipositaschirurgie die Sterblichkeitsrate bei stark übergewichtigen Menschen immens senken kann. So waren fünf Jahre nach der Studie 0,67 Prozent der operierten Patienten, aber mehr als sechs Prozent der Nichtoperierten verstorben. Dies sei auch dadurch zu erklären, dass sich in den USA Mediziner auf die Adipositaschirurgie spezialisieren und dadurch weniger Todesfälle nach den Operationen zu verzeichnen sind.

 

In Deutschland, so schätzen Experten, müssten jährlich etwa 18.000 Operationen bei starkem Übergewicht durchgeführt werden, z.B. eine Magenverkleinerung oder das Einsetzen eines Magenbandes. "Es wären zunächst 500 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich, die die Krankenkassen aufbringen müssten, wenn man alle Patienten, bei denen es eine Indikation zur Operation gibt, operieren würde. Erst nach drei Jahren wäre der Break even erreicht, da dann die Folgekosten der Operation geringer sind, als wenn man die Patienten wie bisher behandeln würde", sagt Prof. Müller.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vom 02.10.2008, anlässlich der Tagung "Viszeralmedizin 2008" in Berlin.

 

 
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