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17. Bamberger Gespräche 2013

Der Trospiumchlorid-Test

 

Dr. med. Dr. phil. Thomas Bschleipfer, Gießen

 

Bamberg (7. September 2013) – Anticholinergika stellten die pharmakologische Therapie der ersten Wahl bei Patienten mit Detrusorhyperaktivität (DHA) dar. Trospiumchlorid ist das einzige Medikament dieser Stoffgruppe, welches für eine intravenöse Applikation zur Verfügung steht. Ziel unserer Studien war es, zunächst den unmittelbaren cystomanometrischen Effekt von Trospiumchlorid i.v. (TCi.v.) bei Patienten mit DHA aufzuzeigen. In einer zweiten Untersuchung sollte analysiert werden, in wieweit dieser Effekt einen prädiktiven Wert für den Erfolg der weiteren oralen anticholinergen Therapie hat.

 

 

Material und Methode

 

Studie 1: 112 Patienten mit cystomanometrisch nachgewiesener DHA erhielten 2mg TCi.v. 20 Minuten später folgte eine zweite Cystomanometrie (CMM) (Trospiumchlorid-Test; TCT).

Studie 2: Weitere 66 Patienten wurden nach diesem Test für sechs Wochen oral anticholinerg therapiert und unter laufender Therapie einer dritten CMM zugeführt.

 

 

Ergebnisse

 

Studie 1: Unter TCi.v. zeigten 34,8% der Patienten keine DHA mehr. Patienten mit persistierender DHA zeigten eine signifikante Reduktion des maximalen Detrusordruckes (54 vs. 24 cmH2O; p< 0,001). Das Auftreten sowohl der ersten DHA als auch der ersten Dranginkontinenz (UUI) konnte signifikant verzögert werden (Blasenfüllungsvolumen 79 vs. 145 ml, p< 0,001; 57 vs. 185 ml, p< 0,001). Der Urinverlust pro 100 ml Blasenfüllung konnte von 49 ml auf 17 ml gesenkt werden (p=0,002). 52% der Patienten zeigten unter TCi.v. einen Harnverhalt.

 

Studie 2: TCi.v. konnte im Vergleich zur oralen Medikation effektiver das Auftreten von DHAs reduzieren (p=0,010), den maximalen intravesikalen Druck senken (p<0,001), das maximale Blasenfüllungsvolumen steigern (p<0,001) und das Auftreten einer UUI effektiver verzögern (p=0,045). Harnverhaltungen traten signifikant häufiger unter TCi.v. auf als unter oraler Medikation (p=0,016). Patienten ohne Harnverhalt zeigten unter TCi.v. deutlich erhöhte Restharnmengen (p<0,001). Der positive prädiktive Wert (ppW) für die Persistenz einer DHA unter oraler anticholinerger Therapie errechnete sich mit 93,3%, der für die Persistenz einer UUI betrug 72,0%. War unter TCi.v. eine Miktion möglich, so war dies zu 95% auch unter oraler Therapie gegeben.

 

 

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Schlussfolgerungen

 

TCi.v. zeigt eine höhere Effektivität in der Beeinflussung von Detrusorhyperaktivitäten als orale Anticholinergika. Klinische Bedeutung dürfte TCi.v. bei Patienten mit DHA während transurethraler urologischer Interventionen oder postoperativ bei Katheterträgern mit Blasentenesmen haben. Durch die Steigerung der maximalen Blasenfüllung bei Patienten mit DHA kann TCi.v. auch vor geplanter Anlage eines suprapubischen Katheters hilfreich zur Anwendung kommen. Der Trospiumchlorid-Test lässt ferner die Effektivität und Grenzen einer oralen anticholinergen Therapie abschätzen.

 


Quelle: 17. Bamberger Gespräche 2013, 07.09.2013 (tB).

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