17. Bamberger Gespräche 2013

BPH – Was ist an Diagnostik notwendig?
Leitlinien contra Leistungserstattung

 

Dr. med. Jochen Gleißner, Wuppertal

 

Bamberg (7. September 2013) – Mit der Begriffsdefinition BPH beginnt schon das Dilemma. Über welches Krankheitsbild sprechen wir und welche Leitlinien sind unser Maßstab? BPH meint die histologische Definition der benignen Prostatahyperplasie .Die Leitlinie auf die im Folgenden Bezug genommen werden soll, ist die S2e Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie zur Diagnostik und Differentialdiagnostik des benignen Prostatasyndromes (BPS) von 2009 deren Laufzeit zum 30.10.2013 verlängert wurde.

 

Das BPS ist ein Symptomkomplex der sich aus den Komponenten LUTS, BOO und BPE in jeweils wechselnder Ausprägung zusammensetzt und in den auch noch die OAB und die nächtliche Polyurie hineinspielen. Die zitierte Leitlinie beschreibt einen Handlungskorrridor , der systematisch und praxisnah zur Diagnose und Therapieempfehlung führt. Der z.T. klassische Widersspruch zwischen Forderungen der Leitline und erlebter Fallwirklichkeit mit seinen sozialenund ökonomischen Zwängen stellt sich allenfalls, bei der Uroflowmetrie und wenn fakultativ die urodynamische Untersuchung mit Urethradruckprofil angedacht wird. Die Uroflowmetrie ist mit alter Technik personal- und materialaufwändig und ist in der Fallpauschale des RLV bereits beinhaltet. Das fördert nicht gerade die Akzeptanz der Methode. Eine komplette urodynamische Untersuchung ist allerdings überhaupt nicht kostendeckend zu erbringen, sie ist aber nur selten zwingend erforderlich und wird in der Leitlinie nicht als obligate Leistung ausgewiesen. Es zeigt sich, dass im Praxisalltag bereits die Messung der Detrusorwanddicke die Diagnose einer BOO mit 90 % Sicherheit zuläßt und in die Untersuchungsroutine eingepasst werden kann. Das Miktionsprotokoll wird als wertvolles Instrument zur Ergänzung der Anamnese z. B. der Trinkgewohnheiten der Patienten und Feststellung einer nächtlichen Polyurie erst spät einbezogen, wobei dieses nun wirklich keinen besonderen Aufwand bedeutet. Die Integration des IPSS ind den Anamneseprozess ist zielführend und nicht aufwändig und kann mit moderner IT ohne zusätzliche Belastung des Praxispersonals geleistet werden.

Mit dieser Leitlinie konnten wir Urologen leben, die Neuauflage wird wohl anläßlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie Mitte September 2013 vorgestellt.


Quelle: 17. Bamberger Gespräche 2013, 07.09.2013 (tB).

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