Tasigna® (Nilotinib) erhält in der Europäischen Union die Zulassung für die Zweitlinientherapie von CML-Patienten

Frankfurt am Main (17. Dezember 2007) – Tasigna führte zu einem guten zytogenetischen Ansprechen bei 49 % der Patienten mit Philadelphia-Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie in chronischer Phase, die eine Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber Glivec® (Imatinib) aufweisen. Der neue Tyrosinkinaseinhibitor von Novartis Oncology bindet noch spezifischer und stärker als Imatinib an das Bcr-Abl-Protein, die Ursache und treibende Kraft der CML.


Tasignaâ (Nilotinib) hat in der Europäischen Union die Zulassung als neue Therapie für erwachsene Patienten mit Philadelphia-Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie (CML) in chronischer und akzelerierter Phase erhalten, die eine Resistenz oder Unverträg­lichkeit gegenüber einer früheren Behandlung einschließlich Glivecâ (Imatinib) aufweisen.
„Durch die Zulassung von Tasigna können wir mehr Patienten mit CML helfen. Mit Glivec als Primärtherapie und Tasigna als Zweitlinienbehandlung können wir nun den Ärzten umfassende Therapieoptionen anbieten“, sagte David Epstein, Präsident und CEO von Novartis Oncology. „Tasigna ist das Ergebnis unseres Engagements, innovative Arzneimittel zu entwickeln um sie Patienten, denen bislang unzureichende Therapieoptionen zur Verfügung standen, anbieten zu können“.
Tasigna hemmt gezielt und mit hoher Affinität das Bcr-Abl-Protein, welches durch das abnor­male Philadelphia-Chromosom in Krebszellen produziert wird. Bcr-Abl gilt als Hauptursache für die Überproduktion von Krebs verursachenden Leukozyten bei Patienten mit Ph+ CML.
Tasigna wurde so konzipiert, dass es Bcr-Abl noch selektiver hemmt als Glivec. Das neue Medikament reduzierte die Anzahl der Zellen, die das abnorme Philadelphia-Chromosom tragen, bei 49 % der Patienten in der chronischen Phase der Erkrankung. Die meisten Patienten erreichten dieses Ansprechen innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Therapie mit Tasigna und sprechen nachhaltig darauf an (mediane Dauer noch nicht erreicht) (1).

Daten der Zulassungsstudie

Die Zulassung von Tasigna in der Europäischen Union basiert auf einer Zulassungsstudie, in der die zytogenetischen Ansprechraten des Medikaments (Reduktion oder Elimination des Philadelphia-Chromosoms) und die bestätigten hämatologischen Ansprechraten (Normalisierung der Leukozytenzahl) bei Ph+ CML-Patienten in chronischer und akzelerierter Phase mit Glivec-Resistenz oder -Unverträglichkeit beurteilt wurden.
Ein gutes zytogenetisches Ansprechen unter Tasigna zeigten 49 % der Patienten in chronischer Phase. 70 % der Patienten in der chronischen Phase, die zu Beginn der Studie kein komplettes hämatologisches Ansprechen aufwiesen, erreichten ein komplettes hämatologisches Ansprechen in einer medianen Zeit von 1 Monat.1
Ein gutes zytogenetisches Ansprechen unter Tasigna zeigten 27 % der Patienten in akzelerierter Phase. Ein bestätigtes hämato­logisches Ansprechen wurde bei 42 % der Patienten in der akzelerierten Phase beobachtet. Die meisten dieser Patienten erreichten die hämatologische Remission unter Tasigna rasch (Median 1,0 Monate) und nachhhaltig (Median noch nicht erreicht) (1).

Zulassungsstatus von Tasigna
Tasigna ist jetzt in 37 Ländern einschließlich aller Länder der Europäischen Union sowie Island und Norwegen, den Vereinigten Staaten und der Schweiz zugelassen. Der Antrag für die Zulassung in Japan wurde im Juni eingereicht.

In den Ländern, in denen eine Zulassung vorliegt, ist Tasigna für die Behandlung von Erwachsenen mit Ph+ CML in der chronischen und akzelerierten Phase mit Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber einer Vorbehandlung einschließlich Glivec indiziert. Die Wirksamkeit von Tasigna basiert auf hämatologischen und zytogenetischen Ansprechraten.
Die Zulassung von Tasigna durch die US Food and Drug Administration (FDA) im Oktober 2007 basiert auf derselben klinischen Zulassungsstudie, die der EU-Zulassung zu Grunde liegt, allerdings wurde eine unterschiedliche Analyse durchgeführt. Dadurch können die Ansprechraten leicht voneinander abweichen.
Bis zur Verfügbarkeit können die Patienten auch in Deutschland im Rahmen des Expanded Access Programms ENACT mit Tasigna behandelt werden.

Hintergrund chronische myeloische Leukämie
Die chronische myeloische Leukämie ist eine der vier häufigsten Leukämieformen, auf sie entfallen ca. 15 % aller Leukämiefälle weltweit (2)
. In Deutschland erkranken etwa 12.000 Menschen jährlich an Leukämie. Bei rund 1.500 Patienten lautet die Diagnose „chronische myeloische Leukämie“ (CML). Etwa 95 % der CML-Patienten tragen das Philadelphia-Chromosom. Unbehandelt schreitet die chronische myeloische Leukämie innerhalb von drei bis fünf Jahren von einer anfänglichen chronischen Phase über eine Übergansphase (beschleunigte oder akzelerierte Phase) bis hin zu einer schnellen, oftmals tödlichen Form, der Blastenkrise.  Glivec gilt als Goldstandard in der Primärtherapie der CML.

Informationen zur Sicherheit von Tasigna
 
Die Behandlung mit Tasigna wird generell gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen Grad 3 oder 4 waren überwiegend hämatologischer Natur und umfassten u.a. Neutropenie und Thrombozytopenie. Es wurden erhöhte Werte von Bilirubin in Leberfunktions­tests, bei den Lipase-Enzymen und beim Blutzucker beobachtet, die jedoch meist nur vorüber­gehend auftraten und mit der Zeit zurückgingen. Diese Fälle konnten leicht kontrolliert werden und führten nur selten zum Therapieabbruch. Pankreatitis wurde in weniger als 1 % der Fälle beobachtet. Die häufigsten nicht-hämatologischen therapieinduzierten Nebenwirkungen waren Hautausschlag, Juckreiz, Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verstopfung und
Diarrhö. Diese Nebenwirkungen waren meist leicht bis mäßig ausgeprägt. Die Sicherheit von Tasigna wurde bei 438 Patienten untersucht.
Tasigna ist bei Patienten mit bestehender oder potenzieller QTc-Verlängerung mit Vorsicht anzuwenden. Hierzu zählen z.B. Patienten mit abnorm verringertem Kalium- oder Magnesiumspiegel, Patienten mit angeborenem langem QTc-Syndrom, Patienten, die mit Arrhythmika oder sonstigen potenziell QT-verlängernden Arzneimitteln behandelt werden sowie solche mit einer kumulativen hochdosierten Anthrazyklintherapie. Niedrige Kalium- und Magnesiumspiegel müssen vor der Nilotinib-Therapie korrigiert werden.

Über Glivec
Glivec ist in der EU für die Behandlung von Patienten mit neu diagnostizierter CML einschließlich pädiatrischer Patienten angezeigt. Zudem ist Glivec für die Behandlung der CML in chronischer Phase nach Versagen einer Interferon-alpha-Behandlung, in der akzelerierten Phase oder in der Blastenkrise in mehr als 80 Ländern zugelassen.
Weiterhin hat Glivec seit 2002 die Zulassung für die Behandlung nicht resezierbarer und/oder metastasierter maligner gastrointestinaler Stromatumoren bei Erwachsenen. Es stellt damit die einzig wirksame Option für Patienten mit fortgeschrittenen GIST dar.
Seit September 2006 ist Glivec auch zur Therapie erwachsener Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom positiver akuter lymphatischer Leukämie (Ph+ ALL) in Kombination mit Chemotherapie und als Monotherapie bei rezidivierter oder refraktärer Ph+ ALL zugelassen sowie zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht resezierbarem Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP) und Erwachsener mit rezidivierendem und/oder metastasiertem DFSP, die nicht für eine Operation in Frage kommen.
Für die Therapie erwachsener Patienten mit myelodysplastischen/myeloproliferativen Erkrankungen (MDS/MPD) in Verbindung mit Genumlagerungen des PDGF-Rezeptors (platelet-derived growth factor) wurde Glivec im Dezember 2006 zugelassen. Parallel erhielt Glivec die Zulassungserweiterung zur Behandlung von Erwachsenen mit chronischer eosinophiler Leukämie (CEL) mit FIP1L1-PDGFRα-Umlagerung.

Referenzen

  1. Fachinformation Tasigna, November 2007.
  2. Faderl S; Talpaz M; Estrov Z; O’Brien S; Kurzrock R; Kantarjian HM. The biology of chronic myeloid leukemia. N Engl J Med. 341:164-72, 1999.


Quelle: Pressekonferenz von Novartis zum Thema „Experten im Dialog – Der neue Meilenstein in der Zweitlinientherapie der CML“ am 17. Dezember 2007 in Frankfurt am Main (tB).

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