Abb.: Prof. Dr. Sylvia Schafmeister eröffnet den 2. WissensTransferTag der HNU. Foto: Hochschule Neu-Ulm2. WissensTransferTag der Hochschule Neu-Ulm

Experten diskutieren Managementthemen aus dem Gesundheitswesen

 

Neu-Ulm (14. Juli 2014) – Rund 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten auf dem 2. WissensTransferTag der Hochschule Neu-Ulm (HNU) aktuelle Themen aus den Bereichen „Ambulante Pflege“, „Personal und Führung“ sowie „Ambulante und stationäre Versorgung“. Ökonomische und organisatorische Problemfelder und Lösungsansätze in der Pflege und in den Kliniken wurden ebenso thematisiert wie die Auswirkungen neuer Gesetze im Gesundheitsbereich. Keynote zum Thema „Finanzierung der Universitätskliniken“ hielt Dr. Bettina Hailer, ehemalige Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Halle/Saale.

 

„Unser WissensTransferTag bietet Experten aus dem Gesundheitsbereich Austausch- und Diskussionsmöglichkeiten rund um aktuelle Themen, mit denen wir uns tagtäglich beschäftigen und die uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellen“, so Prof. Dr. Sylvia Schafmeister, Studiendekanin der Fakultät Gesundheitsmanagement an der HNU und Gastgeberin des WissensTransferTages. Zu den jeweiligen Themenblöcken gab es Kurzvorträge, die besonders den Fokus auf die betriebswirtschaftliche Sichtweise legten. Dazu referierten erfahrene Experten aus der Praxis unter anderem von den Universitätskliniken Ulm und Halle/Saale, Klinikum Stuttgart und Kempten und Filderstadt/Bonladen sowie aus dem Pflegebereich.


Die Key Note des WissensTransferTages hielt Prof. Dr. Bettina Hailer, ehemalige Kaufmännische Direktorin des Uniklinikums Halle/Saale. Sie sprach über die schlechte Finanzierung der Universitätskliniken. 2011 waren 29 Prozent der Universitätsklinika unzureichend finanziert, für das Jahr 2014 erwarten 55 Prozent eine negative Finanzierung. Die Gründe dafür sieht sie in den anfallenden Sonderaufgaben der Hochschulmedizin, wie die Notfallversorgung, ärztliche Aus- und Weiterbildung und Forschungsaufgaben sowie die gemäß Versorgungsauftrag zu versorgenden Extremkostenfälle, die sich durch das aktuelle DRG-Fallpauschalenystem nicht finanzieren lassen. Darüber hinaus wurde die finanzielle Situation der Universitätsklinika durch den Wegfall der Bundeszuschüsse 2007 zusätzlich belastet. Dr. Hailer fordert daher eine Neustrukturierung der Finanzierung der Universitätsmedizin, damit hochleistungsfähige Kliniken und gesellschaftlich erwünschte Spitzenmedizin weiterhin ermöglicht werden können.

Den ersten Themenbereich „Ambulante Pflege“ eröffnete Judith Schlagenweith, Leiterin der DLB-Pflege, mit einem Vortrag über das Pflegeneuausrichtungsgesetz und dessen Auswirkungen auf die Leistungsvergütung und die Organisation der ambulanten Pflege. Sie nahm dabei eine betriebswirtschaftliche Betrachtung vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Einfluss der gesetzlichen Veränderungen vor. Gabriele Klingel, Leiterin des Pflegedienstes der Diakoniestation Stromberg, stellte das Spannungsfeld Qualität der Versorgung und die betriebswirtschaftlichen Aspekte im Pflegebereich dar. Sie zeigte diese Problematik am Beispiel des Wundmanagements eines ambulanten Pflegedienstes auf und präsentierte gleichzeitig Lösungsansätze.

Im Themenbereich „Personal und Führung“ zeigte Wilhem Servos, Bildungsreferent des Kuratoriums für Heimdialyse auf, dass ein strukturierter Einsatz von angelernten Kräften in der Pflege nicht nur zu Kostensenkungen führen kann, sondern auch stressmindernd auf Pflegefachkräfte wirkt. Martin Zugmaier-Wagner, stellvertretender Stationsleiter des Uniklinikums Ulm, führte aus, dass mit einem optimierten Kompetenzmix von Pflegefachkräften und -hilfskräften auch dem wachsenden Fachkräftemangel in der Pflege begegnet werden kann. Auch Silke Bortenlänger, stellvertretende Stationsleitung der anästhesiologischen Intensivstation des Klinikums Stuttgart, sieht in Zeiten des demographischen Wandels eine gewaltige personalwirtschaftliche Herausforderung auf den Gesundheits- und Pflegebereich zukommen. Sie zeigte den Teilnehmern, mit welchen Instrumenten die Sicherung der Personalentwicklung und Weiterbildung für Gesundheits- und Pflegekräfte begegnet werden kann, um notwendige Kompetenzen einer alternden Belegschaft sicherzustellen. Dr. med. Bernd Voggenreiter, Medizinischer Geschäftsführer der Filderklinik, führte in seinem Vortrag die Diskussion um Vor- und Nachteile von Zielvereinbarungen bei Chefärzten.

Im Themenbereich „Ambulante und stationäre Versorgung“ stellte Dr. Guntram Fischer, Leiter Medizinische Prozesse und Betrieb im Klinikum Kempten, die betriebswirtschaftlichen Aspekte des ambulanten Operierens vor. So zeigte Dr. Fischer nachdrücklich, dass der EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) kaum eine sinnvolle betriebswirtschaftliche Kalkulation des ambulanten Operierens zulässt. Vielmehr fordert er die Entwicklung von ambulanten DRGs, um die operative Leistungserbringung betriebswirtschaftlich adäquat abzubilden. Dr. Boris Brand erläuterte die Herausforderungen für große Arztpraxiskooperationen vor dem Hintergrund der aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen in der ambulanten Versorgung. Der letzte Vortrag von Oliver Kurtnacker gab einen Ausblick über die Bedeutung von Kommunikationsstrukturen in Krankenhäusern. Er macht deutlich, dass Ärzte und Pflegepersonal einerseits, Verwaltungsangestellte andererseits unterschiedliche Kommunikationskanäle nutzen. Die Folgen sind täglich in den Krankenhäusern zu beobachten: Informationen werden nur langsam transportiert und wenig effektiv und effizient gesteuert mit der Gefahr der Informationsverzerrung und des Mißverständnisses zwischen den Berufsgruppen.

Der WissensTransferTag wird jährlich von der Fakultät Gesundheitsmanagement veranstaltet und lädt Interessierte, Praktiker und Fachexperten zur Diskussion ein. Im Rahmen des WissensTransferTages wurden dieses Jahr erstmalig die besten Abschlussarbeiten der berufsbegleitenden Studiengänge „Management für Gesundheits- und Pflegeberufe“ und „Betriebswirtschaft für Ärztinnen und Ärzte“ vorgestellt.

 

 

Weitere Informationen

 

 

 

Abb.: Prof. Dr. Sylvia Schafmeister eröffnet den 2. WissensTransferTag der HNU. Foto: Hochschule Neu-Ulm

 


 

Quelle: Hochschule Neu-Ulm, 11.07.2014 (tB).

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