Spagat zwischen ökonomischer und verantwortungsvoller Therapie

Lässt sich durch den Einsatz von Generika das Budget schonen?
Eine Datenanalyse aus dem Bereich der PPI

München (29. November 2007) – Der Kostendruck auf die Ärzte wächst stetig. Sie müssen in der medikamentösen Therapie den oft schwierigen, manch­mal nahezu unmöglichen Spagat schaffen zwischen ökonomischer und verantwortungsvoller Verordnung. In der Langzeittherapie der Reflux­krankheit gelingt dies mit der Wahl des Protonenpumpenhemmers Pantoprazol. Er erwies sich in einer aktuellen Studie zum Kosten-unterschied von Protonenpumpen-hemmern in der Langzeittherapie mit Mehrkosten von gerade einmal 4,38 Euro pro Patient pro Jahr als nur geringfügig teurer als Omeprazol-Generika, kann aber mit klaren klinischen Vorteilen punkten: einer hohen initialen Bioverfügbarkeit, einem minimierten Interaktionspotential und einer expliziten Zulassung für die Bedarfstherapie, die sich bei Reflux als kostengünstige Option etabliert hat.

Festgezurrte Budgets lassen Medizinern nur noch wenig Spielraum bei der Verordnung von Medikamenten. Sie sind gefordert, kostengünstig zu rezeptieren, müssen aber gleichzeitig auch ihrer Verantwortung für den Patienten gerecht werden und eine qualitativ hochwertige Therapie anbieten. In der Behandlung der Refluxkrankheit muss unter diesem Aspekt zwischen verschiedenen Protonenpumpenhemmern gewählt werden. Erstmals wurde nun in einer aktuellen Analyse die Budgetbelastung durch Pantoprazol und Omeprazol erfasst. Dafür wurden Daten des IMS Disease Analysers herangezogen1, der anonymisiert Rezeptdaten repräsentativer allgemeinmedizinischer und internistischer Praxen sowie von Fachpraxen zur Verfügung stellt. Ausgewertet wurden über 4000 Refluxpatienten unter einer PPI-Langzeittherapie, die über 365 Tage entweder mit Omeprazol 20 mg (n=2016) oder Pantoprazol 20 mg (n=2016) behandelt worden waren.

Kaum Mehrkosten – hoher Nutzen

Das Ergebnis: Der durchschnittliche Tablettenverbauch lag unter Pantoprazol signifikant niedriger als unter Omeprazol-Generika mit einer Differenz von 25 Tabletten pro Patient und Jahr. Und der Blick auf die Kosten: Wird statt einem Omeprazol-Generikum Pantoprazol verordnet, schlägt dies finanziell gerade einmal mit Mehrkosten von 4,38 Euro (103, 44 Euro versus 99,06 Euro nach Lauertaxe Stand Juli 2007) pro Patient und Jahr zu Buche. Dieses geringe Plus an Zusatzkosten gewährleistet dem Patienten jedoch eine qualitativ hochwertige Therapie. Bei Betrachtung der Kosten auf Kassenebene muss zusätzlich noch die Patientenzuzahlung zugunsten einer Verschreibung von Pantoprazol berücksichtigt werden, so dass ein Einsparpotential durch den Einsatz von Omeprazol-Generika weiter relativiert wird.

Pluspunkt: Bedarfstherapie

Welche Erklärung gibt es für den deutlich niedrigeren Tablettenverbrauch bei Pantoprazol? Wahrscheinlich spielt die initial höhere Bioverfügbarkeit zu Beginn der Therapie (77 % vs. 35 %2) und die länger andauernde Inhibierung der Protonenpumpen durch die tiefere Bindung von Pantoprazol3 eine entscheidende Rolle. Klinische Studien zur Bedarfstherapie bestätigen die in der Praxis erhobenen Daten zu Pantoprazol4, das für diese Indikation explizit zugelassen ist – im Gegensatz zu Omeprazol.

Pluspunkt: minimiertes Interaktionsrisiko

Zu den Pluspunkten von Pantoprazol gehört das minimierte Interaktionspotential. In einem groß angelegten Studienprogramm, in dem Pantoprazol mit zahlreichen häufig verordneten Wirkstoffen, wie etwa Clarithromycin, Diazepam, Digoxin oder Glibenclamid, untersucht wurde, konnten keine Interaktionen beobachtet werden.5 Auch die klinische Erfahrung seit Einführung von Pantoprazol hat keine Anhaltspunkte für Arzneimittelinteraktionen in der Leber gezeigt. Vielmehr wurden bei mehr als 430 Millionen Patienten keine metabolischen Wechsel-wirkungen beobachtet.6 Pantoprazol unterscheidet sich dadurch wesentlich von den beiden Protonenpumpen-Hemmern Omeprazol und Esomeprazol, für die zahlreiche Interaktionen bekannt und in der Fachinformation dokumentiert sind. So ist beim neuen PDE-III-Hemmer Cilostazol eine Komedikation mit Omeprazol oder Lansoprazol aufgrund von Interaktionen unter den Gegenanzeigen aufgeführt, nicht jedoch Pantoprazol. Dokumentiert ist die klinische Relevanz solcher Interaktionen weiterhin in einer Studie zur Komedikation von Diazepam mit Pantoprazol beziehungsweise Esomeprazol.7 Unter der Kombination Diazepam/Esomeprazol kam es nicht nur zu deutlich erhöhten Diazepamplasma-spiegeln im Vergleich zu Pantoprazol. Auch Koordinationsfähigkeit, Vigilanz und Reaktionsfähigkeit verschlechterten sich. Bei multimorbiden Patienten unter Komedikation bietet Pantoprazol somit den Vorteil, dass eine Vielzahl von potenziellen Interaktionen von vornherein ausgeschlossen werden können.


Literatur

  1. IMS Health, Disease Analyzer 2007
  2. FI Pantozol 20 mg Stand August 2007, FI Omeprazol 20 mg Stand April 2007
  3. Shin JM, Sachs G, Gastroenterology 2002; 123:1588-159
  4. Scholten et al. Clin Drug Invest 2007;27 (4): 287-296
  5. z. B.: Steinijans et al. Verdauungskrankheiten 1997 (15) 2:77-96
  6. Periodic Safety Update Report (PSUR) 2005
  7. Drewelow et al., Can j Gastroenterol 20, Suppl A:144, 2006


 

Quelle: Pressegespräch von Nycomed zum Thema: “Fakten statt Mythen: Das Einsparpotential im PPI-Markt – eine Analyse anhand aktueller Verschreibungsdaten” am 29. November 2007 in München (3K-Agentur für Kommunikation).
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