40. Münchener Fachpresse-Workshop

Onkologie 2018 –
Neues zur Therapie des Mammakarzinoms und zum Einsatz von Biosimilars

 

München (18. Januar 2018) – Ein Schwerpunkt des 40. Münchener Fachpresse-Workshops waren neue Erkenntnisse zur Therapie des Mammakarzinoms vom 40. San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) im vergangenen Dezember. Solche Neuigkeiten aus der Forschung finden auch in den jährlich aktualisierten Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO) schnell Eingang in die Praxis, so der Moderator der Veranstaltung Prof. Michael Untch, Berlin, der auch die Praxisrelevanz neuer Daten zur Therapie des frühen Mammakarzinoms bewertete. Eines der Highlights vom SABCS waren hier erste Daten zu Rezidiven und Metastasen aus der neoadjuvanten GeparSepto-Studie, die zeigten, dass wöchentlich verabreichtes nab-Paclitaxel (Abraxane®) gefolgt von einer Anthrazyklin/Cyclophosphamid-Kombination zu einem signifikant längeren krankheitsfreien Überleben führt als neoadjuvant verabreichtes konventionelles Paclitaxel im gleichen Regime. Prof. Nadia Harbeck, München, beschäftigte sich mit aktuellen Daten beim metastasierten Mammakarzinom.

Als neue Behandlungsoptionen standen bei Hormonrezeptor-positiver Erkrankung die CDK4/6-Inhibition und bei Patientinnen mit BRCAMutation die PARP-Inhibition im Fokus. Auch bei HER2-positiver Erkrankung gibt es neue zielgerichtete Behandlungsansätze. Eine Problematik neuer Substanzen in der Onkologie liegt im hohen Preis, der eine Herausforderung für die Gesundheitssysteme darstellt. Einsparmöglichkeiten bieten Biosimilars wie der seit 2017 zur Verfügung stehende biosimilare Antikörper Truxima® (CT-P10). Das erste Rituximab-Biosimilar kann in allen Indikationen des Originalpräparats eingesetzt werden. Biosimilars, die durch die EMA zugelassen sind, haben einen aufwändigen Überprüfungs- und Zulassungsprozess durchlaufen, so dass alte Bedenken gegen ihren Einsatz rational nicht haltbar sind, zeigte sich Prof. Diana Lüftner, Berlin überzeugt. Der Einsatz von Biosimilars in der Onkologie sei auch an der Berliner Charité bereits Realität und könne im internationalen Kontext mehr Tumorpatienten Zugang zu modernen Therapieverfahren ermöglichen.

 

Fortgeschrittenes Mammakarzinom: CDK4/6-Inhibitor plus endokrine Therapie auch für prämenopausale Frauen

Klinisch relevante Neuigkeiten vom 40. San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) für Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom waren Thema des Vortrags von Prof. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität München. „Phase-III-Studien mit einer Kombination aus CDK4/6-Inhibitor und Aromatasehemmer als Erstlinientherapie bei postmenopausalen Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2negativem Mammakarzinom haben durchweg eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens gegenüber der alleinigen endokrinen Therapie gezeigt – dies verdeutlicht uns, wie wichtig das Einwirken auf den Zellzyklus mit einer zielgerichteten Therapie ist“, erklärte Harbeck. Auf dem SABCS 2017 wurde nun die MONALEESA-7-Studie vorgestellt, die die Wirksamkeit der Kombination CDK4/6-Inhibitor plus endokrine Therapie auch bei prämenopausalen Frauen bestätigte. (1) Das mediane PFS war bei der Kombination von Ribociclib mit einer endokrinen Therapie (GnRH Analogon + Tamoxifen oder Aromatasehemmer) mit 23,8 vs. 13 Monate (HR 0,553; p=0,0000000983) nahezu doppelt so lang wie bei alleiniger endokriner Therapie. „Mehr als die Hälfte der Patientinnen im Ribociclib-Arm befindet sich noch unter Therapie – das zeigt uns, dass man mit dem CDK4/6-Inhibitor endokrine Resistenzen unterbinden kann“, so Harbeck. Von der zusätzlichen zielgerichteten Therapie profitierten alle Subgruppen. In die Studie waren 672 Frauen mit HR-positivem fortgeschrittenem Tumor eingeschlossen, die noch keine endokrine und nur maximal eine Chemotherapie in der metastasierten Situation erhalten hatten. Die Nebenwirkungen waren ähnlich wie bei postmenopausalen Patientinnen mit v.a. hämatologischen Nebenwirkungen (Neutropenie) ohne schwere klinische Konsequenzen. Die Zeit bis zur Verschlechterung der Lebensqualität war unter Ribociclib signifikant länger.

„Wir sind heute der Meinung, dass junge prämenopausale Patientinnen mit fortgeschrittener Hormonrezeptor-positiver Erkrankung die gleichen Therapien erhalten sollten wie postmenopausale Frauen – Voraussetzung ist, dass wir die ovarielle Funktion unterdrücken“, kommentierte Harbeck. Auf dem SABCS wurde außerdem eine gepoolte Analyse von Daten der US-amerikanischen FDA zu Behandlungsergebnissen bei älteren Frauen mit Hormonrezeptor-positivem, metastasiertem Mammakarzinom vorgestellt, die mit einem CDK4/6-Inhibitor als erster hormonbasierter Therapie behandelt worden waren. Die Daten bestätigen Effektivität und Sicherheit der CDK4/6-Inhibitoren auch bei älteren Frauen. (2)

 

PARP-Inhibition bei BRCA-mutierten Patientinnen

Die internationale offene Phase-III-Studie EMBRACA prüfte den Einsatz des PARP-Inhibitors Talazoparib bei Patientinnen mit nachgewiesener BRCA-Keimbahnmutation und HER2negativer, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung. „Ein großer Anteil des Patientinnenkollektivs waren Hochrisiko-Patientinnen. Im Talazoparib-Arm lag das mediane Alter bei 45 Jahren, 63,4 % der Frauen waren jünger als 50. 15% im Talazoparib- und fast 14% im Kontrollarm hatten ZNS-Metastasen“, erläuterte Harbeck. Das PFS war unter Talazoparib im Vergleich zu einer Chemotherapie (physician’s choice) signifikant verbessert: im Median 8,6 vs. 5,6 Monate; HR 0,54; p<0,0001. Für eine Aussage bezüglich der Frage, wie sich der Vorteil beim PFS auf das Gesamtüberleben auswirkt, sei es noch zu früh, so Harbeck. Die Gesamtansprechrate unter Talazoparib lag bei 62,6% gegenüber 27,2% unter Chemotherapie. Insgesamt war die Therapie gut verträglich. Hämatologische Nebenwirkungen standen im Vordergrund, v.a. Anämien, die häufig die Gabe von Bluttransfusionen nötig machten. Die Lebensqualität war unter der Talazoparib-Therapie besser als zu Therapiebeginn. (3) Die Zulassung für Talazoparib beim Mammakarzinom wird erwartet, ein anderer PARP-Inhibitor, Olaparib, hat aufgrund der Daten der OlympiAD-Studie in den USA bereits die Zulassung beim Mammakarzinom erhalten. „Wir Therapeuten sehen uns mit einer Vielzahl offener klinischer Fragen zum Einsatz der PARP-Inhibitoren konfrontiert, etwa der Frage nach der optimalen Sequenz, der Therapie nach Progression oder den klinisch relevanten Unterschieden zwischen den einzelnen PARP-Inhibitoren.“

 

Triplenegatives und HER2-positives fortgeschrittenes Mammakarzinom

Auch neue Therapieansätze wurden beim SABCS 2017 vorgestellt, wie das Antibody-DrugKonjugat Sacituzumab Govitecan als Monotherapie beim rezidivierten oder refraktären triplenegativen Mammakarzinom (TNBC). (4) Im unabhängigen verblindeten Review lag die objektive Ansprechrate bei 31%, die mediane Dauer des Ansprechens bei 9,1 Monaten. „Das sind gute Daten für einen Antikörper in dieser sehr schwierigen Therapiesituation. Dabei war die Therapie gut verträglich“, kommentierte Harbeck. Die Phase-II-Studie PANACEA untersuchte die Kombination aus HER2-Blockade mit Trastuzumab und Immuntherapie mit dem PD-L1-Inhibitor Pembrolizumab bei Frauen mit HER2-positivem, unresektablem fortgeschrittenem Mammakarzinom, deren Erkrankung unter vorangegangener Trastuzumab-basierter Therapie fortgeschritten war. (5) Bei den Frauen mit PD-L1-positivem Tumor konnte die Erkrankung im Median über 11,1 Monate kontrolliert werden (partielles und komplettes Ansprechen und Krankheitsstabilisierung). „Fünf Patientinnen dieser kleinen Studie waren zum Zeitpunkt der Präsentation der Daten auf dem SABCS noch immer unter Therapie und progressionsfrei“, berichtete Harbeck. Die 1-Jahres-Gesamtüberlebensrate lag bei den PD-L1-positiven Frauen bei 63%. Auch das Antibody-Drug-Konjugat TrastuzumabDeruxtecan zeigte in einer Phase-I-Studie bei mit T-DM1 und/oder Pertuzumab vorbehandelten Frauen mit HER2-positivem Mammakarzinom (mit teils niedriger HER2-Expression) vielversprechende Ergebnisse. (6) „Durch die Teilnahme an den geplanten internationalen klinischen Studien werden Patientinnen auch in Deutschland Zugang zu diesen neuen vielversprechenden Substanzen schon vor ihrer Zulassung haben“, betonte Harbeck abschließend.

 

Adjuvanz – Aktuelle Daten zur Therapie mit Bisphosphonaten, zur endokrinen und antiHER2-Therapie 

Eine adjuvante Bisphosphonattherapie kann bei Frauen mit frühem Mammakarzinom das Überleben verbessern. Die optimale Länge dieser Therapie untersuchte die SUCCESS AStudie, die Prof. Wolfgang Janni, Ulm, beim SABCS 2017 vorstellte. (7) „Es zeigte sich, dass 5 Jahre Bisphosphonattherapie mit Zoledronat nicht besser sind als 2 Jahre und zwar weder bei post- noch bei prämenopausalen Patientinnen“, berichtete Prof. Michael Untch, Leiter des interdisziplinären Brustzentrums am Helios Klinikum Berlin-Buch, der sich in seinem Vortrag neuen Erkenntnissen beim frühen Mammakarzinom widmete. Es ergaben sich hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens und Gesamtüberlebens keine signifikanten Unterschiede. Ebenfalls der Frage nach der optimalen Therapiedauer ging die ABCSG-16-Studie nach, die zusätzliche zwei Jahre mit zusätzlichen fünf Jahren einer adjuvanten Anastrozol-Therapie nach fünfjähriger adjuvanter endokriner Therapie (entweder Tamoxifen oder Aromatasehemmer oder Tamoxifen gefolgt von Aromatasehemmer) bei postmenopausalen Patientinnen verglich. (8) „Auch hier zeigte sich: Zwei Jahre zusätzliche endokrine Therapie nach fünf Jahren adjuvanter endokriner Therapie sind ausreichend“, so Untch.

Ob auch Patientinnen mit niedriger HER2-Expression zusätzlich zur adjuvanten Chemotherapie eine adjuvante Trastuzumab-Therapie erhalten sollten, hatte die NSABP B47-Studie untersucht. (9) „Die Antwort lautet nein, diese Frauen profitieren nicht von adjuvantem Trastuzumab über ein Jahr“, resümierte Untch. Auch die optimale Dauer der adjuvanten Therapie mit Trastuzumab war Thema auf dem SABCS. Eine große Metaanalyse der Daten zum krankheitsfreien und Gesamtüberleben aus randomisierten klinischen Studien kam zu dem Schluss, dass die einjährige Trastuzumab-Therapie weiterhin den Standard darstellen sollte. Eine kürzere Gabe von Trastuzumab war mit einem schlechteren krankheitsfreien Überleben (DFS) und Gesamtüberleben assoziiert (10). Auch die SOLDStudie bestätigte die Trastuzumab-Therapie über ein Jahr als Standard. Sie hatte die Frage untersucht, ob bei Frauen mit frühem, HER2-positivem Mammakarzinom die 9-wöchige Gabe von Trastuzumab in Kombination mit einer Anthrazyklin/Taxan-basierten Chemotherapie genauso gut ist wie die einjährige Standardtherapie mit Trastuzumab. Die Nicht-Unterlegenheit von 9 Wochen Trastuzumab hinsichtlich des DFS konnte jedoch nicht gezeigt werden. (11) Somit bleibt die einjährige Behandlung weiterhin der Therapiestandard.

Die neoadjuvante duale HER2-Blockade mit Trastuzumab und Pertuzumab in Kombination mit Chemotherapie bei Frauen mit HER2-positivem Tumor wird von den AGO-Leitlinien 2017 mit höchstem Empfehlungsgrad empfohlen. Empfehlung und Zulassung für die adjuvante Situation werden für 2018 erwartet, insofern seien Daten zu erwartenden Nebenwirkungen in der Adjuvanz von großem Interesse, erläuterte Untch. Auf dem SABCS 2017 wurden Daten zu Inzidenz und Management der Diarrhoe, der häufigsten Nebenwirkung von Pertuzumab, im Rahmen der adjuvanten APHINITY-Studie vorgestellt. Im Studienarm der doppelten HER2-Blockade plus Chemotherapie war Diarrhoe mit 71,3% die häufigste Nebenwirkung, wobei in der Mehrheit der Fälle nur Diarrhoe Grad 1- 2 auftrat. „In den ersten vier Behandlungszyklen war die Diarrhoe-Rate unter der Kombination Pertuzumab/Trastuzumab plus Chemotherapie doppelt so hoch wie unter Trastuzumab plus Chemotherapie. Nach Ende der Chemotherapie sank sie aber auf unter 5%“, so Untch. Die Diarrhoen waren gut handhabbar und führten nicht zur Therapieunterbrechungen. (12)

 

Bei hohem Metastasierungsrisiko dosisdichte Therapien einsetzen 

Eine Metaanalyse der EBCTCG untersuchte die Frage, ob eine dosisdichte adjuvante Chemotherapie der konventionellen adjuvanten Therapie überlegen ist. Die Steigerung der Dosisintensität entweder durch die Verkürzung der Intervalle zwischen den Zyklen oder durch die sequentielle anstelle der gleichzeitigen Gabe der Substanzen reduzierte beim frühen Mammakarzinom die Rezidivhäufigkeit und die Brustkrebsmortalität im Vergleich zur konventionellen Therapie. Patientinnen, die ihre Chemotherapie alle 2 Wochen erhielten, hatten ein um 17% bzw. 15% reduziertes relatives Risiko, ein Rezidiv zu erleiden und an ihrem Mammakarzinom innerhalb von 10 Jahren zu versterben, als diejenigen Patientinnen, die in dreiwöchigem Abstand behandelt wurden. Auch die Frauen, die eine sequentielle Chemotherapie erhalten hatten, hatten ein um 14% bzw. 13% geringeres Risiko als die Frauen, die eine simultane Chemotherapie erhalten hatten. Zusätzliche Nebenwirkungen durch die dosisdichte Chemotherapie gab es nur wenige. Außerdem starben weniger dosisdicht behandelte als konventionell behandelte Patientinnen. Die Reduktion des relativen Rezidivrisikos um etwa 15% wurde sowohl bei den Östrogenrezeptor (ER)-positiven als auch den ER-negativen Tumoren beobachtet. Weder bei der Mortalität während der Chemotherapie noch bei der Gesamtmortalität wurde ein Anstieg durch die Dosisintensivierung beobachtet. (13) „Fazit aus dieser Metaanalyse: Wir sollten bei Patientinnen mit einem hohen Metastasierungsrisiko in der Adjuvanz eine dosisdichte Therapie einsetzen“, erläuterte Untch.

 

GeparSepto-Studie: Neoadjuvante Therapie mit nab-Paclitaxel verlängert das krankheitsfreie Überleben signifikant

„Taxane beim Ovarial- und beim Mammakarzinom sind schon lange Standard und ihr Einsatz war bahnbrechend. Heute stellen wir uns die Frage, ob nab-Paclitaxel den Standard noch toppen kann“, bemerkte Untch und verwies auf die auf dem SABCS 2017 von Prof. Andreas Schneeweiss präsentierte Überlebensanalyse der GeparSepto-Studie. (14) Untch, Leiter der Studie, hatte auf dem SABCS 2015 Studiendaten vorgestellt, die gezeigt hatten, dass die neoadjuvante Chemotherapie mit nab-Paclitaxel (Abraxane®) anstelle von konventionellem Paclitaxel, jeweils gefolgt von einer Anthrazyklin/CyclophosphamidKombination, die pathologischen Komplettremissionsraten (pCR-Raten) der Patientinnen mit frühem Mammakarzinom signifikant erhöht. (15) Auf dem vergangenen SABCS wurde nun deutlich, dass sich dieser Vorteil hinsichtlich der pathologischen Komplettremissionen auch in einem verlängerten krankheitsfreien Überleben (DFS) niederschlägt. Nach einem medianen Follow-Up von 49 Monaten war das DFS bei den Patientinnen, die neoadjuvant mit nab-Paclitaxel behandelt worden waren, signifikant länger als bei den Frauen, die vor der AC-Chemotherapie konventionelles Paclitaxel erhalten hatten (HR 0,69 (95% CI; 0,54-0,89); log rank p=0,0044). Die geschätzte DFS-Rate lag nach 3 Jahren bei 87,1% gegenüber 80,7% unter konventionellem Paclitaxel, nach 4 Jahren entsprechend bei 83,5% gegenüber 76,2%. Der Vorteil beim DFS zeigte sich auch bei Frauen mit TNBC und HR-positiven/HER2negativen Tumoren. Die Gesamtüberlebensrate lag bei den mit nab-Paclitaxel behandelten Frauen nach 3 Jahren bei 91,1%, nach 4 Jahren bei 87%. „Um einen signifikanten Vorteil beim Gesamtüberleben zeigen zu können, reicht das kurze Follow-Up nicht aus“, berichtete Untch und ergänzte: „Ob in den AGO-Empfehlungen zukünftig nab-Paclitaxel anstelle von konventionellem Paclitaxel als wöchentliche neoadjuvante Chemotherapie empfohlen wird, wird sich noch entscheiden, wobei nab-Paclitaxel noch keine Zulassung in der Neoadjuvanz besitzt. Die GeparSepto-Studie gehört jedenfalls zu den Studien, auf deren Basis Leitlinien gemacht werden sollten“.

 

Biosimilars in der Onkologie

„Eine Problematik der neuen Substanzen in der Onkologie ist ihr Preis. Auch wenn in Deutschland noch keine Rationierung erfolgt, so sind doch die Einsparmöglichkeiten wie sie Biosimilars bieten, sehr willkommen“, sagte Untch. Einen Überblick über Biosimilars in der Onkologie lieferte Prof. Diana Lüftner von der Charité Berlin. Biosimilars sind Folgeprodukte rekombinanter Wirkstoffe nach Ablauf ihres Patentschutzes. „Ein Biosimilar unterscheidet sich nicht klinisch relevant vom Originalpräparat. Die Abweichung liegt in der gleichen Größenordnung wie sie auch beim Original-Antikörper vorkommt, etwa zwischen verschiedenen Chargen eines Medikaments. Hier müssen wir Kliniker umdenken und alte Bedenken kritisch prüfen“, sagte Lüftner. Sie selbst habe bereits einen Umdenk- und Lernprozess durchlaufen und festgestellt: „Es gibt eigentlich keine rational haltbaren Argumente gegen den Einsatz von biosimilaren Antikörpern“. Auch die European Society for Medical Oncology (ESMO) spricht sich für den Einsatz der von der EMA zugelassenen Biosimilars in der Onkologie aus und betont ihre bewiesene vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit zum Originalpräparat und ihren Beitrag zu einer wirtschaftlichen onkologischen Behandlung. (16)

 

Überprüfung und Zulassung erfolgt schrittweise

Biosimilars werden in einem eigenständigen Herstellungsprozess entwickelt und nach einem strengen Überwachungs- und Zulassungsprozess von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zugelassen. Die größte Bedeutung kommt dabei zunächst dem „Reverse Engineering“ zu, der analytischen Charakterisierung der molekularen Struktur und klinischen Eigenschaften des Originalpräparates, um die maximal mögliche Ähnlichkeit zum Original zu gewährleisten. (17) „Dann folgen präklinische Untersuchungen und Untersuchungen zur Pharmakologie, dabei nimmt die Sicherheit des zu entwickelnden Biosimilars stetig zu. Zuletzt folgen die klinischen Studien zum Vergleich mit dem Original hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit, die den kleinsten Anteil an der Entwicklung des Biosimilars einnehmen – insgesamt beobachten wir also eine Umkehr unserer Lernkurve im Vergleich zur Entwicklung von Originalpräparaten“, erläuterte Lüftner.

Der Nachweis der vergleichbaren Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zum Original erfolgt in mindestens einer gemeinsam mit der EMA festgelegten Indikation. Ziel der klinischen Studie(n) ist nicht der Beweis von Wirksamkeit und Sicherheit per se, sondern der Beweis der Biosimilarität auf klinischer Ebene. Für die klinischen Studien soll die sensitivste Patientenpopulation gewählt werden, so dass potentielle Unterschiede in der Wirksamkeit, Sicherheit oder Immunogenität auf das Präparat zurückführbar und nicht der Patientenpopulation zuzuschreiben sind, erklärte Lüftner. So sei sichergestellt, dass nicht andere Einflussfaktoren die Ergebnisse verwässern.

 

Vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit

„Die klinische Prüfung beschränkt sich meist auf eine oder wenige Phase-III-Vergleichsstudien und hier wird den Ärzten mit der Möglichkeit der Extrapolation vielleicht der größte Umdenkprozess abverlangt“, konstatierte Lüftner. Auch wenn die Vergleichbarkeit des Biosimilars nur in einer oder zwei Indikationen klinisch geprüft wurde, darf es auf Basis der Extrapolation auch in den anderen Indikationen eingesetzt werden, für die das Originalpräparat zugelassen war. Neben der EMA erlaubt auch die US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA die Extrapolation von Indikationen ausdrücklich, wenn ausreichend wissenschaftliche Begründung durch die Gesamtheit der Evidenz, die die Biosimilarität und die Wirkungsweise beweist, besteht. (18, 19) „Dann kann man von einer Nicht-Unterlegenheit auch in andern Indikation ausgehen“, so Lüftner. „Ein kluger Hersteller wird klinische Studien in verschiedenen Indikationen durchführen“, so die Hämato-Onkologin weiter. Für das 2017 als erstes Rituximab-Biosimilar zugelassene Truxima® (CT-P10) gibt es zwei derzeit noch laufenden Phase-III-Studien. Die Daten einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Studie bei Patienten mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem follikulären Lymphom bestätigten die Vergleichbarkeit mit Rituximab im Hinblick auf Pharmakokinetik, B-Zell-Kinetik, Immunogenität, Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit. (20, 21) Diese Studie befindet sich derzeit in der bis zu dreijährigen Follow-Up Phase. Eine weitere Phase-III-Studie prüft bei Patienten mit neu diagnostiziertem follikulären Lymphom und niedriger Tumorlast die Wirksamkeit und Sicherheit einer Monotherapie mit CT-P10 im Vergleich zum Originalpräparat. (22)

Das Ergebnis einer Bioäquivalenzstudie wird bei Biosimilars durch vordefinierte Grenzen des Äquivalenzbereichs bestimmt. „Das bedeutet, es ist egal, ob das Biosimilar dann eher im unteren oder oberen Bereich liegt; von Bedeutung ist allein, dass es im Äquivalenzbereich ist“, erklärte Lüftner.

 

Dokumentation im klinischen Alltag

Proteine sind immunogen und können die Bildung von Antikörpern im Patienten hervorrufen. Die Immunogenität von biologischen Arzneimitteln – Originalpräparaten wie Biosimilars – wird zum einen durch die klinischen Studien vor der Zulassung ermittelt, zum anderen durch Beobachtungsstudien nach der Zulassung sowie in der Anwendung im Alltag. „Das ist also ein Pharmakovigilanzaspekt. Die Register- und Beobachtungstudien zur langfristigen Nachbeobachtung sind wichtig, werden meiner Meinung nach aber nicht viele Ereignisse erfassen“, kommentierte Lüftner. Wichtig sei, dass bei jedem Patienten produktgenau dokumentiert werde, welches Präparat er erhalte, um unerwünschte Ereignisse zuordnen zu können. Deshalb solle auch unter laufender Medikation kein Wechsel erfolgen.

 

Einsparpotential durch Biosimilars in der Onkologie

„Die ökonomische Belastung in der Onkologie ist heute enorm; Biosimilars können wesentlich zur Finanzierbarkeit moderner onkologischer Therapien beitragen“, sagte Lüftner. Die ESMO geht in ihrem Positionspapier zu Biosimilars von deutlichen Einsparmöglichkeiten aus und schätzt die Preisreduktion für moderne onkologische Behandlungsverfahren durch Biosimilars auf 20-40%, in Einzelfällen auch höher. (16) Untch zeigte sich ebenfalls überzeugt von der pharmaökonomischen Unverzichtbarkeit der Biosimilars und prognostizierte: „Biosimilars werden eingesetzt werden, sobald sie auf dem Markt sind“.

An der Berliner Charité unterstützen Apotheker und Krankenhausökonomen den Einsatz von biosimilaren Antikörpern sehr, berichtete Lüftner. „So erhält ein neuer Patient bei entsprechender Indikation bei uns heute ein Rituximab-Biosimilar“. Ausnahme sei der ausdrückliche Wunsch des Patienten, was aber aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebots zu dokumentieren sei. Umfassende Informationen und Hilfestellung zum Einsatz von Biosimilars bieten verschiedene Fachgesellschaften wie ESMO und DGHO in ihren Positionspapieren und die EMA mit ihrem umfangreichen Führer zu Biosimilars in der EU. (23)

 

 

Literatur

  1. Tripathy D et al. First-line ribociclib vs placebo with goserelin and tamoxifen or a non-steroidal aromatase inhibitor in premenopausal women with hormone receptor-positive, HER2-negative advanced breast cancer: Results from the randomized phase III MONALEESA-7 trial. SABCS 2017, Abstract GS205
  2. Singh H et al. A U.S. food and drug administration pooled analysis of outcomes of older women with hormone-receptor positive metastatic breast cancer treated with a CDK4/6 inhibitor as initial endocrine based therapy. SABCS 2017, Abstract GS5-06
  3. Litton J et al. EMBRACA: A phase 3 trial comparing talazoparib, an oral PARP inhibitor, to physician’s choice of therapy in patients with advanced breast cancer and a germline BRCA mutation. SABCS 2017, Abstract GS6-07
  4. Bardia A et al. Sacituzumab govitecan (IMMU-132), an anti-Trop-2-SN-38 antibody-drug conjugate, as ³3rd-line therapeutic option for patients with relapsed/refractory metastatic triple-negative breast cancer (mTNBC): efficacy results. SABCS 2017, Abstract GS1-07
  5. Loi S et al. Phase Ib/II study evaluating safety and efficacy of pembrolizumab and trastuzumab in patients with trastuzumab-resistant HER2-positive metastatic breast cancer: Results from the PANACEA (IBCSG 45-13/BIG 4-13/KEYNOTE-014) study. SABCS 2017, GS2-06
  6. Modi S et al. Safety and efficacy results from a phase 1 study of DS-8201a in patients with HER2 expressing breast cancers. SABSC 2017; Abstract PD3-07
  7. Janni W et al. Extended adjuvant bisphosphonate treatment over five years in early breast cancer does not improve disease-free and overall survival compared to two years of treatment: Phase III data from the SUCCESS A study. SABCS 2017; Abstract GS1-06
  8. Gnant M et al. A prospective randomized multi-center phase-III trial of additional 2 versus additional 5 years of anastrozole after initial 5 years of adjuvant endocrine therapy – results from 3,484 postmenopausal women in the ABCSG-16 trial. SABCS 2017, Abstract GS3-01
  9. Fehrenbacher L et al. NSABP B-47 (NRG oncology): Phase III randomized trial comparing adjuvant chemotherapy with adriamycin (A) and cyclophosphamide (C) ® weekly paclitaxel (WP), or docetaxel (T) and C with or without a year of trastuzumab (H) in women with node-positive or high-risk node-negative invasive breast cancer (IBC) expressing HER2 staining intensity of IHC 1+ or 2+ with negative FISH (HER2-Low IBC). SABCS 2017, Abstract GS1-02
  10. Niraula S et al. Duration of adjuvant trastuzumab in HER-2 positive breast cancer: Pooled results of overall, and disease-free survivals from meta-analyses of randomized controlled trials. SABCS 2017, P113-01
  11. Joensuu H et al. A randomized phase III study of adjuvant trastuzumab for a duration of 9 weeks versus 1 year, combined with adjuvant taxane-anthracycline chemotherapy, for early HER2-positive breast cancer (the SOLD study). SABCS 2017, Abstract GS3-04
  12. Bines J et al. Incidence and management of diarrhea with adjuvant pertuzumab and trastuzumab in HER2-Positive breast cancer. SABCS 2017, Abstract P1-13-07
  13. Gray R et al. Increasing the dose density of adjuvant chemotherapy by shortening intervals between courses or by sequential drug administration significantly reduces both disease recurrence and breast cancer mortality: An EBCTCG meta-analysis of 21,000 women in 16 randomised trialsAbstract GS1-01
  14. Schneeweiss A et al. Survival analysis of the prospectively randomized phase III GeparSepto trial comparing neoadjuvant chemotherapy with weekly nab-paclitaxel with solvent-based paclitaxel followed by anthracycline/cyclophosphamide for patients with early breast cancer – GBG69Abstract GS3-05
  15. Untch M et al. Nab-paclitaxel versus solvent-based paclitaxel in neoadjuvant chemotherapy for early breast cancer (GeparSepto-GBG 69): a randomised, phase 3 trial. Lancet Oncol 2016; 17:345-56
  16. Tabernero J et al. Biosimilars: a position paper of the European Society for Medical Oncology, with particular reference to oncology prescribers. ESMO Open 2016;1:e000142. doi:10.1136/esmoopen2016-000142
  17. Rugo H et al. A clinician’s guide to biosimilars in oncology. Cancer Treat Rev 2016; 46:73-9
  18. US Food and Drug Administration. Scientific considerations in demonstrating biosimilarity to a reference product. Guidance for industry. Silver Spring,MD: U.S. Department of Health and Human Services, Center for Drug Evaluation and Research (CDER), Center for Biologics Evaluation and Research (CBER); 2015 (last update, Apr 2015)  https://www.fda.gov/downloads/drugs/guidancecomplianceregulatoryinformation/guidances/ucm291128. pdf; aufgerufen am 1. Februar 2018
  19. Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP)), European Medicines Agency. Guideline on similar biological medicinal products containing biotechnology-derived proteins as active substance. nonclinical and clinical issues. London: European Medicines Agency; 2013 (last update, Jun 3, 2013), http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Scientific_guideline/2013/06/WC500144124.p df; aufgerufen am 1. Februar 2018
  20. Bezogen auf die Vergleichbarkeit bzgl. Sicherheit, Wirksamkeit und Pharmakologie zum OriginalRituximab, EPAR Assessment Report: Truxima®, EMA/CHMP/75695/2017. Abrufbar unter: http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_Public_assessment_report/human/004112/WC500222695.pdf. aufgerufen am 1. Februar 2018
  21. Kim WS et al. Double-blind, randomized phase 3 study to compare efficacy and safety of the biosimilar CT-P10 to rituximab combined with CVP therapy in patients with previously untreated advanced-stage follicular lymphoma. J Clin Oncol 2017;35: (suppl; abstr 7532)
  22. https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02260804; aufgerufen am 1. Februar 2018
  23. http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Leaflet/2017/05/WC500226648.pdf aufgerufen am 1. Februar 2018

 

Autorin: Mascha Pömmerl, Feldkirchen-Westerham

 


Quelle: 40. Münchener Fachpresse-Workshop der POMME-med GmbH am 18. Januar 2018 in München; Gemeinsame Sponsoren: AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, Amgen GmbH, Celgene GmbH, Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Novartis Pharma GmbH (tB).

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