47. Kongress der deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)

Neue Daten zu Novartis Ilaris® zeigen Wirksamkeit bei Colchicinresistentem FMF und bei SJIA

 

  • Bei familiärem Mittelmeerfieber (FMF) reicht die Standardtherapie Colchicin bei 5 bis 10 % der Patienten nicht aus1; bei diesen Patienten zeigte Canakinumab (Ilaris®) eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit.2,3
  • Patienten mit systemischer juveniler idiopathischer Arthritis (SJIA) können trotz Reduktion der Canakinumab-Dosis eine dauerhafte Krankheitskontrolle erreichen.4

 

Dresden/Nürnberg (9. September 2019) – Bei seltenen autoinflammatorischen Erkrankungen wie dem familiären Mittelmeerfieber (FMF) und systemischer juveniler idiopathischer Arthritis (SJIA) ist eine möglichst frühe Diagnose und gezielte Therapie wichtig, um Langzeitschäden und lebensgefährliche Risiken zu vermeiden. Für beide Erkrankungen, die auf einer übermäßigen Produktion des proinflammatorischen Zytokins Interleukin-1β (IL1β) beruhen, wurden im Rahmen des 47. Kongresses der deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Dresden jetzt aktuelle Daten vorgestellt.4,5

 

FMF: Expertenpanel empfiehlt Definition für ,Colchicin-Resistenz’

Als Therapiestandard bei FMF gilt die tägliche Einnahme von Colchicin, wodurch das Risiko einer Amyloid-A-Amyloidose deutlich reduziert werden kann: vor der Verfügbarkeit von Colchicin entwickelten 60 % der FMF-Patienten langfristig eine Amyloidose.6 Doch bei 5 bis 10% der Fälle wirkt Colchicin nicht oder ist in der benötigten Dosis unverträglich, sodass von einer ‚Colchicin-Resistenz‘ gesprochen wird.1 Diese ist in der Praxis oft wenig eindeutig, daher liefert nun ein jüngst veröffentlichter Konsens eines Expertenpanels aus FMFerfahrenen Ärzten eine klare Definition: Colchicin-resistent seien demnach „Patienten mit anhaltender Krankheitsaktivität bei maximal tolerierter Dosis, reflektiert durch entweder rezidivierende klinische Attacken (durchschnittlich ≥ 1 pro Monat über 3 Monate) oder ständig erhöhtes CRP oder SAA zwischen den Attacken ohne andere plausible Erklärung“.5 Bei Colchicin-Resistenz und damit einhergehend unzureichender Kontrolle der Krankheitsaktivität empfiehlt die Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) und die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) die Anwendung einer IL-1βBlockade. „Der Anti-IL-1b-Blocker Canakinumab ist zur Therapie von FMF in Deutschland zugelassen. Bei Colchicin-resistentem FMF sollte eine Therapie mit IL-1 Blockern eingeleitet werden,“ erläuterte Prof. Jasmin Kümmerle-Deschner, Universität Tübingen.

In der zulassungsrelevanten internationalen Phase-III-Studie CLUSTER zeigte sich Canakinumab u. a. bei Colchicin-resistentem (cr) FMF gegenüber Placebo überlegen  (p < 0,005) und war gut verträglich.3 61 % der eingeschlossenen crFMF-Patienten erreichten unter empfohlener Anfangsdosierung von 150 mg eine komplette klinische Remission (p < 0,0001 vs. Placebo).3 Bei unzureichender Ansprache ermöglichte eine Dosissteigerung im ersten Monat auf 300 mg (bzw. 4 mg/kg alle 4 Wochen) eine weitere Verbesserung der Krankheitskontrolle.3

„Nicht nur eine effektive Therapie ist für FMF-Patienten entscheidend, sie sollten vor allem zügig eine geeignete Behandlung erhalten. Dafür ist grundsätzlich wichtig, bei Kindern und Erwachsenen mit Herkunft aus dem östlichen Mittelmeerraum und FMF-typischer Symptomatik wie wiederkehrenden Fieberschüben, Bauch- und Brustschmerzen sowie entzündeten, geschwollenen Gelenken an das hierzulande seltene familiäre Mittelmeerfieber (FMF) zu denken“7,8,9, so Kümmerle-Deschner.

 

SJIA: Dosisreduktion bei anhaltender Remission möglich

Ein IL-1-vermitteltes autoinflammatorisches Krankheitsgeschehen liegt auch der ebenfalls seltenen systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis (SJIA) zugrunde. Die Erkrankung mit bislang unbekannter Ursache gilt als schwerste Form der Arthritis bei Kindern und Jugendlichen.10 Auch hier sind eine rasche Diagnose und zielgerichtete Therapie entscheidend. „Die SJIA nimmt häufig einen sehr akuten Verlauf. Daher ist die Kontrolle der Krankheitsaktivität wichtig, um lebensgefährlichen Komplikationen vorzubeugen“, wie Prof. Gerd Horneff, Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin, betonte. Therapieziele sind die Vermeidung von Langzeitschäden wie Nieren-Amyloidose und des potenziell lebensbedrohlichen Makrophagen-Aktivierungssyndroms (MAS).10-13 Sind NSAR und Kortikosteroide nicht ausreichend wirksam, ist für SJIA-Patienten ab 2 Jahren seit 2013 ebenfalls Canakinumab zugelassen.2

Seit 2001 erhobene Daten aus dem BIKER (Biologika in der Kinderrheumatologie)-Register belegen für Canakinumab eine gut verträgliche Langzeitwirksamkeit: jeder vierte Patient erreichte eine vollständige Remission.14

Angesichts der wachsenden Bedeutung individualisierter Therapien untersuchte eine Phase-IIIb/IV-Open-label-Studie zwei Strategien zur Dosisreduktion bei Patienten, die unter Canakinumab eine 6 Monate andauernde Remission erreicht hatten:4 In jeweils drei Stufen wurde die Dosis im Abstand von vier Wochen zunächst auf 2 mg/kg, dann 1 mg/kg bis hin zum Absetzen der Therapie entweder reduziert oder die Injektionsintervalle verlängert. Nach 24 Wochen befanden sich jeweils 71 bzw. 84 % (primärer Endpunkt 40 %) der Patienten in Remission, jeder Dritte konnte die Medikation ganz absetzen. „Wie die Daten zeigen, kann für diese Patienten eine anhaltende Krankheitskontrolle trotz reduzierter Canakinumab-Dosis ein realistisches Behandlungsziel sein.“4, so Horneff.

 

Über Ilaris® (Canakinumab)

Ilaris® ist ein vollständig humaner, monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung autoinflammatorischer Erkrankungen entwickelt wurde. Er bewirkt eine schnelle, anhaltende und selektive Blockade des Botenstoffs Interleukin-1β (IL-1β). Eine Überproduktion von IL-1β führt dazu, dass sich der Körper selbst angreift. Die Folgen: Entzündungen, Gewebeschädigung und -zerstörung sowie weitere Symptome. Der Antikörper bindet selektiv an IL-1β, dessen Signalwirkung dadurch neutralisiert wird. Dieser Wirkmechanismus reduziert die Entzündungssymptome und ermöglicht einen langanhaltenden klinischen Effekt. Canakinumab zeigt keine Kreuzreaktivität mit IL-1α oder mit IL-1Ra und hat eine Halbwertszeit von 21–28 Tagen.2

Seit 2009 ist Ilaris® für die Behandlung der CAPS (Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrome) zugelassen. Im Jahr 2013 folgten die Zulassungen zur symptomatischen Behandlung von Gichtarthritis bei Patienten mit häufigen Gichtanfällen, bei denen NSAR und Colchicin nicht angewendet werden können, sowie zur Behandlung von Patienten mit systemischer juveniler idiopathischer Arthritis (SJIA), bei denen NSAR und Kortikosteroide nicht anschlagen. Im Jahr 2016 wurde die Zulassung auf erwachsene Patienten mit Still Syndrom (AOSD, Adult Onset Still’s Disease) ausgedehnt. Seit Februar 2017 besitzt Ilaris® die Zulassung zur Behandlung von drei weiteren periodischen Fiebersyndromen: Familiäres Mittelmeerfieber (FMF), Hyperimmunglobulin-D-Syndrom (HIDS)/Mevalonatkinase-Defizienz (MKD) und Tumor-Nekrose-Faktor-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom (TRAPS). Seit September 2017 steht Ilaris® als Injektionslösung zur Verfügung.2

 

Über Novartis

Novartis will neue Wege finden, um Menschen zu einem längeren und besseren Leben zu verhelfen. Als ein führendes globales Pharmaunternehmen nutzen wir wissenschaftliche Innovationen und digitale Technologien, um bahnbrechende Therapien in Bereichen mit großem medizinischen Bedarf zu entwickeln. Dabei gehören wir regelmäßig zu jenen Unternehmen, die weltweit am meisten in Forschung und Entwicklung investieren.

Die Produkte von Novartis erreichen global mehr als 750 Millionen Menschen, und wir suchen nach neuen Möglichkeiten, den Zugang zu unseren neuesten Therapien zu erweitern. Weltweit sind bei Novartis rund 105.000 Menschen aus mehr als 140 Nationen beschäftigt.

 

Referenzen

  1. Putterman C et al. Semin Arthritis Rheum. 1991; 21: 143–155.
  2. Fachinformation Ilaris®.
  3. De Benedetti F et al. Ann Rheum Dis. 2016; 75 (Suppl 2): 615.
  4. Kallinich T et al. DGRh-Kongress 2019, Poster KR.14.
  5. Kümmerle-Deschner J et al. DGRh-Kongress 2019, Abstract O08. Poster VS. 16
  6. Gafni J et al: Isr J Med Sci 1968; 4: 995–999.
  7. Cleveland Clinic. Periodic Fever Syndrome. https://my.clevelandclinic.org/services/orthopaedicsrheumatology/diseases-conditions/periodic-fever-syndrome. Accessed September 2019.
  8. Neudorf U et al. Z Rheumatol 2013; 72: 332–338.
  9. Lainka E et al. Ann Paediatr Rheum 2013; 2: 3–13.
  10. Ravelli A, Martini A. Lancet 2007 Mar 3; 369 (9563): 767–778.
  11. Sawhney S et al. Arch Dis Child 2001; 85: 421–426.
  12. Weiss JE, Ilowite NT. Pediatr Clin North Am 2005; 52 (2):413–442, vi.
  13. Stephan JL et al. Rheumatology (Oxford) 2001; 40: 1285–1292.
  14. Ruperto N et al. N Engl J Med 2012; 367: 2396–2406.

 


Quelle: Novartis, 09.09.2019 (tB).

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