60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.
Präsident fordert Neupositionierung seiner Disziplin

Stuttgart (19. März 2008) – „Es ist Zeit, für neue Impulse!“ Professor Dr. Reinhold Horsch, amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und Vorsitzender des diesjährigen DGU-Kongresses in Stuttgart ( 24. bis 27. September 2008), fordert die Mitglieder seiner wissenschaftlichen Fachgesellschaft auf, mit einer inhaltlichen Neupositionierung die Weichen für die Urologie von Morgen zu stellen.

Den Vorsitz der Gesellschaft für eine Amtsperiode inne zu haben, sei eine große Ehre, so der Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Ortenau-Klinikum Offenburg, der sich durch die langjährige Arbeit im DGU-Vorstand gut auf seine Aufgabe vorbereitet sieht. Die Herausforderungen sind groß. „Wenn man die derzeitige Situation unseres Gesundheitssystems und der Medizin in Deutschland allgemein betrachtet, muss man konstatieren, dass circa 80 Prozent der Ärzte in den Kliniken und Krankenhäusern mit den Arbeitsbedingungen dort unzufrieden sind. Die Gründe lauten ausufernde Bürokratie, Arbeitsüberlastung und zu geringe Bezahlung. Die niedergelassenen Kollegen wiederum müssen um die Zukunft ihrer Praxen bangen, weil sie, wie die Kliniken, unter der restriktiven Budgetierung nicht mehr die Medizin anbieten können, die notwendig wäre“, so Professor Horsch. Gesundheitspolitische Ratschläge wie das „Mobilisieren von Rationalisierungsreserven“ würden einem dann wie Hohn vorkommen und seien mitverantwortlich für die Tatsache, dass tausende deutsche Mediziner ins Ausland abwandern und dort arbeiten. „Die Urologie hat natürlich wie andere Fächer auch unter dieser Situation zu leiden. Derzeit herrscht ein starker Mangel an Assistenz- und Fachärzten. Es ist deshalb wichtig, unser Fach für den Nachwuchs attraktiver zu machen. Auszeichnungen wie ‚Die Besten für die Urologie‘ sind gute Ansätze“, erklärt der Präsident. Urologische Stiftungsprofessuren würden angeboten, aber es fehlten die geeigneten Bewerber, sagt der Offenburger. „Dies macht deutlich, dass wir unsere wissenschaftliche Kompetenz in der Grundlagenforschung wesentlich stärken müssen, damit unser Fach auch weiterhin für den innovationsfreudigen und kreativen Nachwuchsmediziner attraktiv bleibt. Positive Impulse erhoffe ich mir diesbezüglich durch das neu etablierte Forschungsressort im Vorstand der DGU“, so Professor Horsch.

 
Wie jedes medizinische Fachgebiet müsse auch die Urologie somit durch eine kontinuierliche inhaltliche Weiterentwicklung ihre Zukunftsfähigkeit erhalten, da ist sich der DGU-Präsident sicher. Es gelte, errungene Kompetenzen zu erhalten und durch neue Schwerpunkte die Zukunft zu gestalten: Prävention, medikamentöse Tumortherapie, Translationale Forschung, interdisziplinäres Handeln und Grundlagenforschung seien die Schlüsselbegriffe.

„Die Urologie stand lange unter dem Einfluss der konservativen Chirurgie. Seit Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wird unser Fachgebiet sehr stark durch die Medizintechnik geprägt und technische Fortschritte führten zu neuen, revolutionären Behandlungsmethoden wie ESWL, PNL, URS, Laser, Laparoskopie und Da Vinci. Hier haben wir uns Fachkompetenzen erarbeitet, die es aufzuzeigen und herauszustellen gilt. Doch haben wir über viele Jahre hinweg vorwiegend diese operative Kompetenz, die unzweifelhaft ist, in den Vordergrund gestellt. Die entsprechende Dokumentation der Ergebnisse (Studien) war in der Vergangenheit allerdings nicht befriedigend. Auf diesem Gebiet herrscht in Zukunft ein deutlicher Nachholbedarf“, so Professor Horsch.

„Zukünftig dürfen wir uns aber nicht nur auf den operativen Bereich beschränken, sondern wir müssen uns verstärkt sowohl mit der Prävention urologischer Erkrankungen als auch mit der medikamentösen Tumortherapie befassen. Bei der Krebsprävention und den Theorien zur Krebsentstehung wurden in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Translationale Forschung in der Onkologie, also die Übertragung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die angewandte Forschung, ist heute zwingend.

Neue Erkenntnisse in der Gentechnik, der Molekularbiologie, möglicherweise auch in der Nanotechnologie, der Chemoprävention (PCPT – Studie), aber auch Impfungen gegen spezielle Krebsformen zeigen uns Urologen, wo wir in Zukunft Schwerpunkte beziehungsweise Kompetenzen haben müssen. Sehr zu begrüßen und zukunftweisend sind deshalb Kooperationen mit hochrangigen Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit Unterstützung des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum Beispiel zur Forschung auf dem Gebiet des Prostatakarzinoms.“ Bei der Gestaltung der Zukunft des Faches Urologie werde es überdies darauf ankommen, inwieweit es gelingen werde, das interdisziplinäre Handeln mehr in den Vordergrund zu stellen, meint Professor Horsch. Als Beispiel seien hier die derzeit viel diskutierten Prostata- und Karzinomzentren angeführt. „Fortschritte bei der Behandlung urologischer Krankheiten werden wir nur dann erzielen können, wenn wir die Grundlagenforschung verstärken, den Genetiker, den Molekularbiologen und auch die angrenzenden Fachspezialisten als Teamarbeiter gewinnen können“, appelliert der DGU-Präsident.

Das Programm des 60. DGU-Kongresses, der vom 24. bis 27. September 2008 unter der Leitung von Professor Horsch im Internationalen Congresscenter in Stuttgart stattfindet, wird diese inhaltliche Neuorientierung widerspiegeln. Unter dem Motto „Kompetenzen erhalten – Zukunft gestalten“ stehen Themen wie Nanotechnologie und NOTES (natural orifice transluminal endoscopic surgery), aber auch die Arzt-Patienten-Kommunikation in der Onkologie auf dem Tagungs-Tableau. „In Stuttgart werden wir unsere bewährten Fachkompetenzen stärken und wissenschaftliche Neuerungen in allen wesentlichen Bereichen der Urologie vermitteln. Gleichzeitig wollen wir nachhaltige Signale für die Urologie von Morgen setzen und den Mitgliedern unserer medizinischen Fachgesellschaft neue Impulse bieten, die für das Fortbestehen der urologischen Disziplin entscheidend sind“, sagt der renommierte Offenburger Urologe.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. vom 19.03.2008.

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