Ärztebefragung auf dem DGGG

Das von-Willebrand-Syndrom ist bei den Gynäkologen angekommen

 

Hattersheim (21. November 2012) – Das von-Willebrand-Syndrom (vWS) – mit einer Prävalenz von ca. 1 % die häufigste genetisch bedingte Blutgerinnungsstörung – betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Bleibt die Erkrankung unentdeckt, können die Folgen insbesondere für Frauen im Umfeld von Schwangerschaft und Geburt dramatisch sein. Daher haben Frauenärzte eine besondere Verantwortung, Patientinnen mit vWS oder anderen Störungen des Hämostasesystems zu erkennen. Standen lange Zeit Thrombosen (Thrombophilien) im Fokus, sind Gynäkologen inzwischen auch gegenüber Blutungsneigungen wie dem vWS hellhörig. Dies ergab eine Ärztebefragung auf dem diesjährigen Gynäkologenkongress (DGGG) in München. Die Frage ist nur: Was können Gynäkologen abseits der komplexen Gerinnungsdiagnostik tun, um potenzielle vWS-Patientinnen zu identifizieren?

 

Im Rahmen einer zufälligen Stichprobe wurden 47 Gynäkologen zu ihrem Wissen über die Grundlagen des vWS sowie zu ihren indikationsrelevanten Kenntnissen befragt. Alle interviewten Ärzte kannten das vWS, 27 Befragte schätzten die Prävalenz mit ca. 1 % richtig ein. Die Symptome häufiges Nasenbluten, Neigung zu blauen Flecken, Menorrhagie bzw. Hypermenorrhoe sowie Zahnfleischbluten wurden – in der genannten Reihenfolge mit leicht abnehmender Tendenz – überwiegend richtig erfasst. Das bedeutet, dass das Leitsymptom des vWS für Gynäkologen – eine sehr starke und lange Regelblutung bei Mädchen und Frauen – in dieser Facharztgruppe keine Unbekannte mehr darstellt.

 

 

Menorrhagie oft unerkannt – das vWS ist ein „Frauenleiden“

 

Kennzeichnend für vWS-Patientinnen ist es, dass die betroffenen Mädchen bzw. Frauen ihre Menstruation nicht als krankhaft verändert wahrnehmen und nicht aktiv beim Frauenarzt ansprechen. Grund: Andere weibliche Familienmitglieder haben eine ähnlich starke Periode.

 

Daher ist es wichtig, nach einer Menorrhagie/Hypermenorrhoe zielgerichtet und mit konkreten Fragen nach verbrauchten Hygieneartikeln, Fehlzeiten in Schule und Beruf u.s.w. zu fahnden. Ein großer Teil der befragten Gynäkologen bestätigte diese Vorgehensweise und gab an, bei Patientinnen mit einer solchen Dysfunktion der Regelblutung auch an das vWS als mögliche Ursache zu denken. Einen Menstruationsstärkenkalender schätzten die meisten der Befragten als hilfreich ein, um die Blutungsstärke und -dauer quantifizieren zu können. Ein Kalender zur Erfassung der Blutungsstärke wird vom „Netzwerk vWS“, einer Initiative zur Früherkennung des von-Willebrand-Syndroms, herausgegeben.

 

 

Schwere postpartale Blutungsereignisse beim vWS – ein Gerinnungsfragebogen schützt

 

Neben der Menorrhagie, die die Lebensqualität der Betroffenen meist erheblich einschränkt, sind für den Frauenarzt im Zusammenhang mit dem vWS auch vitale, akute Komplikationen relevant: schwere postpartale Blutungen, die für die Mutter lebensgefährlich werden können und häufig erst zwischen dem 5. und 7. Tag nach der Geburt auftreten. Dass solche Blutungen bei vWS-Patientinnen vorkommen können, war allen befragten Gynäkologen bekannt. Weniger bekannt war jedoch, dass auch bei habituellen Aborten und primärer Sterilität (z.B. Ovarial- oder Lutealinsuffizienz) an ein vWS gedacht werden muss. Eine Endometriose kommt jedoch ursächlich bei vWS nicht in Betracht. Um postpartale Blutungsrisiken bei ihren Patientinnen zu minimieren, können Gynäkologen bereits im Vorfeld einer Schwangerschaft mit Hilfe eines Gerinnungsfragebogens potenzielle Blutungskandidatinnen eruieren. Ein zielgerichteter, standardisierter Anamnesefragebogen wird ebenfalls vom „Netzwerk vWS“ bereitgestellt. Er hat sich als wertvolles diagnostisches Werkzeug erwiesen und weist mit hoher prädiktiver Aussagekraft auf eine Gerinnungsstörung hin.

 

Sowohl der Menstruationsstärkenkalender als auch der Gerinnungsanamnesebogen des Netzwerks kann unter der Service-Faxnummer 0211 – 516045-249 kostenfrei angefordert werden. Darüber hinaus stehen beide Praxismaterialien im Internet auf www.netzwerk-von-willebrand.de zum Download bereit.

 

 

Über das „Netzwerk vWS – Initiative zur Früherkennung des von-Willebrand-Syndroms“

 

Das „Netzwerk vWS“ wurde 2008 von CSL Behring gegründet und vereint wichtige Fachgesellschaften, Berufsverbände und Patientenorganisationen unter seinem Netzwerkdach. Wichtige Schwerpunkte des „Netzwerk vWS“ sind die Aufklärung zum von-Willebrand-Syndrom sowie die Sensibilisierung von Fachärzten für die Erkrankung außerhalb der Gruppe der Gerinnungsspezialisten. Ziel ist es, Gynäkologen und Kollegen anderer Disziplinen Möglichkeiten aufzuzeigen, potenzielle vWS-Patientinnen frühzeitig zu identifizieren. Insbesondere Gynäkologen sollen so das peripartale Blutungsrisiko minimieren und die Lebensqualität betroffener Frauen insgesamt erhöhen.

 


 

Quelle: CSL Behring, 21.11.2012 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung