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Agitation bei psychiatrischen Notfällen

Inhalatives Loxapin als Einmalgabe zur raschen Deeskalation

 

Berlin (19. Oktober 2014) – Bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen – z.B. bei Schizophrenie, Bipolarer Störung, aber auch bei Demenz und Alkoholabhängigkeit – können Zustände akuter Agitation auftreten. Dabei handelt es sich um eine Notfallsituation, wie die Referenten bei einem Symposium des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) am 19. Oktober in Berlin übereinstimmend betonten. Erregtheit und Aggressivität des Patienten führen oft zur Selbstund Fremdgefährdung und erfordern daher eine rasche Deeskalation. Als Notfall- oder Bedarfsmedikation mit nahezu idealem Profil hat sich die inhalative Applikation des Antipsychotikums Loxapin bewährt, dessen beruhigende Wirkung bereits innerhalb weniger Minuten spürbar wird. 

 

Der Zustand der akuten Agitation ist gekennzeichnet durch starke motorische Unruhe, Reizbarkeit und Aggressivität, wobei laute verbale Äußerungen oft Vorboten körperlicher Übergriffe sind, wie Prof. Arne Einar Vaaler, Trondheim, Norwegen, beim ECNP-Symposium erläuterte. Auch sei von einer massiv erhöhten Suizidalität auszugehen. Zwar liegen kaum systematische Studien zur akuten Agitation vor; deren Leitsymptome große Erregung und Angst sind jedoch typisch für ein hohes Selbstmordrisiko, und die Impulsivität stellt in dieser Hinsicht einen weiteren Risikofaktor dar.

 

Das weitgehende Fehlen systematischer Untersuchungen erklärt sich daraus, dass es sich bei der akuten Agitation um ein interdisziplinäres Zustandsbild handelt, das im Rahmen ganz unterschiedlicher Erkrankungen auftreten kann: bei psychiatrischen Krankheiten wie Schizophrenie, affektiven Störungen, ADHD, bei neurologischen Krankheiten wie Epilepsie, Demenz und Morbus Parkinson, aber auch bei Enzephalitis, Diabetes und Abhängigkeitssyndromen.

 

Unabhängig von der Ätiologie, so Vaaler, ist die akute Agitation eine kaum berechenbare Notfallsituation, die sehr schnell eskalieren kann und mit einer relevanten Selbst- und Fremdgefährdung verbunden ist. Um zu verhindern, dass die Situation außer Kontrolle gerät, müsse unverzüglich gehandelt werden. Bewährt haben sich deeskalierende Maßnahmen wie „talking down“ in Kombination mit einer entsprechenden Notfallmedikation.

 

Prof. Pierre-Michel Llorca, Clermont-Ferrand, Frankreich, ergänzte die Dringlichkeit einer effektiven Intervention mit Daten zur Gefährdung von Ärzten und Pflegekräften, die durch Erhebungen in Notaufnahmen gewonnen wurden. In einer Studie gaben über die Hälfte der Befragten an, schon einmal von einem Patienten im Zustand akuter Agitation körperlich angegriffen worden zu sein. Ein Viertel der Befragten hatte sich aus diesem Grund krank gemeldet.(1)

 

 

Deeskalation statt Zwang

 

Die Anwendung von Zwang – laut Llorca im Klinikalltag keine Seltenheit – erhöht das Risiko einer Eskalation. Außerdem kann restriktives Vorgehen nachweislich dazu führen, dass das Vertrauen des Patienten in die medizinische Versorgung nachhaltig leidet.(2) Nach eigenen retrospektiven Aussagen erleben die Patienten den Zustand der akuten Agitation als sehr bedrohlich mit starken Ängsten, Furcht vor Kontrollverlust, paranoiden Empfindungen, geringer Frustrationstoleranz und dem Gefühl, die lauernde Aggressivität könne jederzeit explodieren. In dieser Situation sind eine effektive deeskalierende Strategie und ein von Respekt getragener Umgang mit dem Patienten gefragt. Die Anwendung eines rasch wirksamen Antipsychotikums schafft die Basis für das weitere Vorgehen und fördert die Kooperationsfähigkeit des Patienten.

 

 

Anflutung innerhalb von Minuten

 

Prof. Eduard Vieta, Barcelona, Spanien, umriss die Anforderungen an ein ideales Medikament für die Notfallsituation der akuten Agitation: Das Medikament sollte einfach und nicht-invasiv anzuwenden sein. Der Wirkstoff sollte rasch anfluten. Er sollte eine beruhigende Wirkung entfalten, aber nicht übermäßig sedieren (rapid tranquilisation). Und er sollte sicher und gut verträglich sein.

 

Gut bewährt, so Vieta, habe sich inhalatives Loxapin (Adasuve®, Staccato®-System). Seit 2013 steht der Wirkstoff, der die Eigenschaften typischer und atypischer Antipsychotika in sich vereint, in dieser neuartigen Darreichungsform zur Verfügung, und es wurden inzwischen rund 3.000 Patienten erfolgreich behandelt.

 

Die tiefe Inhalation des Aerosols führt zu einer umgehenden Aufnahme ins Blut und einem Wirkeintritt innerhalb weniger Minuten. Maximale Plasmaspiegel werden bereits nach zwei Minuten und damit ähnlich schnell wie nach intravenöser Gabe erreicht. Zwei zulassungsrelevante Plazebo-kontrollierte Studien weisen einen deutlichen Rückgang der Agitation bereits nach 10 Minuten nach.(3,4) Inhalatives Loxapin wird einmal verabreicht, anschließend wird die jeweilige Basismedikation fortgeführt. Eine weitere zusätzliche Gabe zwei Stunden nach der ersten Inhalation ist bei Bedarf möglich.

 

 

Anmerkungen 

  1. Fernandes CM et al. CMAJ 1999; 161: 1245-1248
  2. Currier GW et al. J Psychiatr Pract 2011; 17: 387-393
  3. Kwentus J et al. Bipolar Disorder 2012; 14: 31-40
  4. Lesem MD et al. Br J Psychiatry 2011; 198: 51-58

 


Quelle: Ferrer/Trommsdorff, 19.10.2014 (tB).

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