AIO-Kongress 2019

Von der Vision zur Realität:
Präzisionsonkologie beim Lungenkarzinom

 

Berlin (22. November 2019) — Das Lungenkarzinom wird schon lange nicht mehr nur in kleinzellig (SCLC) und nicht-kleinzellig (NSCLC) unterteilt. Vielmehr gewinnen molekulargenetische Marker in der Praxis zunehmend an Relevanz.1 Insbesondere beim NSCLC sind heute eine Vielzahl onkogener Alterationen bekannt2 – und zunehmend sind auch personalisierte Therapien verfügbar, die präzise an den molekulargenetischen Ursachen des Tumors ansetzen. Gleichzeitig eröffnet die Krebsimmuntherapie für die Behandlung von immer mehr Lungenkrebspatienten eine weitere Perspektive. Im Rahmen eines Lunchsymposiums der Roche Pharma AG auf dem diesjährigen AIO-Herbstkongress in Berlin wurde aufgezeigt, dass eine präzise und individuelle Behandlung beim Lungenkarzinom zunehmend Realität wird und wie wichtig dabei eine präzise Diagnostik ist. Denn diese ist zentrale Voraussetzung dafür, dass möglichst viele Patienten von den jüngsten Fortschritten in der Onkologie profitieren können. Mit dem Krebsimmuntherapeutikum Tecentriq® ▼(Atezolizumab) und personalisierten Therapien wie Alecensa®▼(Alectinib) trägt Roche entscheidend dazu bei, dass immer mehr Lungenkrebspatienten eine moderne Therapie erhalten, die sie optimal in ihrem individuellen Kampf gegen den Krebs unterstützt. Im Bereich der personalisierten Medizin befindet sich zudem mit Entrectinib ein Wirkstoff für die Behandlung des ROS1-Fusionspositiven NSCLC und NTRK-Fusions-positiver solider Tumoren in fortgeschrittener klinischer Entwicklung.

Für Patienten mit fortgeschrittenem SCLC war die Chemotherapie lange die einzige Therapieoption. Dies änderte sich im September 2019 mit der First-Line-Zulassung des PD-L1-Inhibitors Tecentriq in Kombination mit Etoposid und Carboplatin.3 „Tecentriq ist das erste zugelassene Krebsimmuntherapeutikum beim SCLC – und der erste medikamentöse Fortschritt für unsere Patienten überhaupt nach Jahrzehnten“, so Prof. Dr. Martin Reck, Grosshansdorf. „Die Kombination mit Tecentriq war in der Zulassungsstudie beim Gesamtüberleben der alleinigen Chemotherapie signifikant überlegen und ist ganz klar der neue Standard beim fortgeschrittenen SCLC.“4 Auch NSCLC-Patienten bietet Tecentriq die Chance auf ein signifikant verlängertes Überleben: So reduziert beispielsweise die First-Line-Kombination aus Tecentriq, Avastin® (Bevacizumab) und Chemotherapie das Mortalitätsrisiko von NSCLC-Patienten mit Lebermetastasen signifikant um fast die Hälfte (HR: 0,52; mOS: 13,3 vs. 9,4 Monate).5 Neben den Krebsimmuntherapien stehen für die Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC aber zunehmend auch personalisierte Therapien zur Verfügung, die auf molekulargenetische Marker wie ALK oder ROS1 basieren. So profitieren ALK-Fusions-positive NSCLC-Patienten von der sehr guten systemischen und ZNS-Wirksamkeit des First-Line-Standards Alecensa mit einem medianen PFS von  34,8 Monaten.6 Auch für den Wirkstoff Entrectinib konnte eine hohe systemische und intrakranielle Wirksamkeit nachgewiesen werden – und zwar bei Patienten mit ROS1- und NTRK-Fusions-positivem NSCLC sowie weiteren NTRK-Fusions-positiven soliden Tumoren.


Entrectinib: Sehr gute Wirksamkeit bei ROS1-Fusions-positivem NSCLC

Eine aktualisierte integrierte Analyse der zulassungsrelevanten Studien belegt, dass insgesamt 79,2 % der Patienten mit ROS1-Fusions-positivem NSCLC auf den selektiven TKI‡ bzw. TRK§-Inhibitor ansprachen. 9,4 % der Patienten zeigten eine komplette Remission (CR). Im bisherigen Follow-Up (Cut-Off: 30. Oktober 2018) zeigte sich, dass die Patienten auch längerfristig von einer Therapie mit Entrectinib profitieren können: Sie erreichten – unabhängig vom ZNS-Status – ein progressionsfreies Überleben (PFS) von 19,0 Monaten (Abb. 1).7 Die integrierte Analyse zeigt zudem, dass Patienten mit NTRK-Fusions-positivem NSCLC unter Entrectinib eine ORR von 70,0 % erreichten – davon 10 % sogar eine CR.7

 

 

Abb. 1: Unter Entrectinib erreichten Patienten mit ROS1-Fusions-positivem NSCLC ein medianes PFS von 19,0 Monaten [nach 7]

 

Über die Hälfte der Patienten haben objektiv intrakraniell angesprochen

Die Daten belegen zudem, dass auch ROS1-Fusions-positive NSCLC-Patienten mit ZNS-Metastasen (43,5 % der Gesamtpopulation) von Entrectinib profitieren können: Rund drei Viertel der Patienten sprachen auf die Behandlung an (ORR: 73,9 %). Die mediane Ansprechdauer (DoR) betrug 12,6 Monate. Diese Patienten erreichten eine intrakranielle ORR von 55,0 % und eine intrakranielle DoR von 12,9 Monaten. Dabei konnte erst nach median 7,7 Monaten eine intrakranielle Progression beobachtet werden.7 „ZNS-Metastasen kommen beim NSCLC verhältnismäßig häufig vor und werden von vielen Patienten gefürchtet – insbesondere aufgrund der neurologischen Beeinträchtigungen, die damit einhergehen können“, betonte Reck. „Daher hat sich beispielsweise Alecensa schnell als Behandlungsstandard bei ALK-Fusions-positivem NSCLC etabliert. Bei ROS1Fusions-positivem NSCLC kommt es allerdings unter den aktuell verfügbaren Therapieoptionen häufig und schnell zu einer intrakraniellen Progression.“

 


NTRK-Fusions-positive solide Tumoren: histologieübergreifend wirksam

In den Studien zu Entrectinib wurden nicht nur NSCLC-Patienten, sondern auch Patienten mit anderen NTRK-Fusions-positiven soliden Tumoren untersucht. Auch bei ihnen konnte eine gute Wirksamkeit auf dem jeweiligen Primärtumor und auf ZNS-Metastasen beobachtet werden: Ihre ORR betrug 59,3 % und sie erreichten ein PFS von 11,8 Monaten. Patienten mit ZNS-Metastasen bei Studienbeginn erreichten eine intrakranielle ORR von 54,5 %.8

Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil von Entrectinib war in allen Studien gut und konsistent.7,8,9

 

Anmerkungen

‡ Tyrosin-Kinase-Inhibitor

§ Tropomyosinrezeptorkinase

 

Literaturverweise

  1. Jordan EJ et al., Cancer Discov 2017; 7: 596-609
  2. Griesinger F et al., Onkopedia-Leitlinie „Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC)“, Stand: Oktober 2018
  3. Aktuelle Fachinformation Tecentriq®
  4. Horn L et al., N Engl J Med 2018; 379(23): 2220–2229
  5. Reck M et al., Lancet Respir Med 2019; 7(5): 387–401
  6. Mok T et al., Poster 1484PD, ESMO 2019, 27.09. – 01.10.2019, Barcelona (Spanien)
  7. De Braud F et al., Poster 1488PD ESMO 2019, 27.09. – 01.10.2019, Barcelona (Spanien)
  8. Rolfo C et al., Poster 476P, ESMO 2019, 27.09. – 01.10.2019, Barcelona (Spanien)
  9. Doebele R et al., J Thorac Oncol 2018; 13(19): S321–22 (WCLC 2018; Abstract 13903)

 

 

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax +49 7624/14-3183) oder bei Tecentriq® an das PaulEhrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 6103/77-1234) und bei Alecensa® an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (www.bfarm.com oder Fax: +49 228/207-5207).

 

Eindeutige Kennzeichnung von biologischen Arzneimitteln in der medizinischen Kommunikation

Für die Patientensicherheit ist es wichtig, biologische Arzneimittel durch ihren Handelsnamen klar zu kennzeichnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass mögliche Nebenwirkungen eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet und zurückverfolgt werden können. Analog europäischer behördlicher Vorgaben für die Dokumentation des Handelsnamens in der Patientenakte nennt Roche in Publikationen, Texten und Presseinformationen deshalb neben dem internationalen Freinamen auch den Handelsnamen.

 

Roche weltweit

Roche ist ein globales Unternehmen mit Vorreiterrolle in der Erforschung und Entwicklung von Medikamenten und Diagnostika und ist darauf fokussiert, Menschen durch wissenschaftlichen Fortschritt ein besseres, längeres Leben zu ermöglichen. Dank der Kombination von Pharma und Diagnostika unter einem Dach ist Roche führend in der personalisierten Medizin – einer Strategie mit dem Ziel, jeder Patientin und jedem Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen.

Roche ist das größte Biotech-Unternehmen weltweit mit differenzierten Medikamenten für die Onkologie, Immunologie, Infektionskrankheiten, Augenheilkunde und Erkrankungen des Zentralnervensystems. Roche ist auch der bedeutendste Anbieter von In-vitro- Diagnostika und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement.

Seit der Gründung im Jahr 1896 erforscht Roche bessere Wege, um Krankheiten zu verhindern, zu erkennen und zu behandeln und leistet einen nachhaltigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung. Zum Ziel des Unternehmens gehört es durch Kooperationen mit allen relevanten Partnern den Zugang von Patienten zu medizinischen Innovationen zu verbessern. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen heute 30 von Roche entwickelte Medikamente, darunter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Krebsmedikamente. Ausgezeichnet wurde Roche zudem bereits das zehnte Jahr in Folge als das nachhaltigste Unternehmen innerhalb der Pharmabranche im Dow Jones Sustainability Index.

Die Roche-Gruppe mit Hauptsitz in Basel, Schweiz ist in über 100 Ländern tätig und beschäftigte 2018 weltweit rund 94.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Jahr 2018 investierte Roche CHF 11 Milliarden in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von CHF 56,8 Milliarden. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan.


Roche in Deutschland

Roche beschäftigt in Deutschland rund 16.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Pharma und Diagnostik. Das Unternehmen ist an den drei Standorten in Grenzach-Wyhlen (Roche Pharma AG), Mannheim (Roche Diagnostics GmbH, Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Roche Diabetes Care GmbH sowie Roche Diabetes Care Deutschland GmbH) und Penzberg (Biotechnologie-Kompetenzzentrum, Roche Diagnostics GmbH) vertreten. Die Schwerpunkte erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics: von Forschung und Entwicklung über Produktion, Logistik bis hin zu Marketing und Vertrieb, wobei jeder Standort neben dem Deutschland-Geschäft auch globale Aufgaben wahrnimmt. Roche bekennt sich klar zu den deutschen Standorten und hat in den letzten fünf Jahren in diese über 2,7 Milliarden Euro investiert.

  • Weitere Informationen zu Roche in Deutschland finden Sie unter www.roche.de

 

Roche Pharma AG

Die Roche Pharma AG im südbadischen Grenzach-Wyhlen verantwortet mit rund 1.500 hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das deutsche Pharmageschäft. Dazu gehören Marketing und Vertrieb von Roche Medikamenten in Deutschland sowie der Austausch mit Wissenschaftlern, Forschern und Ärzten in Praxen und Krankenhäusern. Im Bereich der klinischen Forschung koordiniert der Standort alle zulassungsrelevanten Studien für Deutschland sowie Studien für bereits auf dem Markt befindliche Produkte. Für den europäischen Raum erfolgen in Grenzach-Wyhlen zudem zentrale Elemente der technischen Qualitätssicherung.

 

 


Quelle: Roche Pharma, 22.11.2019 (tB)

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