Akademie veröffentlicht Thesenpapier zur Infektionsforschung

Hamburg (3. Juli 2020) — Sind wir gut aufgestellt in der Infektionsmedizin? Gibt es in Deutschland ausreichend Infektionsmediziner, die am Patienten und im Labor qualifiziert sind? Wie kann man für gut ausgebildete Nachwuchskräfte sorgen? Dies sind wichtige Fragen nicht nur mit Blick auf die aktuelle COVID-19-Pandemie, sondern für die Diagnostik und Therapie der bekannten und immer wieder neuen Infektionskrankheiten ganz allgemein. Antworten und Empfehlungen zu diesen und weiteren Fragen gibt das Thesenpapier „Strukturen der universitären Infektionsmedizin und der Krankenhaushygiene in Deutschland“ der Akademie der Wissenschaften in Hamburg.

Die Erkennung, Behandlung und Verhütung von Infektionen des Einzelnen sowie die Aufdeckung und Eindämmung von Infekt-Ketten sind Kerngebiete der Medizinischen Mikrobiologie, der Virologie, der Hygiene und der Klinischen Infektionsmedizin. Die Bedeutung der Fächer nimmt im Umfeld von zunehmenden Resistenzen von Infektionserregern gegen Antibiotika, Mangel an innovativen Antibiotika und ‚neuen‘ Infektionskrankheiten sowie der Veränderung mikrobiell-ökologischer Gleichgewichte durch Klimaveränderungen zu.

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass in Deutschland die medizinische und damit patientenrelevante Innovationskraft im internationalen Vergleich an Boden verliert. Auf großen internationalen Konferenzen nimmt die Sichtbarkeit der Infektionsforschung aus Deutschland ab.

In dem Thesenpapier werden die Gründe für diese Entwicklung aufgezeigt und Ansatzpunkte für eine Gegensteuerung dargestellt. Gerade die aktuelle Situation einer Pandemie mit massiven Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung, die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben insgesamt zeigt, wie groß der Bedarf an gut ausgebildeten Wissenschaftlern im Bereich Infektionsmedizin ist, und wie Fragen zu unterschiedlichen Aspekten der Infektionsmedizin wie Virologie, Immunologie, Epidemiologie und Klinische Infektiologie ineinandergreifen und wissenschaftliche Antworten aus allen Bereichen der Infektionsmedizin dringend benötigt werden.

Das Papier wendet sich in erster Linie an Medizinische Fakultäten, Universitätskliniken sowie an die Förderer von Forschungsvorhaben in der Infektionsmedizin. Auch Ärztinnen und Ärzte sind angesprochen, die einen wissenschaftlichen Schwerpunkt in der Planung und Durchführung von Studien in der Infektionsmedizin haben.

Das Thesenpapier resümiert die Ergebnisse des Runden Tisches “Strukturen der Infektionsmedizin und der Hygiene in Deutschland“ der Akademie der Wissenschaften in Hamburg am 19. und 20. April 2018, der in Zusammenarbeit mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Hamburg stattfand. Das Papier wurde in den mitwirkenden Organisationen bearbeitet und von der Arbeitsgruppe „Infektionsforschung und Gesellschaft“ der Akademie der Wissenschaften in Hamburg am 13.12.2019 verabschiedet und nach dem Ausbruch der Corona-Epidemie im Frühjahr 2020 aktualisiert.

 

Thesenpapier zum Download


Die Akademie


Der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gehören herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen aus Norddeutschland an. Sie trägt dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen Fächern, Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Institutionen zu intensivieren. Sie fördert Forschungen zu gesellschaftlich bedeutenden Zukunftsfragen und wissenschaftlichen Grundlagenproblemen und macht es sich zur besonderen Aufgabe, Impulse für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu setzen. Die Grundausstattung der Akademie wird finanziert von der Freien und Hansestadt Hamburg. Präsident der Akademie ist Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. E.h. Edwin J. Kreuzer. Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg ist Mitglied in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

 


Quelle: Akademie der Wissenschaften in Hamburg, 03.07.2020 (tB).

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