Aktiv gegen den Personalmangel in der Neurologie:

Nachwuchs finden – Nachwuchs binden

 

Mannheim (21. September 2010) Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie macht mobil und rekrutiert aktiv neuen Nachwuchs – unter dem Dach der Kampagne „Deutschland behält die Nerven – Zukunft braucht Neurologen“ und mit ihrer Nachwuchsorganisation „Junge Neurologen“. Damit soll dem Personalmangel in neurologischen Kliniken begegnet werden, der sich in den kommenden Jahren deutlich zu verschärfen droht.

 

In vielen neurologischen Kliniken und Abteilungen herrscht ein Mangel an Fachkräften. 30 bis 40 Prozent der neurologischen Akut‐ und Fachkliniken fehlt es an Neurologen oder Assistenzärzten, sechs bis neun Prozent können sogar mehr als ein Viertel ihrer offenen Stellen nicht wieder besetzen. Dies teilte Professor Dr. Heinz Reichmann (Dresden), 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), heute in Mannheim auf der Neurowoche 2010 mit. Die Fachgesellschaft will dem Personalmangel, der sich in den kommenden Jahren durch steigende Patientenzahlen und sinkende Studentenzahlen in der Humanmedizin weiter verschärfen wird, nun aktiv begegnen. Reichmann stellte die Kampagne „Deutschland behält die Nerven“ vor, eine Initiative der DGN in Zusammenarbeit mit den neurologischen Berufsverbänden.

 

 

Steigender Bedarf an Neurologen

 

In nicht einmal 15 Jahren haben sich die neurologischen Patientenzahlen in den Kliniken verdoppelt. Dafür gibt es mehrere Gründe: die demografische Alterung der Menschen erhöht die Zahl neurologischer Erkrankungen wie Demenzen, die Parkinson‐Krankheit oder den Schlaganfall. Zudem können mit dem therapeutischen Fortschritt heute deutlich mehr neurologische Erkrankte behandelt werden, zum Beispiel Multiple‐ Sklerose‐Patienten. Außerdem haben sich die Fachärzte für das Nervensystem in den vergangenen Jahren deutlich stärker in der Akut‐ und Notfallmedizin etabliert, etwa in den bundesweit heute rund 200 Stroke Units (Schlaganfallspezialstationen) oder in Spezialeinrichtungen für Schwindel und Schmerz. Die Neurologie hat sich auf diese Weise von einer traditionell eher diagnostisch orientierten hin zu einer modernen und aktiv therapierenden Fachdisziplin entwickelt.

 

 

„Deutschland behält die Nerven – Zukunft braucht Neurologen“

 

Um auch in der Öffentlichkeit dieses moderne Bild der Neurologie zu zeichnen, macht die DGN derzeit mit der Nachwuchskampagne „Deutschland behält die Nerven“ auf die Neurologie aufmerksam. Ein Imagefilm erklärt in nur vier Minuten, welche Aufgaben Neurologen in der medizinischen Versorgung übernehmen und welche gesellschaftliche Bedeutung sie einnehmen. Neben diesem „neuen Gesicht der Neurologie“ und der zentralen Kampagnen‐Website www.nerven‐behalten.de sind zahlreiche Einzelmaßnahmen gestartet worden oder in Vorbereitung.

 

„Die strategische Formel in der aktuellen kompetetiven Situation mit anderen medizinischen Fachdisziplinen lautet: Nachwuchsarbeit = Nachwuchsförderung + Nachwuchswerbung“, sagt Reichmann. So werden bereits in Schulen verstärkt Vorträge und Aktionen veranstaltet, die die Faszination am Organ Gehirn transportieren. Eine zentrale Rolle spielen die Jungen Neurologen, die über ihre neue Website www.jungeneurologen.de sowie über Communities wie Facebook und Studi‐VZ Werbung für ihr Fachgebiet machen. Gleichzeitig organisiert die Gruppe Summer Schools oder Aktionen wie „Dein Tag in der Neurologie“ für Medizinstudenten, um den potenziellen Nachwuchs frühzeitig für das Fach zu begeistern. Strukturierte Karriere‐ und Mentorenprogramme sind in Vorbereitung.

 

In Deutschland arbeiteten Ende 2008 insgesamt 4.238 Fachärzte für Neurologie, davon rund zwei Drittel im stationären Bereich, der 449 neurologische Kliniken umfasst. In diesen wurden im Jahr 2007 mehr als 900.000 Fälle behandelt, zehn Jahre zuvor waren es nur etwa 500.000 – ein Anstieg um rund 80 Prozent in nur einer Dekade. Der größte Zuwachs an neurologischen Erkrankungen ist bei den über 65‐jährigen Menschen zu erwarten, die heute etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, im Jahr 2050 aber voraussichtlich deutlich mehr als 30 Prozent. In dieser Altersklasse steigen auch die Kosten, die neurologische Erkrankungen verursachen, deutlich an.

 

 

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)

 

sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort‐ und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

 


 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), 21.09.2010 (tB).

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