Aktualisierung der S3-Leitlinie zum Ovarialkarzinom

Berlin (2. November 2016) – Das Leitlinienprogramm Onkologie hat im Oktober 2016 eine Aktualisierung der 2013 erschienenen S3-Leitlinie zur „Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“ veröffentlich. Die neue Version, die unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe entstand, ist der erste Schritt hin zu einem „Living-Guideline-Konzept“, das eine jährliche Leitlinien-Aktualisierung vorsieht. Die Überarbeitung der S3-Leitlinie war insbesondere durch die Einführung neuer Medikamente beim Ovarialkarzinom und eine neue pathologische Klassifikation dieser Tumorart notwendig geworden. Berücksichtigt wurden außerdem neue Studien zur Früherkennung und zur Therapie von Patientinnen, die nach einem Rückfall nicht auf eine platinhaltige Chemotherapie ansprechen.

Beim Ovarialkarzinom handelt es sich um die fünfthäufigste Tumorerkrankung der Frau. Aufgrund der fehlenden Frühsymptome erfolgt die Diagnose in rund 60% aller Fälle in fortgeschrittenen Stadien. Daraus resultiert eine relativ niedrige 5-Jahres-Überlebensrate von weniger als 40%. Für die Behandlung von Patientinnen mit einem wiederkehrenden platinsensiblen Ovarialkarzinom und einer nachgewiesenen Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen steht seit 2014 das erste Medikament aus der Reihe der PARP-Inhibitoren zur Verfügung. Diese Wirkstoffe blockieren ein Enzym, das an der DNA-Reparatur beteiligt ist. Bei Patientinnen mit einer Mutation in den BRCA-Genen lässt sich durch eine Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitoren das progressionsfreie Überleben verbessern. Die Sichtung der verfügbaren Evidenzen ergab außerdem, dass Kombinationschemotherapien für Patientinnen mit einem Platin-resistenten Rückfall keine Vorteile bringen.

„Leitlinien fassen das aktuelle Wissen zusammen und leiten daraus medizinische Handlungsempfehlungen ab. Angesichts des raschen Zuwachses an medizinischem Wissen, ist es wichtig, dass sie kontinuierlich auf ihre Gültigkeit überprüft und gegebenenfalls auch kurzfristig aktualisiert werden. Wir freuen uns deshalb sehr, dass mit der vorliegenden Überarbeitung der S3-Leitlinie zum Ovarialkarzinom der Anfang für eine jährliche Aktualisierung gemacht wurde“, kommentierte Prof. Dr. Uwe Wagner, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums Marburg und Koordinator der Leitlinie, das Erscheinen der Aktualisierung.

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)

Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Leistungserbringer und Patienten zur angemessenen Vorgehensweise bei speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar. Die
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) , die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm mehr als 15 S3-Leitlinien, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen. Mehr unter www.leitlinienprogramm-onkologie. de. Für den direkten Zugang zur neuen S3-Leitlinie zum Ovarialkarzinom nutzen Sie bitte folgenden Link: leitlinienprogramm-onkologie.de/Ovarialkarzinom.61.0.html

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich auf die Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie die Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin gründet. Sie fördert das gesamte Fach und ihre Subspezialitäten, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln und zu stärken. Sie fördert die Wissenschaft und Bildung auf diesem Gebiet mit dem Ziel, die gesamte Arbeit zu ermöglichen, zu vertiefen und den Austausch von Ideen zu verwirklichen. Sie garantiert damit die ständige Erneuerung diagnostischer und therapeutischer Richtlinien und Empfehlungen.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V, 02.11.2016 (tB).

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