Aktuelle Daten zu Simeprevir und Sofosbuvir* vom EASL-Kongress

Simeprevir bewährt sich in der Behandlungsrealität

 

Berlin (13. Mai 2015) – Nach 12-wöchiger Therapie mit einmal täglich Simeprevir (Olysio®) und Sofosbuvir (SMV/SOF) können Patienten mit chronischer Hepatitis C (HCV)-Infektion vom Genotyp (GT) 1 mit und ohne Zirrhose Heilungsraten von bis zu 97 Prozent erreichen.* Dies zeigen Daten der Phase III-Studien OPTIMIST I und II, die vom forschenden Pharmaunternehmen Janssen auf dem internationalen Leberkongress der „European Association for the Study of the Liver“ (EASL) Ende April 2015 in Wien vorgestellt wurden.[1,2] Auf dem Kongress präsentierte Ergebnisse aus Patientenkohorten untermauern diese Studiendaten.[3,4,5,6,8] Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Simeprevir zur Behandlung von Hepatitis C am 8. Mai 2015 in ihre Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgenommen.


Die offene randomisierte Studie OPTIMST I untersuchte die Wirksamkeit des 12-wöchigen SMV/SOF-Regimes bei therapienaiven oder -erfahrenen GT1-Patienten ohne Zirrhose (n=155). 97% der Patienten erreichten ein anhaltendes virologisches Ansprechen 12 Wochen nach Therapieende (sustained virological response, SVR12) [1]. Das Vorliegen eines Baseline Q80K- oder NS5A-Polymorphismus hatte keinen negativen Einfluss auf die SVR12-Rate.[1] Das gleiche Therapieregime wurde in der offenen, einarmigen Multicenter-Studie OPTIMIST II bei 103 Patienten mit kompensierter Leberzirrhose untersucht. Die untersuchte Population schloss Patienten mit negativen Prädiktoren für ein Therapieansprechen ein. Über alle Studienteilnehmer hinweg konnte eine SVR12-Rate von 84% erzielt werden. Patienten mit gut kompensierter Leberzirrhose (Albumin ³4g/dl) sprachen mit einer SVR12-Rate von 94% besser auf die Therapie an.[2]

 

Aussagen zur Wirksamkeit von SMV/SOF unter „Real Life“-Bedingungen lieferten verschiedene anlässlich des EASL präsentierte Studien aus der Versorgungsrealität. Zu nennen sind hier beispielsweise die Daten aus dem TRIO-Netzwerk[6], die US-Beobachtungstudie SONET[4] sowie die beiden deutschen multizentrischen Kohortenstudien SOFGER[5] und GECOSO[3]. Erste Real Life Daten wurden schon letztes Jahr auf dem AASLD mit der Registerstudie TARGET präsentiert.[7] Hier konnten Patienten mit Leberzirrhose, die zu keiner Zeit Zeichen einer Dekompensation aufwiesen, in 96% (95/99) der Fälle eine SVR4 erreichen. Anlässlich des EASL wurden von der TARGET-Kohorte die Ansprechraten bei Patienten mit dekompensierter Zirrhose veröffentlicht.[8] Die Publikation der SVR12-Raten der gesamten TARGET-Kohorte wird in Kürze erwartet.

 

 

GECOSO: HIV/HCV-Koinfizierte zeigen vergleichbare Ansprechraten

 

Erkenntnisse aus dem deutschen Versorgungsalltag liefert die Multicenter-Kohorte GECOSO mit aktuell 518 eingeschlossenen GT1-, GT2-, GT3- und GT4-Patienten, davon 393 HCV-Monoinfizierte und 125 HCV-/HIV-Koinfizierte.[3] Die Patienten erhielten unterschiedliche Therapien basierend auf direkt wirksamen Substanzen. Bei der vorliegenden Auswertung wurden ausschließlich GT1-/GT4-Patienten berücksichtigt. Für 25 der mit SMV/SOF therapierten Patienten lag zum Zeitpunkt der Auswertung ein Ergebnis zu Woche 12 nach Beendigung der Therapie vor. Von diesen konnten 23 (91%) der Patienten eine SVR12 erreichen. Insgesamt zeigte sich über alle Therapieregime, dass HCV-/HIV-Koinfizierte vergleichbare Ansprechraten erzielten wie HCV-Monoinfizierte. Bei fortgeschrittener Zirrhose (APRI Score >2) waren die SVR12-Raten über alle untersuchten Behandlungsoptionen hinweg um rund 15% niedriger (im Vergleich zu APRI Score <1; p<0,05).[3]

 

 

SONET: 91% erreichten SVR4 unter SMV/SOF

 

Von der fortlaufenden US-Beobachtungsstudie SONET lagen zum EASL die Ergebnisse einer ersten Interimsanalyse vor.[4] 41% der bis dato eingeschlossenen Patienten hatten eine Leberzirrhose, 81% waren mit GT1b infiziert. Neun von zehn Patienten erhielten ein Therapieregime von SMV/SOF (ohne Ribavirin). Zum Zeitpunkt der Auswertung hatten 91 % (21/23) der mit SMV/SOF therapierten Patienten eine SVR4 (virologisches Ansprechen 4 Wochen nach Behandlungsende) erreicht. Die Verträglichkeit der Therapie war sehr gut. Die häufigsten Begleiterscheinungen waren Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautausschlag.[4]

 

 

Weitere beim EASL präsentierte Studien zur HCV-Therapie im Versorgungsalltag im Überblick:

 

  • SOFGER ‑ 790 therapieerfahrene und naive Patienten (Genotyp 1-4) mit und ohne Leberzirrhose wurden in sechs großen deutschen Leberzentren mit Sofosbuvir basierten Regimen behandelt [5]. In der Kohorte waren 118 Patienten eingeschlossen, die eine Kombinationstherapie mit Simeprevir und Sofosbuvir erhielten.

 

  • TRIO-Network – 954 therapieerfahrene und naive Patienten (Genotyp 1-6) mit und ohne Leberzirrhose wurden in 142 Kliniken des TRIO Netzwerkes mit Sofosbuvir basierten Regimen behandelt [6]. 320 Patienten der Kohorte wurden mit Simeprevir und Sofosbuvir +/- Ribavirin behandelt.

 

  • HCV-Target – In die prospektive Beobachtungskohorte wurden 253 Patienten (Genotyp 1-3) mit dekompensierter Leberzirrhose (MELD Score ≥ 10) eingeschlossen [8]. 108 Patienten der Kohorte erhielten ein Regime aus Simeprevir und Sofosbuvir, 32 Teilnehmer eine Therapie mit Simeprevir und Sofosbuvir plus Ribavirin.

 

 

Quellen

  1.  A Phase 3, randomised, open-label study to evaluate the efficacy and safety of 12 and 8 weeks of treatment with simeprevir plus sofosbuvir in treatment-naïve and -experienced patients with chronic HCV genotype 1 infection without cirrhosis: The OPTIMIST-1 study. Presented at The International Liver Congress™ 2015. Poster LP14
  2. A Phase 3, open-label, single-arm study to evaluate the efficacy and safety of 12 weeks of simeprevir plus sofosbuvir in treatment-naïve or –experienced patients with chronic hepatitis c virus genotype 1 infection and cirrhosis: The OPTIMIST-2 study. Presented at The International Liver Congress™ 2015. Poster LP04
  3. P Ingiliz et al. German Multicenter Cohort on Sofosbuvir-based Treaments in HCV Mono- and HIV/HCV Co-Infeceted Patients (GECOSO); Poster P0835; EASL 2015, Wien
  4. I Alam et al. Effectiveness of Simeprevir-containing Regimens Among Patients with Chronic Hepatitis C Virus in various US Practice Settings: Interim Analysis of the SONET Study; Poster P0826,  EASL 2015, Wien
  5. P Buggisch et al. SOFGER: Sofosbuvir-Based Therapy in Real Life in Germany; Abstract P0777; EASL 2015; Wien
  6. D Dieterich et al. TRIO Network: Final Evaluation of HCV Patients Treated with 12 Week Regimens Containing Sofosbuvir +/- Simeprevir in the TRIO Network; Abstract P0775; EASL 2015; Wien
  7. Jensen D et al for the HCV-TARGET Study Group: Oral presentation 45 at AALSD 2014.
  8. R Reddy et al. HCV-Target: All Oral HCV Therapy is Safe and Effective in Patients with Decompensated Cirrhosis; Abstract O007; EASL 2015; Wien

 

 

Anmerkung

 

  • * Simeprevir in Kombination mit Sofosbuvir ist zugelassen bei GT1- und GT4- Patienten, bei denen Interferon nicht geeignet ist oder die es nicht vertragen und bei denen eine Behandlung dringend ist. Basierend auf der klinischen Bewertung des einzelnen Patienten kann Ribavirin hinzugefügt werden

 

 


Quelle: Jansen-Cilag, 13.05.2015 (tB).

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