Aktuelle Studien: Reizdarm lässt sich lindern

Flohsamen, Pfefferminzöl, einige Krampflöser und Hypnose können helfen

Berlin (20. August 2010) – Manche haben Schmerzen und Krämpfe im Unterleib, andere Durchfall oder Verstopfung, oder auch Völlegefühl und Blähungen. Ein Reizdarmsyndrom kann zu sehr unterschiedlichen Beschwerden führen. Obwohl die Darmerkrankung recht häufig ist, sind Behandlungen zur Linderung erst in den letzten Jahren besser erforscht worden. Daher hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nun Forschungsarbeiten zum Reizdarmsyndrom ausgewertet und auf seiner Website Gesundheitsinformation.de zusammengefasst.

Wie es zum Reizdarmsyndrom kommt, ist bisher nicht bekannt. Die Darmerkrankung tritt meist bei Menschen zwischen 35 und 50 Jahren auf. In dieser Altersgruppe sind etwa ein bis zwei von zehn Personen betroffen. Es kann immer noch passieren, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom nicht ernst genommen werden, weil man ihr Problem für reine Kopfsache hält", erklärt Professor Dr. med. Peter Sawicki, der Leiter des IQWiG. "Doch auch wenn Stress die Probleme verstärken kann, ist das Reizdarmsyndrom eine Darmerkrankung. Sie kann starke Beschwerden verursachen, die das tägliche Leben beeinträchtigen und seelisch sehr belastend sind."

Ballaststoffe: Flohsamen statt Kleie

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass nicht alle für das Reizdarmsyndrom angebotenen Therapien helfen. Es gibt jedoch Behandlungen, die einen Versuch wert sind. "Mittel aus Flohsamen – einem löslichen Ballaststoff, der Wasser im Darm bindet – scheinen zum Beispiel nützlich zu sein", so der Leiter des IQWiG. In Studien linderten sie die Beschwerden bei etwa einer von zehn Personen. Ob jemand Kleie zu sich nahm oder nicht, machte hingegen keinen Unterschied. Kleie ist ein unlöslicher Ballaststoff, der kaum Wasser bindet.

Auch Pfefferminzöl könnte die Beschwerden verringern – zumindest kurzfristig. In Studien ließen die Beschwerden bei vier von zehn Personen nach, wenn sie mangensaftresistente Kapseln mit Pfefferminzöl einnahmen.

Krampflöser: Auf das Mittel kommt es an

Krampflösende Medikamente könnten Menschen mit Reizdarmsyndrom ebenfalls Erleichterung verschaffen. "Allerdings kommt es auf den Krampflöser an", so Sawicki. "Butylscopolamin ist ein in Deutschland zugelassenes Mittel, das die Beschwerden lindern könnte. Warum Mebeverin bei Reizdarmsyndrom verschrieben wird, lässt sich hingegen nicht aus den Studien ableiten. Für dieses Medikament ist nicht nachgewiesen, dass es hilft."

Wenn jemand auf Arzneimittel verzichten oder noch eine andere Therapie ausprobieren möchte, ist eine Hypnosebehandlung eine Möglichkeit. Bei einer solchen Behandlung konzentriert man sich ganz auf eine bestimmte Vorstellung, die die Therapeutin oder der Therapeut vorgibt – etwa auf die Vorstellung, einen gesunden Darm zu haben. Die Forschung deutet an, dass auch von diesem Verfahren einige Menschen mit Reizdarmsyndrom profitieren könnten.

Beschwerden bessern sich oft von selbst

Wenn die gewählte Therapie nicht die erhoffte Linderung bringt, hilft oft eins zu wissen: "Bei vielen Menschen mit Reizdarmsyndrom verringern sich die Beschwerden mit der Zeit ganz von selbst", stellt Sawicki abschließend fest.

Die IQWiG-Website Gesundheitsinformation.de informiert die Bevölkerung allgemeinverständlich und aktuell über medizinische Entwicklungen und Forschungsergebnisse zu wichtigen gesundheitlichen Fragen. Hier finden Sie auch weitere Informationen zum Reizdarmsyndrom und anderen Darmproblemen. Wer über die neuesten Veröffentlichungen der unabhängigen Gesundheits-Website auf dem Laufenden sein möchte, kann den Gesundheitsinformation.de-Newsletter abonnieren.


Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 23.08.2010 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung