Alzheimer-Wirkstoff Memantine muss für alle Patienten erhalten bleiben

 

  • Unverständnis über Nutzenbewertung des IQWiG

  • Versorgungsrealität der Patienten wird durch reine Statistik ausgeblendet
  • Memantine ist für Patienten mit moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz die einzige Möglichkeit, die Krankheit zu lindern
  • Nichterstattung von Memantine würde zu enormen Mehrkosten bei Pflege- und Sozialversicherungen führen.

 

Frankfurt am Main (10. September 2009) – Das Frankfurter Pharmaunternehmen Merz hat mit Unverständnis und Befremden auf den heute veröffentlichten Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Alzheimer-Wirkstoff Memantine reagiert. „Mit seiner rein statistischen Betrachtung hat das Institut den klinischen Nutzen sowie die Praxiserfahrung von Ärzten, Patienten und Angehörigen bewusst ignoriert und gefährdet damit die lückenlose Versorgung der Alzheimer-Patienten in Deutschland“, sagt Dr. Martin Zügel, Sprecher der Geschäftsführung von Merz. Der Bericht sei aus Sicht von Merz weder in sich schlüssig noch angemessen.

 

„Obwohl das IQWiG die Wirksamkeit und Sicherheit von Memantine eindeutig bestätigt, kommt es zu dem Fazit, es gäbe keine Belege für einen Nutzen. Dabei zeigen unter einer sechsmonatigen Behandlung mit Memantine nur halb so viele Patienten eine deutliche Verschlechterung wie unter Placebo“, betont Zügel. „Es ist letztendlich also eine ethische Frage: Müsste ein Medikament, dessen Nutzen so offensichtlich ist, nicht für alle Patienten verfügbar sein?“ 

 

Folgt die Gemeinsame Selbstverwaltung der IQWiG-Einschätzung und schließt die in Deutschland am häufigsten verordnete Substanz unter den Alzheimer-Medikamenten aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aus, drohen bei der Pflegeversicherung und Sozialhilfe angesichts der neuen Volkskrankheit Demenz mit schon heute mehr als 1,2 Millionen Betroffenen enorme Mehrkosten.

 

„Wir bedauern sehr, dass das IQWiG die Erfahrungen von Ärzten, Patienten und deren Angehörigen ganz bewusst außen vor gelassen hat “, so Zügel. Stattdessen habe das Institut einen eigenen, rein statistischen Bewertungsansatz für seine Analyse gewählt. Dieser Ansatz werde allerdings der Komplexität und Besonderheit von Demenzerkrankungen in keiner Weise gerecht, da unter anderem patienten- und angehörigenrelevante Ergebnisse aus dem Versorgungsalltag nicht berücksichtigt werden. Zudem ist durch das unterschiedliche methodische Vorgehen bei der Nutzenbewertung der verschiedenen Antidementiva keine Vergleichbarkeit gegeben.

 

Alzheimer-Demenz ist bisher nicht heilbar. Dennoch kann der Alzheimer-Wirkstoff Memantine, der in Deutschland unter den Produktnamen Axura® (Merz) und Ebixa® (Lundbeck) vertrieben wird, den Krankheitsverlauf verlangsamen und den Patienten und Angehörigen die Alltagskompetenz und somit ein wichtiges Stück Lebensqualität länger erhalten. Wegen seines einzigartigen Wirkprinzips und des breiten Indikationsgebiets ist Memantine für tausende Patienten die einzige Möglichkeit, den tückischen Gedächtnisverlust zu verlangsamen. Die Wirksamkeit von Memantine ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien klar belegt; auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfehlen in ihren Leitlinien den langfristigen Einsatz von Memantine. Die Patienten können durch die Behandlung mit Memantine länger ein eigenständiges Leben im häuslichen Umfeld führen und von ihren Angehörigen betreut werden. Das schlägt sich auch auf der Kostenseite nieder: Eine aktuelle Versorgungsanalyse von mehr als 20.000 Alzheimer-Demenz Patienten der BARMER Krankenkasse ergab, dass die Gesamt-Behandlungskosten bei einer Therapie mit Memantine um 11 Prozent niedriger sind als die Gesamtkosten einer Nichtbehandlung. Im Vergleich zu einer nicht demenz-spezifischen Behandlung mit Psychopharmaka, Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln sind die Gesamtkosten sogar um 37 Prozent niedriger.

 

In Anbetracht der mehr als 140.000 Neuerkrankungen pro Jahr appelliert Merz an die Verantwortlichen der Gemeinsamen Selbstverwaltung, den Blickwinkel zu erweitern und die langfristigen Auswirkungen auf die Solidargemeinschaft zu berücksichtigen. Deshalb ist es wichtig, dass Memantine im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen verbleibt, so dass künftig nicht nur Privatpatienten, sondern weiterhin auch alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland die bestmögliche Alzheimer-Behandlung erhalten können.

 

 

 

Über Merz

Merz hat seinen Schwerpunkt bei Arzneimitteln zur Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen und ist führend im Bereich der Alzheimer-Forschung. Mit Memantine hat Merz den weltweit ersten Wirkstoff zur Behandlung von moderaten bis schweren Stadien der Alzheimer-Erkrankung entwickelt. Memantine ist international das zweitgrößte Produkt unter den Alzheimer-Medikamenten. In Deutschland ist das unter dem Produktnamen Axura vertriebene Alzheimer-Präparat seit sieben Jahren auf dem Markt. Jährlich werden mehr als 150.000 Patienten damit behandelt. Memantine wurde 2002 von der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Alzheimer-Demenz zugelassen. 2005 erweiterte die Behörde nach ausführlichen Prüfungen die Zulassung von Memantine zur Behandlung ab der moderaten, über die mittelschwere bis hin zur schweren Alzheimer-Demenz.

 

Ein weiteres Kompetenzfeld von Merz ist die klinische und ästhetische Dermatologie.Die Merz-Gruppe beschäftigt über  2.200 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2007/08 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 610 Mio. Euro (Vorjahr: rund 535 Mio. Euro).

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Firma Merz vom 10.09.2009 (tB).

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